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Kapitulationserklärung: Karl III. hat verloren. Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Fraktur : Der Kampf um König Karl ist verloren

Aber noch ist nicht aller Tage Abend, wie uns die mehrfache Umbenennung einer berühmten Yacht zeigt.

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          Es war einmal ein Prinz, der hieß Karl. So war er zwar nicht im Reich seiner Mutter bekannt, denn die hatte ihm den landesüblicheren Namen Charles gegeben. Aber hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen sprach und schrieb man vom Prinzen Karl, denn die Zwerge waren Deutsche und riefen ihr Schneewittchen ja auch nicht Snow White. Und selbst manche Riesen im deutschen Blätterwald nannten ausländische Prinzen und Prinzessinnen, Könige und Königinnen, Kaiser und Kaiserinnen, Zaren und Zarinnen bei ihren deutschen Namen.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Doch eines Tages wollten die Deutschen, ob groß oder klein, keine Hinterwäldler mehr sein, sondern der Welt zeigen, dass auch sie Englisch können, und zwar über das hinaus, was ihnen in englischen Kriegsfilmen üblicherweise in den Mund gelegt wurde („Ju englisch Schweinhund, we häff miens tu mäjk ju spik!“). Und schon hieß Karl, durch dessen Adern so viel altes Hunnenblut fließt, dass er auch noch den Titel Biodeutscher tragen könnte, bei uns Tscharless.

          Der Burner ist jetzt BHAG

          Unsere Aussprache haben wir mittlerweile sehr improved. Vor allem im deutschen Management wird inzwischen ein derart elaboriertes Denglisch verwendet, dass man meinen könnte, die Angehörigen dieser Kaste hätten alle im fränkischen Ochsenfurt studiert. Besonders beeindruckend finden wir die aus dem Englischen downgeloadeten Abkürzungen. Der Burner, der derzeit in keiner Powerpoint-Präsentation fehlen darf, ist „BHAG“ (sprich: Bihäg). Das Akronym steht für „Big hairy audacious goal“, also für ein zwar haariges, aber großes und kühnes Ziel. Was das sein soll, ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden, manchmal sogar innerhalb einer Firma: Prinz Wilhelm will wie sein Vater König werden. Prinz Heinrichs BHAG dagegen war es, eine Bürgerliche zu heiraten und sich im Ausland eine Existenz aufzubauen, was ja durchaus einer Familientradition entspricht.

          Wer nach König Karl googelt, landet bei einem Geköpften

          Dass in der deutschsprachigen Welt dagegen so gut wie niemand mehr an alter Väter Sitte festhalten und den nunmehrigen King Charles III. König Karl III. nennen will, hat auch mit unserem modernen Spieglein an der Wand zu tun. Wer Google nach König Karl befragt, landet bestenfalls bei Charles’ unglücklichem Vorgänger Karl I., der 1649 von seinem Kopf befreit wurde, aber noch Jahrhunderte später im Internet seinen deutschen Namen behalten darf. Nur einen Klick weiter lauert ein Schlagersänger namens Karl König. Auf der Flucht vor dem Geträller kommt man bei Seiner Majestät Karl Lagerfeld vorbei und schließlich bei Karl dem Käfer, der nichts gefragt wurde, auch nicht, wie er heißen möchte.

          Die Windsors hatten keine Berührungsängste

          Bei diesen Streifzügen durchs Netz wurde uns klar: Der Kampf um Karl III. ist verloren. Auch diese Kapitu­lationserklärung würde kaum jemand im Internet finden, wenn in ihr nicht „Charles“ vorkäme. Auf der Surftour ging uns aber immerhin interessanter Beifang ins Netz. Googelt man „Prince Charles“, dann stößt man irgendwann auch auf „Carin II“. Das war die Yacht von Hermann Göring, die er nach seiner ersten Frau benannt hatte. Das Schiff fiel, als Göring keines mehr brauchte, den Engländern in die Hände, die es, man muss deren Humor einfach lieben, in „HMS Royal Albert“ umbenannten. 1950 wurde es abermals umgetauft, eben in „Prince Charles“. Zehn Jahre lang diente der Kahn in der Royal Navy Rhine Flotilla. Karl und dessen Tante Margarethe fuhren auf ihm, Prinz Philipp, der alte Seehase, schipperte bis nach Basel. Die Windsors hatten auch da keine Berührungsängste.

          Heidemann nannte die Yacht wieder wie Göring: Carin II

          Dann aber mussten die Briten die Yacht an Görings Witwe zurückgeben, die sie an einen Unternehmer veräußerte. Der hielt immerhin an dem Brauch fest, sie nach der Gattin zu benennen (Theresia). Anfang der Siebzigerjahre erwarb dann der ­Hitler-Tagebücher-Fachmann Heidemann das Boot und gab ihm seinen ersten Namen zurück, der aber später nochmals überpinselt wurde. Die letzten bekannten Bilder stammen aus Ägypten und zeigen am Heck wieder den Schriftzug „Prince Charles“.

          Warum wir diese Geschichte so ausführlich schildern? Na, weil sie doch beweist, dass Namensgebungen nicht für immer Bestand haben müssen.

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