https://www.faz.net/aktuell/politik/fraktur-saebelrasseln-mit-suppenschuesseln-17761594.html

Fraktur : Säbelrasseln mit Suppenschüsseln

Helme für die Ukraine: Zu verwenden nur als Suppenschüsseln? Bild: Picture Alliance

Gibt es zur Stahlhelmlieferung an die Ukraine ein geheimes Zusatzprotokoll? Das würde uns nicht wundern.

          2 Min.

          Seit der Wiedervereinigung lautet ein, nein, das größte Rätsel Deutschlands: Wer sind eigentlich diese Ostdeutschen, und wenn ja, warum sind sie so viele? Die Bundesregierung arbeitet hart an einer Lösung, indem sie Ostbeauftragte verschleißt wie einst Sachsen-Kurfürst August der Starke Wissenschaftler auf der Suche nach der Goldformel.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Der neue Amtsinhaber Carsten Schneider etwa preschte jüngst mit der neuen Erklärung vor, den Ostdeutschen seien Kompromisse fremd, woraufhin der „Berliner Kurier“ schlagzeilig fragte: „Fehlt den Ostdeutschen das ‚Kompromiss-Gen‘?“ Viele Ossis wollen auch nicht, dass sie jetzt zwangsweise mit einem solchen geboostert werden. Schließlich haben sie 1989 dem faulen Kompromiss ein Ende gemacht. Nach unermüdlichen Protestmärschen sind sie nun endlich auch die 16 Jahre lang regiert habende Kompro-Miss los

          Die Menschen im Osten haben doch nichts!

          Doch genug des wortspielerischen Schabernacks, denn die Lage im Land ist ernst, seit die Bundesregierung erklärt hat, 5000 militärische Schutzhelme in die Ukraine zu liefern. Die Verteidigungsministerin sieht darin ein „ganz deutliches Signal“. Wofür ist noch nicht ganz klar, aber auch die Kritik daran verstehen wir nicht, kann doch jeder der rund 200.000 ukrainischen Soldaten damit bald täglich immerhin für eine gute halbe Stunde in den Genuss deutscher Sicherheit kommen.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Denn die Menschen im Osten haben doch nichts! Das weiß Frau Lambrecht, seit sie ab und an vom Ministeriumshauptsitz Bonn durch die Zone in die Westberliner Außenstelle ihres Hauses reist, wo sie mit dem Feldstecher Dnjepropetrowsk kühn anvisiert, während in der Etappe mal wieder nur Maulaffen feilgehalten werden.

          Denn während Älteste sich hierzulande kopfschüttelnd erkundigen, warum heute anders als damals die Männer unter den gen Osten geschickten Helmen fehlen, kritisiert die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag deren Lieferung als „fatal“ und fordert kompromisslos: „Schluss mit diesem Säbelrasseln!“ Die letale Angriffswaffe Schutzhelm ist zurzeit allerdings so ziemlich das Einzige, was im Zeughaus der Bundeswehr noch einsatzbereit ist.

          Gesäbelt würde nur noch die Bockwurst

          Es würde uns nicht wundern, wenn unsere stets kompromissbereite Regierung auch deshalb ein geheimes Zusatzprotokoll an den Lieferschein getackert hätte: Bitte nur für Lebensmittel verwenden! Der Helm als Suppenschutzschüssel wäre obendrein ein ganz deutliches Signal gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln, dem sich die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag verschrieben hat. Gesäbelt werden würde dann allenfalls noch an der unverständlicherweise immer im Ganzen in der Kartoffelsuppe untertauchenden Bockwurst, wobei die Linke das wohl umgehend als Ess-Kalation geißeln würde.

          Womit wir bei dem Partyservice wären, den das frühere Großreich Britannien neuerdings in der Londoner Downing Street 10 betreibt. Inhaber Boris Johnson hat beschlossen, sein Volk in der Krise bei Laune zu halten. Er geht dabei mit gutem Beispiel voran und ist selbst sein bester Kunde. Ähnliche Trinkfreude kannten wir bisher nur von Johnsons Namensvetter Jelzin, der vollgetankt ganze Orchester dirigierte. Allerdings haben wir auch in Erinnerung, wie das für das Imperium ausging, das er seinerzeit anführte.

          Die kompromisslose Nüchternheit, mit der unsere Regierung Projekte wie die Impfkampagne („Impfen hilft.“) auf sanifairfarbigen Plakaten abarbeitet, ist so wenig zu verstehen wie Angela Merkels Erklärung, keine Zeit für das Abendessen mit Friedrich Merz zu haben. Die Drinks wären doch inklusive gewesen. Man hätte an diesem Abend ja auch etwas anderes feiern können, zum Beispiel hundert Jahre Ampel. Nein, nicht die in Berlin, sondern die den Straßenverkehr regelnde.

          Die erste davon soll 1922 in Hamburg gestanden haben, womit sich für Verschwörungspraktiker alles wie von selbst fügt: Merkel stammt aus Hamburg, wo Scholz jahrelang regiert hat. Abgesprochen haben sie die Machtarithmetik wohl einst bei seinen Besuchen in der DDR. Im Wort KomprOmISS ist – Hallo, Herr Schneider! – der Begriff Ossi schon enthalten. Man muss nur genau hinschauen.

          Weitere Themen

          Auf der Suche nach Gas und Verbündeten

          Scholz in Afrika : Auf der Suche nach Gas und Verbündeten

          Die erste Afrikareise des Bundeskanzlers steht unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine. Es geht um Gas, das nicht aus Russland kommt, und um den Zusammenhalt gegen Moskau.

          Topmeldungen

          Nach der Asow-Kapitulation : In Putins Fängen

          Die letzten Verteidiger von Mariupol haben sich ergeben. Daraus kann Putin einen Propagandasieg über die „Nazis“ machen. Es zeigt sich, was passiert, wenn man der „Emma“-Losung folgt, der Ukraine keine schweren Waffen zu geben.
          Bundeskanzler Olaf Scholz hält eine Pressekonferenz mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall.

          Scholz in Afrika : Auf der Suche nach Gas und Verbündeten

          Die erste Afrikareise des Bundeskanzlers steht unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine. Es geht um Gas, das nicht aus Russland kommt, und um den Zusammenhalt gegen Moskau.
          Glänzende Aussichten: Im dritten Anlauf kann RB Leipzig seinen Fans zum ersten Mal den Pokal präsentieren – ein Erfolg, der auch eine Leerstelle in der deutschen Fußballlandschaft füllt.

          Berliner Pokalfinale : Wir gegen Die

          Moralisierung, Abgrenzung und für manchen sogar „Hass“: Nach dem Leipziger Pokal-Triumph gegen Freiburg sind die Gräben im deutschen Fußball noch ein bisschen tiefer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage
          Automarkt
          Top-Gebrauchtwagen mit Garantie