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Fraktur : Quäl dich, du Sau!

Ein Kraftmensch: Isst er zum Frühstück drei Steaks? Oder neuerdings Tofu-Würstchen? Bild: Wilhelm Busch

Laschet nur zweiter Sieger im Wimpernschlag-Finale gegen Scholz? Das kommt für einen fränkischen Kraftmenschen natürlich nicht in Frage.

          2 Min.

          Oh Herr, lass Wahlabend werden! Wenn wir noch ein einziges Triell, noch eine Wahlarena oder gar noch eine Klartext-Sendung, natürlich ebenfalls ohne Klartext, schauen müssten, wüssten auch wir endgültig nicht mehr, wen wir wählen sollten.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Die Kandidaten selbst, deren Talkshowtauglichkeit – die unerlässlichste Fähigkeit, die ein Bundeskanzler haben muss – nun wirklich ausreichend geprüft wurde, haben dabei gar nicht so sehr zu unserer Verwirrung beigetragen. Laschet war halt Laschet, Scholz blieb Scholz und Baerbock eine Grüne. Und auch die Blitzumfragen erbrachten ja immer nur dasselbe Ergebnis. Kann man dafür eigentlich ein Abonnement abschließen? Wenn ja, dann hat die CDU-Wahlkampfleitung auch das versäumt.

          Hochkarätige Jurys mit messerscharfen Analysen

          Ins Schwanken brachten uns eher die hochkarätig besetzten Jurys mit ihren messerscharfen Analysen. Die Koryphäen aus ganz verschiedenen Branchen müssen im TV-Studio immer etwas anderes oder jedenfalls mehr gesehen haben als wir daheim vor der Glotze. Ob vielleicht doch nur Zusammenschnitte dieser angeblichen Liveshows gesendet wurden?

          Wer weiß, was wir dann noch zu sehen bekommen. Die lustigsten Szenen der Wahl in Russland tauchten ja auch erst auf, als alle Stimmzettel gezählt waren, auch die schnell noch hinter dem Rücken in die Urne gestopften. Dieses Auffüllen mochte zwar nicht ganz der reinen Lehre entsprochen haben. Dem Mutterland der lupenreinen Demokratie wurde mit diesen Korrekturen aber die Zitterpartie erspart, die uns bevorsteht.

          Die CSU, die ja immer recht hat, rechnet fest damit, dass es am Sonntag ein „Wimpernschlag-Finale“ gibt, Laschet und Scholz also allenfalls mit einem Unterschied von Hundertstelsekunden über die Ziellinie gehen. Früher sprach man eher von einem Herzschlagfinale, aber um eine Herzensangelegenheit der CSU handelt es sich hier ja gerade nicht. Dass der Läufer von der CDU nur zweiter Sieger wird, kommt für Söder, dem die Olympia-Teilnahme verwehrt blieb, jedenfalls nicht in Frage.

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          Man glaubt daher förmlich zu hören, wie der Trainerstab in München Laschet auf den letzten Metern den Satz zubrüllt, der auch schon Jan Ullrich zum Sieg trieb: Quäl dich, du Sau! Früher wäre vielleicht auch der Spruch mit den Kameltreibern zum Einsatz gekommen, aber der ist jetzt ja nicht einmal mehr in Bayern zulässig.

          Wer Merkels Nachmieter wird

          Die Aussicht, dass vielleicht erst das Zielfoto entscheidet, wer Merkels Nachmieter wird, brachte sogar die Kanzlerin dazu, ihre Abschiedstournee durch die deutschen Vogelparks zu unterbrechen und kurz an die Aschenbahn zu treten. Es soll ja später nicht heißen, es habe auch daran gelegen, dass sie Laschet bei seinem Marathon-Hindernislauf nicht einmal eine Banane reichte.

          Selbst wenn Laschet dank der unglaublichen Unterstützung aus den eigenen Reihen am Sonntag die Nase um Millimeter vorn hat, ist das Rennen um die Kanzlerschaft aber noch nicht entschieden. Dann fängt erst das Freistil-Ringen darum an, wer mit wem koaliert. Und der Ausgang dieses Wettbewerbs ist völlig offen, wie es auch in der letzten Fernsehrunde am Donnerstagabend zu sehen war.

          Gut, bei der SPD, den Grünen und der Linkspartei war schon eine mehr oder minder starke Neigung zur Bildung einer gemeinsamen Mannschaft zu erkennen. Aber wird es dazu auch kommen? Jedenfalls Söder hat sein Werben um die Grünen noch nicht aufgegeben. Man ist sich in den grundsätzlichen Fragen des Lebens ja auch viel näher, als es der Streit um Kleinigkeiten in der Klimapolitik erscheinen lässt.

          Söder doch kein Bodybuilder?

          Söder hat nicht nur Bäume umarmt, sondern nun auch noch vor laufender Kamera und in Gegenwart Baerbocks erklärt, dass er seinen Fleischkonsum reduziert habe, um seine CO2-Bilanz zu verbessern – der fränkische Kraftmensch, von dem wir glaubten, er betreibe in seinem Keller Bodybuilding und esse schon zum Frühstück drei blutige Steaks.

          Doch neuerdings werden im Hause des bayerischen Ministerpräsidenten offenbar eher Tofu-Würstchen serviert. Laschet sagte, als er am Donnerstag neben Söder saß, dass Verzichten auch Spaß machen könne. Zum Glück kam wenigstens nach der Schlussrunde der Kandidaten nicht auch noch eine Schlussrunde der Kandidatenexperten zu Wort. Denn dann wäre doch wohl klar gewesen, was die Debattendeuter aus Laschets Worten herausgelesen hätten.

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