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Nach Einigung mit der EU : Türkei nimmt 1300 Flüchtlinge fest

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So wie hier im Juli wollten sich auch die 1300 festgenommenen Flüchtlinge von Ayvacik aus auf den Weg in die EU machen Bild: dpa

Deutliches Signal an die Europäische Union: Nur kurz nach der Einigung auf dem Sondergipfel verhaftet die Türkei etwa 1300 Flüchtlinge. Sie wollten sich offenbar auf den Weg in die EU machen.

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          Nur wenige Stunden nach der Vereinbarung mit der Europäischen Union zur Eindämmung der Flüchtlingskrise haben türkische Behörden am Montag etwa 1300 Flüchtlinge festgenommen. Wie die türkische Nachrichtenagentur Dogan meldete, waren an dem am frühen Morgen gestarteten Einsatz an der Westküste rund um den Ferienort Ayvacik 250 Polizisten beteiligt.

          Unter den Hunderten Festgenommenen aus Syrien, Iran und Afghanistan sollen demnach auch drei mutmaßliche Schlepper gewesen sein. Die Migranten seien in ein Abschiebezentrum gebracht worden. Dass einige von ihnen in ihre Heimatländer zurückgeschickt würden, sei nicht unwahrscheinlich, hieß es.

          Die Polizei beschlagnahmte bei der Aktion ferner vier Boote, mit denen die Flüchtlinge offenbar nach Griechenland gebracht werden sollten. Die griechische Ägäisinsel Lesbos liegt nur wenige Kilometer von Ayvacik entfernt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters war es die größte Polizeiaktion dieser Art seit Monaten.

          Auf dem ersten gemeinsamen Gipfel der Türkei und der EU seit elf Jahren hatten sich beide Seiten am Sonntag in Brüssel auf einen gemeinsamen Aktionsplan geeinigt. Demnach erhält Ankara drei Milliarden Euro, um eine bessere Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei sicherzustellen. Außerdem wurden der Türkei Visa-Erleichterungen und ein Entgegenkommen bei den Verhandlungen zum Beitritt in die Europäische Union zugesagt. Im Gegenzug verpflichtete sich Ankara, die Flüchtlinge nicht länger ungesteuert weiter Richtung EU reisen zu lassen.

          Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in diesem Jahr bereits 425.000 Flüchtlinge mit Booten über das Mittelmeer nach Lesbos geflohen. Weitere 300.000 Menschen sollen von der Türkei aus andere griechische Inseln angesteuert haben. Türkische Behörden geben an, sie hätten seit 2014 bis zu 80.000 Flüchtlinge festgenommen, darunter seien mehr als 2000 Schleuser gewesen.

          Flüchtlingskrise : EU verzichtet für Flüchtlingshilfe der Türkei auf Visa

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