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Wer hat Angst vor dem bösen Wolf? Das Killerkarnickel nicht Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Wolf im Karnickelpelz

Die Grünen als Kampfkaninchen: Kritische Nachfragen zur Hasenplage in Berlin

          Die bislang beste Antwort auf die Frage, warum die Grünen in der Europawahl derart abgesahnt haben, ist nicht im neunmalklugen Berlin gefunden worden, sondern in Rheinland-Pfalz. Der Fraktionsvorsitzende der CDU in Mainz wusste zu berichten, dass man das von den Grünen vorgegebene Wahlkampfthema „Wie können wir die Welt retten?“ einfach nicht habe toppen können. Größer wäre in der Tat allenfalls die Forderung nach dem Ausstieg aus der Atomenergie auch auf der Sonne oder nach einem Tempolimit für die Milchstraße gewesen, aber damit hätte man ja wieder nur der Habeck-Partei in die Karten gespielt.

          Die Grünen können es offenbar selbst noch nicht ganz glauben, dass sie plötzlich so sexy sind, obwohl unter ihren Talaren noch immer der Muff von gefühlt tausend linksversifften Jahren steckt. Irgendwie ist ihnen ein Imagewechsel gelungen, auch wenn zunächst nicht ganz klar war, wie man dieses neue Image eigentlich beschreiben sollte.

          Auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt wurde jetzt jedoch im abermals kongenialen Zusammenspiel zwischen Politik und Presse auch diese Frage beantwortet: Die Grünen sehen sich selbst am liebsten als „Kampfkaninchen“.

          Wer bis dato nur Zwergkarnickel oder Hasenrücken in Sahnesoße kannte: Das Kampfkaninchen ist die genialste Züchtung seit der Domestizierung der eierlegenden Wollmilchsau. Die einen sehen bei diesem Namen vor ihrem inneren Auge ein Angorahäschen vorbeihoppeln, das „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“ lispelt und dabei so sanftmütig dreinblickt wie Robert Habeck mit seinem flauschigen Dreitagebart.

          Die älteren und damit militanteren Anhänger der Grünen denken dagegen an das Killerkaninchen in „Die Ritter der Kokosnuss“, das selbst einem schwer gepanzerten Gegner die Kehle durchbeißt – an einen Wolf im Karnickelpelz also. Und welcher aufrechte Gutmensch würde es heutzutage wagen, den Wolf nicht zu lieben?

          Kein Wunder somit, dass Sven Giegold und Habeck dankbar, ja begeistert das Fellknäuel aufnahmen, das ihnen die Hauptstadtpresse zuspielte. Doch müssen wenigstens wir ein paar kritische Nachfragen stellen: Was wissen die Grünen über die Haltungsbedingungen des Kampfkaninchens? Wie klimaschädlich sind dessen Ausdünstungen – so schlimm wie die der Kamikazekuh?

          Stammt der Hybridhase aus dem Genlabor? Und was ist eigentlich mit dem Pazifismus der Grünen, der früher gefordert hätte, auch noch die andere Möhre hinzuhalten? Deutsche, die gedient haben, wissen, was man bei der Bundeswehr unter einer Kampfsau versteht. Aber die Grünen haben ja verweigert.

          Ganz unproblematisch erscheint uns auch nicht, dass die Grünen mit der Selbstcharakterisierung als reproduktionsfreudige Nagetiere eine Aussage des Papstes über die Katholiken plagiiert und auch noch die Büchse des Tiervergleichs aufgemacht haben. Wir wollen gar nicht damit anfangen, was uns da im Falle der anderen Parteien alles einfiele, vom Aasgeier bis zum Zwergpinscher.

          Aber auch so dürfte niemandem entgangen sein, wie schnell sich zum Beispiel das Kampfwiesel Kühnert und zwei weitere Angehörige seines Rudels an diesen Rezoologen heranwanzten, der sich im Internet mit dem Aussterben der Volksparteien beschäftigt hatte, natürlich nicht zufällig: Tiervideos jeder Art laufen im Netz ja noch besser als die Wahrheit über die Chemtrails. Deshalb hatte die CSU auch schon mal über einen Podcast zum geheimen Leben der Zonenwachtel nachgedacht.

          Apropos Kuckucksei: Franz Josef Strauß, der T-Rex der CSU, hätte natürlich eine Erklärung dafür, wie in nur wenigen Jahrzehnten aus Ratten und Schmeißfliegen Deutsche Riesen werden konnten, die sich nun, da sie kaum noch natürliche Feinde haben, nahezu unkontrolliert ausbreiten („Meine Nachfolger, diese Zwergpudel, haben sie einfach nicht weggebissen!“).

          Tatsächlich scheint bei einigen Politikern im bürgerlichen Lager, die man früher zu den Königen der Savanne gezählt hatte, der Fluchtreflex inzwischen größer zu sein als bei den Kampfkaninchen. Horst Seehofer etwa will nicht warten, bis die Hasen an seiner Mähne zupfen: Fünfzig Jahre seien genug in freier Wildbahn. Da muss man doch, unabhängig von der Hasenplage, einmal sagen: Gut gebrüllt, Löwe!

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