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Asylpolitik : Zentralrat der Muslime sieht Aufnahmekapazität bald erschöpft

  • Aktualisiert am

Technische Obergrenze erreicht? Flüchtlinge warten in Berlin auf ihre Registrierung. Bild: dpa

Noch vor einer Woche hatte er sich von der Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge distanziert. Jetzt sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, diese Grenze sei „technisch offenkundig bald erreicht“.

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek hat vor einer weiteren ungeregelten Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland gewarnt: „Moralisch kann es wegen der Werte unserer Verfassung und unserer historischen Verantwortung keine Obergrenze geben“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Montag. „Technisch aber schon. Diese Obergrenze scheint in Deutschland offenkundig bald erreicht zu sein.“

          Der Zuzug von Flüchtlingen habe die Zahl der Muslime in Deutschland innerhalb weniger Monate um rund ein Viertel steigen lassen, sagte Mazyek. Für die hier lebenden Muslime bedeute dies einen Wandel des in Deutschland gelebten Islams, aber auch einen Wandel der Sicht der Gesellschaft auf sie. Die muslimische Gemeinschaft stehe „vor ungeahnten und neuen Herausforderungen“.

          Aiman Mazyek

          Auch und gerade die Muslime in Deutschland seien gefordert, und sie leisteten schon sehr viel, betonte Mazyek. Sie könnten noch mehr schaffen, wenn Staat und Gesellschaft sie dabei mehr unterstützten. Mazeyk warnte: „Misstrauen gegenüber Religion allgemein und Angst vor dem Islam nach Paris, obgleich Muslime selber Opfer und Anschlagsziel der Terroristen mehrheitlich in der Welt sind, beeinträchtigen die Flüchtlings- und Integrationsarbeit erheblich.“ Dies sei eines der Ziele der terroristischen Verbrecher gewesen.

          Zuvor hatte Mazyek sich bezüglich möglicher Obergrenzen für Flüchtlinge anders positioniert. Vor einer guten Woche hatte er sich im Interview mit „Deutschlandradio Kultur“ von der Forderung des Zentralrats der Juden nach einer Obergrenze für Flüchtlinge distanziert und dies damit begründet, dass Asyl ein Grundrecht sei. Und in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ hatte er Mitte November erklärt, die Willkommenskultur müsse aufrecht erhalten bleiben. Sie sei der größte Feind der Terroristen, die Zwietracht sähen wollten.

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