Flüchtlingspolitik :
Nichtstun im gelobten Land

Von Jörg Bremer, Valletta
Lesezeit: 7 Min.
Im Lager Hal-Far: Eine Somalierin im Oktober dieses Jahres; im Hintergrund ein maltesischer Soldat
In Malta harren Tausende Flüchtlinge aus, die meisten von ihnen aus Afrika, aus Bürgerkriegsländern wie Eritrea und Somalia. Eine Perspektive haben sie bislang nicht – aber immerhin einige Helfer. Wenn auch nicht in der Politik.

Petros und seine Schwester können kaum mehr tun als reden. Gleichviel, ob sie „zu Hause“ – das heißt: im Lager – sind, vor dem Krankenhaus auf eine Routineuntersuchung oder vor dem Büro des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR warten. Nur die Worte sind ihnen geblieben. Eben stehen Petros und seine Schwester mit einigen Schicksalsgenossen aus Eritrea an der Bushaltestelle vor dem Stadttor von Valletta. Mit einem Bus der Linie X4, welche die Gegend von Flughafen und Lager mit der maltesischen Hauptstadt verbindet, sind sie hergefahren. Die zierliche Frau kuschelt sich an ihren großen Bruder, aber ihre Füße werden dadurch nicht warm. Sie trägt noch immer dieselben Flipflops, die ihr jemand zusteckte, als sie sich im Sommer an das Ufer der Insel retten konnte. Jetzt aber, obwohl der kleinste EU-Staat einige Kilometer näher am Äquator liegt als Tunis, pfeift der kalte Winterwind über Malta. Petros sagt, er und seine Schwester erhielten von der Regierung jeweils 130 Euro im Monat und freie Unterkunft in ihrem Lager Hal-Far. „Der Bus ist gratis, aber sonst ist das Leben teurer als daheim“, fügt er hinzu. Daheim, das ist, oder war, Asmara, die Hauptstadt von Eritrea. Der Schuhkauf wird lange beraten.

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