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Flughafensicherheit : In aller Gemütsruhe

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Wie kann es geschehen, dass auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen ein Passagier mit verdächtigem Handgepäck unterm Arm „in aller Gemütsruhe“ davonspaziert und spurlos verschwindet? Die Verhältnisse in München gehören mindestens so gründlich durchleuchtet wie die Passagiere.

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          Am Donnerstag berieten die Innen- und Justizminister der EU in Toledo über die Sicherheit auf europäischen Flughäfen, unter anderem über die Einführung von Körperscannern. Die deutschen Teilnehmer dürften dabei einige hämische bis besorgte Bemerkungen über „deutsche Gründlichkeit“ zu hören bekommen haben.

          Wie kann es geschehen, dass auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen ein Passagier mit verdächtigem Handgepäck unterm Arm „in aller Gemütsruhe“, wie es heißt, in den Sicherheitsbereich davonspaziert und spurlos verschwindet? Und wie ist es möglich, dass der Mann, der den Münchener Flughafen für Stunden lahmlegte, auch am Tag danach noch nicht identifiziert ist, obwohl es Videoaufnahmen von dem Vorfall an der Sicherheitsschleuse gibt?

          Prinzip der Abschreckung

          Weder der personelle Aufwand noch die technische Aufrüstung an den Kontrollstellen hat jemals hundertprozentigen Schutz vor Flugzeugterroristen bieten können. Schon die Gegenstände, die jenseits der Barrieren in Duty-free-Läden zu kaufen sind, führen den Aufwand, der um Zahnpastatuben und Deofläschchen getrieben wird, ad absurdum. Das System basiert in Wirklichkeit auf dem Prinzip der Abschreckung.

          Wer versucht, die Kontrolleure und Apparate zu überlisten und Unerlaubtes an Bord zu schmuggeln, riskiert nicht nur, am Boden zu bleiben. Es drohen auch empfindliche Strafen, wenn durch solches Verhalten Alarm ausgelöst wird. Selbstmordterroristen lassen sich allerdings nicht durch Strafen abschrecken, sondern nur durch das Aufrechterhalten eines hohen Risikos, entdeckt zu werden.

          Umso schlimmer für das System, wenn nicht einmal die Sanktionen greifen. Zwar scheint es so, als sei der eilige Mann in München tatsächlich in harmlosen Geschäften unterwegs gewesen, doch sein Davonkommen ist geradezu eine Einladung, es auch mit verbrecherischen Absichten zu versuchen.

          Da hat nicht nur eine einzelne Aufsichtsperson versagt, sondern eine ganze Riege gestaffelter Sicherheitsvorkehrungen. Es gereicht auch der Polizeigewerkschaft nicht zur Ehre, dass sie sich quasi als Trittbrettfahrer betätigt und den peinlichen Vorfall zum Aufwärmen tarifpolitischer Forderungen nutzt. Die Verhältnisse in München gehören mindestens so gründlich durchleuchtet wie die Passagiere.

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