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Kölns Araber in Sorge : „Islamisten, Terroristen – jetzt sollen wir auch noch Angrabscher sein“

  • -Aktualisiert am

Passanten auf der Taunusstraße: Hier sind die Menschen in Sorge um ihren Ruf. Bild: Edgar Schoepal

Seit berichtet wird, dass Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof wohl auf das Konto von Tätern mit „nordafrikanischem“ Aussehen gehen, herrscht Unruhe unter den Einwanderern der Stadt. Mancher fürchtet um seine eigene Tochter.

          Als das Gespräch im Acima-Markt auf die Vorfälle der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof kommt, seufzt Hassan Zouhri tief. „Für mich ist das Ganze eine Katastrophe.“ Dann verschwindet er erst einmal hinter der Theke und holt eine Runde Minztee mit viel Zucker. „Seit 15 Jahren bin ich hier in Deutschland, aber so eine Geschichte habe ich noch nicht erlebt.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Zouhri kommt aus Marokko. Dreimal die Woche arbeitet er an der Kasse des kleinen Lebensmittel-Supermarktes am Ende der Taunusstraße in Köln-Humboldt. Hier im Viertel und besonders auf dieser Straße sind viele seiner nordafrikanischen Freunde und Bekannten zu Hause. Neben dem Acima-Markt gibt es noch drei weitere marokkanische Lebensmittelläden und mehrere Mahgreb-Cafés. Der Möbelladen verkauft  Mosaiktische, niedrige Sofas und bunte Lampen. Schräg gegenüber an der Ecke Emser Straße treffen Zouhri und seine Freunde sich freitags in der kleinen Moschee zum Gebet.

          Es herrscht Unruhe im Viertel, seit in den Medien davon die Rede ist, dass Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto von Tätern mit „nordafrikanischem“ Aussehen gingen. Auch Hedi Sghir spürt die Aufregung. „Alle reden nur noch über dieses Ereignis“, weiß der 67-Jährige, der mit einem roten, borstigen Besen den Vorplatz der Moschee bearbeitet. Seit 36 Jahren wohnt er auf der Taunusstraße, 1970 kam er als Gastarbeiter aus Tunesien. Er selbst hat den Imam dazu befragt, was nun zu tun sei. „Ruhig bleiben“, hat der ihm geraten.

          Hassan Zouhri, 48, arbeitet im marrokanischen Acima-Supermarkt und kann die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof gar nicht fassen.

          Hassan Zouhri im Acima-Markt tut sich mit dem Ruhigbleiben schwer. „Dass es in Köln so manche Leute aus unserer Heimat gibt, die klauen - ok, das ist bekannt“, sagt er. „Aber was diese Menschen dort am Hauptbahnhof getan haben, das geht mir schlicht nicht in den Kopf. Das sind für mich gar keine Menschen. Das sind irgendwelche Tiere!“ Für Zouhri und die anderen Leute im Laden ist klar, „dass das keiner von uns war. Wir sind alle schon so lange hier. Das ist wie ein Dorf. Jeder kennt jeden. Einer von uns könnte das gar nicht machen.“ Wer war es dann? „Wir spekulieren alle, das ist ständig Thema hier im Laden, draußen auf der Straße, überall“, sagt Zouhri. „Zum Beispiel kommen in letzter Zeit viele junge Leute aus Tunesien und Marokko, die sich als Syrer ausgeben über die Türkei nach Deutschland.“

          „Meine Landsleute tun so etwas nicht!“

          Im nächsten marokkanischen Gemüseladen weiter unten auf der Taunusstraße verdächtigen sie dagegen die Pakistaner und Afghanen. „Weiß der Kuckuck, wer das war“, schimpft Amin, der eigentlich anders heißt, und stopft Orangen und Spitzpaprika in eine große, weiße Plastiktüte. „Mein Herz hat geblutet, als ich gehört habe, das sollen Nordafrikaner gewesen sein. Und ich glaube es einfach nicht. Meine Landsleute tun so etwas nicht!“

          Die Blicke, mit denen er und seine Freunde neuerdings gemustert werden, wenn sie in Köln in der Innenstadt unterwegs sind, die seien jedenfalls ganz anders geworden, seit den Silvester-Vorfällen. Das findet auch Mohammed, der vor dem Süßigkeitenregal im Acima-Markt steht. Seit elf Jahren lebt er in Deutschland, im Moment studiert er Medizintechnik. „Wir Muslime haben doch sowieso schon einen schlechten Ruf. Islamisten, Terroristen, jetzt also auch noch Angrabscher - das ist einfach die totale Arschkarte.“ Es passiere nun noch häufiger als ohnehin schon, „dass ich in die U-Bahn steige und die Leute anfangen, ihre Taschen zu umklammern“, erzählt Mohammed. „Und das Schlimmste bei der ganzen Sache ist: Ich kann den Frauen noch nicht mal verübeln, wenn sie mich schief angucken. Weil ich nachvollziehen kann, dass sie einfach Angst haben. Wenn meine Schwester hier wohnen würde, hätte ich doch jetzt auch Angst um sie.“

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