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Kleingerechnete Demonstration: Führt das Establishment uns an der Nase herum? Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Sind nur Männer Covidioten?

Oder hat Saskia Esken wirklich noch nichts von gendergerechter Sprache gehört?

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          Dass ein Unglück selten allein kommt, zeigt schon die Doppelspitze der SPD. Norbert Walter-Borjans wäre ein brillanter Vorsitzender, wenn er nur bei Trauerfeiern sprechen müsste. Bei einer solchen Gelegenheit legte er jüngst überzeugend dar, dass wenigstens frühere Parteichefs Klasse hatten. Saskia Esken dagegen sagt „zum richtigen Zeitpunkt immer wieder das Falsche“, wie AfD-Chef Tino Chrupalla feststellte. Das ist zwar ein halbes Lob („richtiger Zeitpunkt“), aber auch zur falschen Zeit wäre das Falsche ja nicht richtig. In jedem Fall ledert Esken immer wieder gerne ab. Nach der Polizei war jetzt die Gegenseite dran. Und auch die Lästerei über die „Covidioten“ brachte ihr von allen Seiten Kritik ein, sogar von links. Denn auf der Berliner Demo gegen die Corona-Weltverschwörung sollen auch progressive Kräfte mitmarschiert sein, vielleicht sogar SPD-Mitglieder, jedenfalls ehemalige.

          Wir halten aber noch aus einem anderen Grund „Covidioten“ für eine sprachliche No-go-area. Hat Frau Esken noch nie etwas von gendergerechter Sprache gehört? Sie hätte doch „Covidiot*innen“ schreiben und beim Aussprechen eine Pause im Wort machen müssen, wie man sie jetzt auch im Deutschlandfunk hört – oder eben nicht hört, weil dann ja eine Sendepause gemacht wird.

          So aber muss man sich jetzt als Mann diskriminiert vorkommen. Auf den Bildern, die wir vom Berliner Marsch für das Recht auf unbeschränkten Unsinn sahen, waren eindeutig auch Frauen zu erkennen. Das von Esken ausgelassene Gendersternchen kann also bloß bedeuten, dass für sie nur die demonstrierenden Männer Idioten waren. Wir wüssten nun doch gerne, was der Quotenmann in der SPD-Spitze dazu sagt. Der schwieg aber schon zur Corona-Party in Berlin so ausdauernd wie unser*e Bundeskanzler*in. Was macht die/der/das eigentlich?

          Das übrige politische Berlin geriet wegen der Corona-Leugner jedoch so in Wallung, als hätte halb Deutschland vor dem Brandenburger Tor geschrien, das Coronavirus, das es gar nicht gebe, sei von Bill Gates erschaffen worden, um die Microsoft-Kundschaft auszurotten. Gut vierzig Millionen Protestler waren es aber wohl selbst nach Ansicht des stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Arnold Vaatz nicht. Den erinnert die „dreiste Kleinrechnung der Teilnehmerzahlen durch die Berliner Polizei“ an die Gepflogenheiten in der DDR. Wow! Das hatte ja nicht einmal Trump im Streit darüber behauptet, wie viele Demonstranten zu seiner Amtseinführung gekommen seien.

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          Dass in Berlin nur 20.000 Corona-Leugner gegen die Weltverschwörung demonstriert haben sollen, kommt uns aber in der Tat verdächtig wenig vor. Werden wir da vom Establishment an der Nase herumgeführt? 20.000, das wären ja nur 0,024 Prozent der Einwohner Deutschlands gewesen. Für die Hauptstadt der Bewegungen, wo jede bessere LGBT-Initiative mehr Volk auf die Straße bringt, wäre das geradezu rufschädigend.

          Angeblich mussten sogar noch Demonstranten aus der Provinz nach Berlin gekarrt werden. Ebenfalls wie damals in der DDR! Organisiert von einer Selbsthilfegruppe zur „Rettung des Busreisegewerbes“, die sich auf gut Schwäbisch „Honk for Hope“ nennt. Rauchen und Rasen für die Rente waren gestern – in den Zeiten des großen Virus-Bluffs hupt man für die Hoffnung. Die Busunternehmer haben ja ebenfalls schwer unter der vorgetäuschten Pandemie zu leiden. Welcher Hochrisikorentner steigt denn jetzt noch in einen rollenden Bazillenbrutschrank, um sich am Ziel stundenlang die Aerosole eines Verkäufers ins Gesicht blasen zu lassen, der ihm Rheumadecken im Doppelpack mit einem Milbensauger andrehen will?

          Wo man in diesen Zeiten doch eher Verwendung für ein Beatmungsgerät mit Lockenwicklern hätte. Wir stecken schließlich in einer „Dauerwelle“, wie Frank Ulrich Montgomery sagte, der Vorsitzende des Weltärztebundes, der uns irgendwie an einen Panzergeneral erinnert. Die demonstrierenden Maskenverweigerer nannte Monty 2 nicht nur Idioten, sondern sogar „verrückte Idioten“. Und das, obwohl er früher selbst ein Maskenmuffel war. Das sei ein wissenschaftlicher Irrtum gewesen, bekennt er nun. Er muss wohl das gehabt haben, was man ein AHA-Erlebnis nennt. Doch Sternchen sah er dabei offenkundig noch nicht. Zum Glück. Heutzutage müsste man sich sonst ja nicht nur Sorgen um seinen Blutdruck machen.

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