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Fotos von Kämpfern in der Ukraine : Amerika spricht von „Beweisen“ gegen Russland

  • Aktualisiert am

Kopien der Präsentation, die das State Department für überzeugend hält Bild: AP

Ein Dossier mit Fotos soll die Verwicklung von russischen Militärs und Geheimdienstlern in die Aufstände in der Ostukraine belegen. Das amerikanische Außenministerium hat die Fotos nun als „weitere Beweise“ für die Einmischung Russlands bezeichnet.

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          Seit mehreren Tagen kursieren Fotos aus dem Osten der Ukraine in sozialen Netzwerken und internationalen Medien, die beweisen sollen, dass einige der bewaffneten Kämpfer dort russische Militärs oder Offiziere des russischen Geheimdienstes sind. Das amerikanische Außenministerium hat sich diese Interpretation nun zu eigen gemacht. Die veröffentlichten Bilder seien „weitere Beweise für die Verbindung zwischen Russland und den bewaffneten Milizen in der Ostukraine“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums am Montag.

          Die Vereinigten Staaten werfen Russland schon länger vor, in die Unruhen in der Ostukraine verwickelt zu sein und diese anzuheizen. Moskau weist das strikt zurück.

          Unter anderem die „New York Times“ hatte die Aufnahmen veröffentlicht und sich auf ukrainische Regierungskreise berufen. Auch der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sollen Diplomaten aus der Ukraine das elfseitige Dossier bereits vorgelegt haben. Es enthält unter anderem eine Fotoserie, auf der zunächst ein Mann mit den Abzeichen der russischen Spezialeinheiten 2008 in Georgien zu sehen ist. Derselbe Mann ist offenbar auch auf einem vor kurzem aufgenommenen Foto von der Erstürmung der Polizeistation im ukrainischen Kramatorsk durch prorussische Kräfte abgebildet. Auch auf einem Foto aus Slawjansk scheint der Mann zu sehen zu sein.

          Gabriel: China soll den Konflikt lösen helfen

          Unterdessen hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Peking die chinesische Regierung aufgefordert, sich mäßigend in den Konflikt um die Ukraine einzuschalten. Er werde bei einem Treffen mit Ministerpräsident Li Keqiang versuchen, dieses Thema anzusprechen, kündigte Gabriel am Dienstag kurz vor dem Gespräch an. „Natürlich werden wir auch die Chinesen bitten, ihrer gewachsenen internationalen Verantwortung gerecht zu werden und sich auch einzumischen in Konflikte, wie wir sie gerade in Europa zwischen der Ukraine und Russland erleben“, sagte der Minister. Er erwarte, dass China seine Kontakte zu Russland, die nach Bekunden beider Seiten zuletzt wieder besser geworden sind, „auch nutzt, um gegenüber Russland klar zu machen, dass Völkerrecht und Integrität von Grenzen geachtet werden muss“, so Gabriel. China solle dazu beitragen, dass es zu einem geordneten internationalen Verhandlungsprozess aller Beteiligter kommt.

          Bislang hat sich China in dem Konflikt um die Ukraine nicht klar positioniert. Das Land hatte zwar vor einiger Zeit Russland im UN-Sicherheitsrat die Rückendeckung verweigert, sich aber andererseits auch nicht klar auf die Seite des Westens gestellt. Gabriel nahm am Dienstag seine politischen Gespräche in Peking auf. Der Minister beendet seine China-Reise am Mittwoch und kehrt am Donnerstag nach Berlin zurück.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war die Rede davon, dass die amerikanische Regierung das Fotodossier selbst veröffentlicht habe. Diese von einer Nachrichtenagentur verbreitete Darstellung konnte jedoch nicht bestätigt werden – weder vom amerikanischen Außenministerium noch durch andere Medienberichte.

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