https://www.faz.net/-gpf-6xn54

Folge der Loveparade-Katastrophe : Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland abgewählt

  • Aktualisiert am

Hat für die Loveparade-Katastrophe nie wirklich die Verantwortung übernommen, nun ist er deswegen abgewählt: Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland Bild: dapd

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist abgewählt worden. Mehr als 129.000 Duisburger votierten gegen ihn. Sauerland steht seit der Love-Parade-Katastrophe in der Kritik.

          Rund eineinhalb Jahre nach der Loveparade- Katastrophe mit 21 Toten ist Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland von den Bürgern seiner Stadt aus dem Amt gewählt worden. Bei einem Bürgerentscheid stimmte an diesem Sonntag eine große Mehrheit der Wähler für die sofortige Ablösung des CDU-Politikers. Sauerland wird für Fehler bei der Genehmigung der Großveranstaltung im Sommer 2010 verantwortlich gemacht. Kritik richtete sich aber auch gegen seinen Umgang mit Opfern und Angehörigen.

          Für den Abwahlantrag einer Bürgerinitiative stimmten nach Angaben der Stadt vom Sonntagabend 129.833 Wähler. Das waren deutlich mehr als die für eine Abwahl notwendigen rund 92.000 Stimmen. Für einen Verbleib Sauerlands im Amt sprachen sich 21.557 Wähler aus. Damit ist erstmals in Nordrhein-Westfalen der Rathauschef einer Großstadt abgewählt worden.

          Sauerland reagierte betroffen. „Zu meiner Amtszeit gehören viele positive Ereignisse, aber eben auch die Loveparade“, sagte der CDU-Politiker nach Bekanntgabe des Ergebnisses. „Ich war gern Oberbürgermeister mit Herzblut und Leidenschaft.“ Er hoffe, „dass die politischen Parteien jetzt die Kraft haben, aufeinander zuzugehen“.

          Offen für eine parteiübergreifende Lösung

          Ein Nachfolger für Sauerland muss innerhalb von sechs Monaten gewählt werden. Das Abwahlbündnis, zu dem neben der Bürgerinitiative auch SPD, Linke, Grüne und Gewerkschaften gehören, wollen nach einem Konsens-Kandidaten suchen. „Wir brauchen jetzt einen Kandidaten, der parteiübergreifend unterstützt wird“, sagte einer der Sprecher des Bündnisses, Theo Steegmann.

          Auch der Duisburger SPD-Geschäftsführer Jörg Lorenz zeigte sich offen für eine parteiübergreifende Lösung. „Es ist wichtig, dass wir jetzt mit allen reden.“ Im Duisburger Stadtrat gibt es seit Anfang vergangenen Jahres eine rot-rot-grüne Zusammenarbeit.

          Sauerland hatte stets jede Schuld an der Massenpanik auf dem Loveparade-Gelände von sich gewiesen und einen Rücktritt abgelehnt. Er ist nicht unter den Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen eines Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung ermittelt. Zu den 17 Beschuldigten gehören elf Mitarbeiter der Stadtverwaltung, fünf des Veranstalters Lopavent und ein Polizeibeamter. Ein Ende der Ermittlungen ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit nicht abzusehen.

          Sauerland war auch in die Kritik geraten, weil er den Verletzten und Angehörigen der Opfer lange eine Entschuldigung verweigerte. Erst spät übernahm er die moralische Verantwortung für das Unglück am 24. Juli 2010. Bei den Trauerfeiern war er nicht erwünscht und nahm mit Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen auch nicht teil. Bei öffentlichen Auftritten war der Oberbürgermeister Buhrufen und Beschimpfungen ausgesetzt, es gab sogar Morddrohungen.

          Sauerland und die Duisburger CDU hatten das Abwahlverfahren als „Kampagne“ und „parteipolitische Abrechnung“ kritisiert, die nichts mit der Loveparade zu tun habe. Der Oberbürgermeister scheidet nach der Sitzung des Wahlausschusses am kommenden Mittwoch (15.2.) aus dem Amt. Die Stadt wird dann vorübergehend vom 1. Bürgermeister repräsentiert. Der Stadtdirektor übernimmt die Rolle des Chefs der Verwaltung.

          Jetzt gebe es „die Chance auf einen echten Neuanfang für Duisburg“, sagte der Generalsekretär der Landes-SPD, Michael Groschek. Die Landesvorsitzenden der Grünen, Monika Düker und Sven Lehmann, erklärten, Sauerland habe die Quittung für seine fehlende Bereitschaft erhalten, „politische und moralische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe zu übernehmen“. CDU-Generalsekretär Oliver Wittke sagte, nach der demokratischen Abwahl Sauerlands gehe es jetzt vor allem darum, die Verantwortlichkeiten für die Tragödie „rechtlich belastbar aufzuklären“.

          Weitere Themen

          Notwendigkeit der Zusammenarbeit Video-Seite öffnen

          Maas und Lawrow bekräftigen : Notwendigkeit der Zusammenarbeit

          Bundesaußenminister Heiko Maas und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben die Notwendigkeit für die Zusammenarbeit beider Länder bekräftigt. Sie äußerten sich bei einem Treffen vor der Eröffnung des diesjährigen „Petersburger Dialogs“ in Königswinter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.