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Flug MH-17 : Eine Boden-Luft-Rakete

Trümmer des Flugs MH17 Bild: AFP

Die niederländischen Experten hüllen sich in Schweigen. Doch die Verantwortlichen für den Absturz von Flug MH-17 werden immer klarer erkennbar. Schuld daran sind die Spuren des Waffensystems.

          Der Absturz von Flug MH17 war offenbar das Ergebnis eines Beschusses mit einer Boden-Luft-Rakete. Das geht aus dem vorläufigen Bericht niederländischer Experten hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde. Das Objekt sei „von mehreren Objekten mit hoher Energie“ durchsiebt worden, heißt es. Schlüsse zogen die Niederländer öffentlich nicht. In Frage kommt auf Grundlage ihrer Schilderungen indes stärker denn je ein radargestütztes Luftabwehrsystem vom Typ Buk M1 (Nato-Code SA-11 „Gadfly“).

          Mit Versionen des ab den 80er Jahren in der Sowjetunion eingeführten Systems sind sowohl die russischen als auch die ukrainischen Streitkräfte ausgestattet. Selbst die Buk-M1-Batterien sind dazu in der Lage, ein Flugzeug in Höhen von 10.000 Metern zu bekämpfen, der letzten bekannten Flughöhe von Flug MH17. Die Rakete explodiert dabei nicht im Ziel, wie es bei den meisten Luft-Luft-Raketen der Fall ist, die von Kampfflugzeugen abgefeuert werden. Der Gefechtskopf wird stattdessen durch einen Radar-Näherungszünder kurz vor dem Erreichen des Zielobjekts ausgelöst. Die Raketensplitter durchschlagen nach der Explosion die Hülle des Flugzeugs; Spuren von Raketensplittern sind auf den von den niederländischen Experten untersuchten Wrackteilen zu erkennen. Zwar können entsprechende Spuren grundsätzlich auch beim Einsatz von Bordwaffen auftreten. Allerdings müssten in diesem Fall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Reaktionen der Piloten auf dem Flugschreiber verzeichnet sein. Dies ist jedoch offenbar nicht der Fall.

          Prorussische Milizen hatten im Juni gemeldet, sie hätten zwei Buk-1-Systeme von der ukrainischen Armee erbeutet. Danach waren mehrfach ukrainische Kampf- sowie Transportflugzeuge über der Ostukraine abgeschossen worden. Auch hatten sich prorussische Separatisten direkt nach dem Absturz von Flug MH17 damit gerühmt, abermals ein Kampfflugzeug abgeschossen zu haben, wohl in der Annahme, dass es sich bei MH17 um ein Militärflugzeug gehandelt habe.

          Über gut ausgebildete Bedienungsmannschaften für die Flugabwehrsysteme verfügen die prorussischen Milizen indes vermutlich nicht. Zudem ist offen, ob sie sämtliche Komponenten einer Buk-1-Batterie besitzen oder ob ihnen wichtige Teile wie das Suchradar oder die Kommandostation fehlen. Beide Faktoren können dazu führen, dass die Freund-Feind-Erkennung des Systems versagt und versehentlich ein Zivilflugzeug abgeschossen wird.

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