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Schleuser : Die Drahtzieher sitzen im sicheren Hinterland

Den Schleusern auf der Spur: Österreichische Polizisten auf der Autobahn nahe der ungarischen Grenze. Bild: dpa

Viele Schleuser betreiben ihr kriminelles Geschäft von Serbien aus. Den ungarischen Ermittlern sind in ihrem Kampf gegen die Menschenhändler daher die Hände gebunden.

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          Die Schlepper, die die 71 in einem Kühllastwagen erstickten Flüchtlinge auf dem Gewissen haben, sind nicht nur unendlich grausam vorgegangen, sondern auch dilettantisch. Noch immer lässt sich nicht sicher sagen, ob überhaupt eine Luftzufuhr in den Laderaum vorgesehen war.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Sechs Männer sind inzwischen im Zusammenhang mit diesem Verbrechen in Haft. Die österreichische Polizei hat ihre Fahndung auf den Autobahnen seitdem verschärft. Dabei sind ihr inzwischen weitere Schlepper ins Netz gegangen, die Flüchtlinge zusammengepfercht und unter schlechter Sauerstoffversorgung eingeschlossen hatten.

          Auf die erste Fährte im Fall des Kühllastwagens, der vor einer Woche bei Parndorf am Rande der österreichischen Autobahn entdeckt worden war, führte die Ermittler die Zulassung des Fahrzeugs: Erst am Tag vor der tödlichen Fahrt war er von einem Bulgaren libanesischer Herkunft gekauft worden, der die Spur weiter zu verwischen versuchte, indem er in Ungarn ein Zoll-Kennzeichen beantragte. Er wurde noch am selben Tag, an dem der Laster von der Polizei geöffnet wurde, an einem Grenzübergang zu Rumänien verhaftet – offensichtlich beim Versuch sich abzusetzen.

          Bei der genauen Rekonstruktion der Fahrt stützt sich die Polizei auf Angaben der ungarischen Mautüberwachung, die Daten von Mobilfunkbetreibern sowie Zeugenaussagen. Demnach kamen die Schlepper eine Stunde nach ihrer Abfahrt aus Kecskemét, wo sie in einem Hotel einquartiert waren, morgens um vier Uhr in Morahalom an, kurz vor der serbischen Grenze. Dort wurden die Flüchtlinge aufgenommen, ehe es auf der Autobahn an Budapest vorbei auf direktem Weg in Richtung Wien ging; der Grenzübertritt nach Österreich erfolgte kurz nach neun.

          Für das, was dann geschah, gibt es einen Zeugen. Ein ungarischer Lastwagenfahrer, der auf der Gegenfahrbahn im stockenden Verkehr stand, beobachtete, wie sich ein Mann zu Fuß zügig von dem Kühllaster entfernte. Er konnte einen der Bulgaren identifizieren, den schon die Polizei als den mutmaßlichen Fahrer ausgemacht hatte. Anscheinend hatte dieser angehalten, um die Flüchtlinge herauszulassen. Als er entdeckte, was mit ihnen geschehen war, suchte er das Weite.

          Grausamer Fund: In diesem Lastwagen auf einer Autobahn nahe bei Wien befanden sich 71 tote Flüchtlinge.

          Neben dem Bulgaren libanesischer Herkunft zählen fünf weitere Bulgaren und ein Afghane mit ungarischen Dokumenten, der in Ungarn Asyl genießt, zu den Verdächtigen – als Fußvolk der Schlepperorganisation. Immerhin konnte man in diesem Fall schon mehr als nur den Fahrer fassen, der sonst als das kleinste Rädchen im Getriebe der Menschenhändler gilt. So operierte der bulgarisch-libanesische Mann mindestens eine Ebene höher, organisierte den Wagen, heuerte die Fahrer an und brachte sie nach Ungarn. Der Afghane, sein Kontaktmann, „rekrutierte“ die Migranten für die Gruppe.

          Auch wenn die Gefassten allesamt auf den unteren Ebenen agierten, dürften ihre Aussagen den Ermittlern dennoch Aufschluss über das Funktionieren der Schlepperbande geben, die nicht wie eine hierarchische Organisation funktioniere: „Es ist ein loses, spontan zu aktivierendes Netzwerk,“ sagt Gabor Sztankovics, der beim ungarischen Kriminalamt die Gruppe führt, die für die Bekämpfung illegaler Migration zuständig ist. Täglich gibt es 2000 bis 3000 illegale Grenzübertritte, vergangenes Wochenende waren es mehr als 9000 an zwei Tagen. Und das sind nur die, die man registrieren konnte – für einen Polizisten ein Alptraum.

          Situation in der Grenzregion unübersichtlich

          Wir haben keine Ahnung, wer wer ist“, sagt er, und: „Wir wissen nicht, ob einer, der sagt, er sei Syrer, auch wirklich Syrer ist.“ Zwar werden die Personalien erfasst, dass heißt die Angaben, die die Migranten über sich selbst machen, und Fingerabdrücke genommen. Wenn sie erklären, sie seien Flüchtlinge und suchten um Asyl nach, können sie sich im Land vorerst frei bewegen.

          Ein Zettel mit ihrem Namen und einem Stempel dient als Personaldokument, da die wenigsten eigene Papiere dabei haben, ein weiteres Blatt als Fahrkarte. Damit sollen sie sich in eines der drei Erstaufnahmelager begeben, wo das Asylverfahren eingeleitet wird. Tatsächlich machen das aber die wenigsten.

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