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Fraktur : Nur Molly schlägt die Marke

In CSU-Schwarz: Molly Bild: dpa

Die Vorsitzenden von CDU und CSU haben kein Talent für Inszenierungen? Von wegen!

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          Auf dem Parteitag der CDU hat man wieder gesehen, dass Politiker, die es ganz nach oben schaffen wollen, nicht nur im Kopf etwas haben sollten, sondern auch in der Hose. Wie Armin Laschet die Bergmannsmarke seines Vaters aus der Tasche holte und in die Kamera hielt, das war schon ganz großes Kino. Viel zu bescheiden, seine Bemerkung, er sei „vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierungen“. Merz und Röttgen waren es, die mit leeren Händen dastanden, aber vermutlich voller Neid auf diese grandiose Idee.

          Wer weiß, wie die Wahl ausgegangen wäre, wenn Merz auch etwas Markantes aus dem Anzug hätte ziehen können! Etwa den alten Bierdeckel. Oder einen Anstecker mit den durchgestrichenen Buchstaben F, D und P. Das hätte wenigstens der frechen Äußerung aus den Reihen der Freien Demokraten vorgebeugt, die FDP sei „kein Auffangbecken für gescheiterte CDU-Politiker“. Und Gabor Steingart wäre vielleicht ein Widerruf erspart geblieben. Eindruck auf die Delegierten gemacht hätte bestimmt auch ein Attest von Wir Frauen für Friedrich Merz, dass ihr Liebling wirklich kein Problem mit dem anderen Geschlecht habe. Es ist in der Politik immer besser, wenn man sich nicht selbst loben muss. Merzens selbstloser Verzicht auf den Sitz im Parteipräsidium zugunsten der Frauen in der CDU kam aber einfach zu spät. Da war die Messe schon gesungen.

          Zu viele Kaninchen sollte man jedoch auch nicht aus dem Zylinder ziehen. Dass Jens Spahn beim Punkt „Aussprache“ wie Kai aus der digitalen Kiste sprang, hätte Laschets zauberhafte Vorstellung fast noch verdorben. Zwar hatte offenbar noch jemand versucht, Spahn den Ton abzudrehen. Doch die Notabschaltung traf einen anderen CDUler, der dadurch freilich weltberühmt wurde: Hans-Werner Adams. Er gehört zu den sage und schreibe vier Promille der Delegierten, die sich in der „Aussprache“ zu Wort gemeldet hatten. Aber von ihm war keine Silbe zu hören. Wenn der Diplom-Ingenieur sich danach zur Wahl gestellt hätte, wäre er wahrscheinlich allein aus Mitleid Parteivorsitzender geworden. Es hat ja nun wirklich schon jeder (mehrfach) erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man in diesem Land nicht nur nicht mehr alles sagen kann, sondern gar nichts.

          Spahn hätte natürlich etwas sagen dürfen. Er hätte seine Hilfestellung für Laschet, so sie denn als solche gedacht war, aber wenigstens in eine Frage an Merz kleiden sollen. Auch zwischen diesen beiden Parteifreunden scheint noch nicht alles restlos geklärt zu sein. So ging Spahns Schuss jedoch derart nach hinten los, dass ein Politologe im Fernsehen meinte, Laschet sei weiter denn je von der Kanzlerkandidatur entfernt; Söder könne schon die Koffer für Berlin packen.

          Dieser Kommentator muss da wohl kurz zuvor das Foto von Molly gesehen haben. Denn Molly schlägt ja sogar noch Laschets Messingmarke. Wer dieses süße Fellknäuel in CSU-Schwarz erblickt, kann doch gar nicht mehr anders als zu rufen: Söder for President! Man sieht Molly – und weiß sofort, dass in dem harten Hund Söder ein weicher Markuskern steckt, der, Ausgangssperre hin oder her, ab und zu mal raus muss. „Da geht einem das Herz auf“, twitterte Söder ganz offenherzig, als er seinen „Nachwuchs“ der Öffentlichkeit präsentierte. Der CSU-Chef ist schon eine Marke! Es fehlte eigentlich nur noch, dass er anfügte, er sei auch kein Mann für Inszenierungen.

          Und wie reagiert die politische Konkurrenz darauf? Die kriegt offenbar den Mund nicht mehr zu angesichts des Selbstvermarktungstalents, das sich da plötzlich in der Union zeigt. Warum zückt NoWaBo nicht die Uhr von August Bebel? Wo bleiben die Katzenvideos von Annalena Baerbock? Robert Habeck könnte doch die Fotos von den Kühen und Säuen posten, mit denen er sich ablichten ließ. Die Zeiten, als die Abneigung der Grünen gegen Schweine noch System hatte, sind ja vorbei. Apropos: Joseph Fischer – für unsere jüngeren Leser: das war im vergangenen Jahrhundert ein berühmt-berüchtigter Grüner – müsste doch vielleicht in einer alten Hose noch eine erbeutete Polizeimarke haben, mit der er an die Wurzeln seiner Partei erinnern könnte. Oder wenigstens ein Pflastersteinchen.

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