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Unterbringung von Flüchtlingen : Was nicht passt, wird passend gemacht

Die 2012 geräumte Franklin-Kaserne ist so groß wie die gesamte Mannheimer Innenstadt. Bild: dpa

In Mannheim drohte die Konversion einer früheren Kaserne der amerikanischen Streitkräfte an der Unterbringung von Flüchtlingen zu scheitern. Bald soll ein neues Quartier gebaut werden.

          5 Min.

          Am Eingang der ehemaligen Funari Barracks parkt ein Porsche-Cayenne mit der Aufschrift „Deluxe Security“. Nebelschwaden verhüllen eine frühere Panzerhalle – Mannheim ist auf altem Rheinsumpfland entstanden. Dreißig Dixi-Klos stehen bei den dreistöckigen Kasernengebäuden, gleich neben dem Haupteingang. Für Abfälle hängt an jedem Türgriff eine blaue Plastiktüte. Flüchtlinge mit kurzen Hosen und Badelatschen laufen langsam zu den Toilettenhäusern und den Duschen in den Containern. Einige haben das Smartphone am Ohr. Die Flüchtlingsunterkünfte lassen sich zwar heizen, aber Duschen und Toiletten in den ehemaligen Kasernengebäuden funktionieren nicht, und das Wasser entspricht nicht den vorgeschriebenen Hygienestandards.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          In den nach 1945 von den Amerikanern gebauten Flachbauten mit den Nummern 806, 804 und 801 sind ein Warteraum, die Essensausgabe und Waschmaschinen untergebracht. Vor einem der vier Wohnblöcke hält ein blauer Mercedes Transporter. Dreißig bis vierzig Männer, zehn Frauen und wenige Kinder warten vor dem Fahrzeug. Die Flüchtlinge sollen zur Registrierung nach Heidelberg gebracht werden. In den Funari Barracks haben fast ausschließlich Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak Zuflucht gefunden. Im Erdgeschoss des Kasernengebäudes sieht man eine weitere Menschenansammlung in der provisorischen Arztambulanz, Ärzte und Arzthelfer haben zur Grippeschutzimpfung aufgerufen.

          Almouhalab Zuhaira ist der Leiter der Flüchtlingsunterkunft, die zu den sogenannten Beas gerechnet wird, den „behelfsmäßigen Erstaufnahmeeinrichtungen“. Fast alles auf dem Gelände der Funari Barracks ist ein Provisorium. Die Kaserne grenzt an die frühere Benjamin-Franklin-Siedlung der Amerikaner. „Wir müssen in den Treppenhäusern der Wohnunterkünfte jeden Morgen putzen, vor allem viele Kinder schaffen es in der Nacht nicht in die Dixi-Klos. Das größte Problem ist die Wartezeit bis zur Registrierung. Neunzig Prozent der Syrer akzeptieren unsere Erklärungen, neunzig Prozent der Afghanen akzeptieren sie nicht und reagieren aggressiv“, sagt Zuhaira. So gibt es immer wieder Streit unter den Flüchtlingen.

          Viele ehrenamtliche Helfer und das Deutsche Rote Kreuz haben die technische Infrastruktur im Herbst zum Funktionieren gebracht. Was aber fehlt, ist eine soziale Infrastruktur, damit die Flüchtlinge keinen „Lagerkoller“ bekommen. „Wenn Sie eine Turnhalle anbieten, haben Sie schon Frieden geschaffen“, sagt Konrad Hummel, der Konversionsbeauftragte der Stadt Mannheim, beim Gang über das Funari-Gelände. Einen Zaun, mit dem ein Kinderspielplatz abgetrennt ist, haben die Flüchtlingskinder kaputtgemacht. „Können Sie sich um den kaputten Zaun kümmern?“, fragt Zuhaira. Hummel telefoniert, obwohl er eigentlich nur für Konversion zuständig ist.

          Investitionspläne stehen zur Disposition

          Vieles könnte besser sein auf dem Gelände, das nach einem 1945 gefallenen Gefreiten der amerikanischen Armee benannt ist. Aber Konrad Hummel und sein Kollege Achim Judt, der als Prokurist und Architekt bei der städtischen Konversionsgesellschaft arbeitet, sind heilfroh, dass nicht die frühere Benjamin-Franklin-Kaserne mit einer Größe von 140 Hektar in Gänze ebenfalls zu einem Provisorium geworden ist.

          Im Benjamin-Franklin-Village in Mannheim sind 4000 Flüchtlinge untergebracht.

          Wie im bayerischen Bamberg oder im nordrhein-westfälischen Münster bringt die Flüchtlingskrise lang geplante Konversionsvorhaben und Stadtentwicklungsprojekte durcheinander. Investitionspläne stehen zur Disposition, aus schierer Verzweiflung werden für Millionenbeträge in alte Kasernen neue Heizungen eingebaut, die eigentlich schon für den Abriss vorgesehen waren. Die 2012 geräumte Franklin-Kaserne ist so groß wie die gesamte Mannheimer Innenstadt und das Filetstück des Konversionsprojekts der baden-württembergischen Großstadt. Aus Panzerhallen sollen Lofts für junge Paare werden, aus Standardsoldatenwohnungen wollen die Städteplaner familiengerechte, begrünte Ökowohnungen mit Photovoltaikdächern machen.

          „Ende September“, sagt Hummel, „sind die Erstaufnahmeeinrichtungen hier vollgelaufen wie eine Badewanne. Vorübergehend hatten wir 9000 Flüchtlinge auf dem Gelände und 13.000 Flüchtlinge in der Stadt.“ Die 75 seit 2012 verlassenen Mietswohnhäuser auf dem Franklin-Gelände mit jeweils 18 Wohneinheiten weckten Begehrlichkeiten. Es wäre für 8000 Flüchtlinge zusätzlich Platz gewesen. Das war verlockend für die Landesregierung, ideal eigentlich.

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