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Ausreisewelle: : Syrischer Patriarch kritisiert deutsche Flüchtlingspolitik

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Der syrische Patriarch Gregorios III. Laham aus Damaskus. Bild: Patricia Kühfuss

Ein hoher Geistlicher der syrischen Christen macht das deutsche Schutzangebot dafür verantwortlich, dass so viele Menschen sein Land verlassen. Dabei offenbart er sich als Unterstützer des Assad-Regimes.

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          Der syrische Patriarch Gregorios III. Laham hat Vorbehalte gegen die hohe Aufnahmebereitschaft Deutschlands geäußert. Er sei „froh über die Aufnahme, aber traurig über die Einladung“, sagte das Oberhaupt der griechisch-melkitischen Kirche am Mittwoch in Frankfurt. Die Bereitwilligkeit der Bundesregierung, Kriegsflüchtlingen aus Syrien Schutz zu gewähren, werde dort „so verstanden, als wolle Deutschland soundsoviele Leute haben“.

          Gewiss sei Angst ein Fluchtmotiv, aber diese Angst werde vom „Islamischen Staat“ bewusst geschürt, so der Geistliche. Andere Gründe für die Abwanderung aus Syrien seien „Hoffnung auf besseres Leben und eine bessere Zukunft“ wie auch Lust auf „Abenteuer“, so Gregorios III. Die Ausreisewelle verglich er mit einer „Epidemie“. Der Patriarch, der in Damaskus residiert, besuchte Frankfurt anlässlich der Weihe der byzantinischen Kapelle in der Jesuitenhochschule St. Georgen.

          Zwar leide die Zivilbevölkerung in Aleppo unter sehr schwierigen Bedingungen, auch die Lage in Homs sei erschwert, in Damaskus gehe das Leben aber vielfach normal weiter. Alle Waren seien da, das Leben sei immer noch billiger als im benachbarten Libanon. „Die Basare sind voll“, sagte Gregorios III.

          Dass die Menschen aus den Regierungsgebieten flöhen, sei „nicht wahr“. Im Gegenteil suchten viele Binnenvertriebene Schutz an Orten, die unter der Kontrolle von Syriens Präsident Baschar al Assad stünden. „Sicherheit ist da, wo die Regierung ist“, sagte Gregorios III. Als Beleg verwies er auf die Flüchtlingshilfe seines Patriarchats. 2011, zu Beginn des Konflikts, habe die Aufnahmestelle in Damaskus 300 Familien unterstützt; jetzt seien es 8.000.

          Den Syrienkonflikt beschrieb der Patriarch als von unterschiedlichen Interessen gesteuert. Die „sogenannte Opposition“ sei „bezahlt“, Demonstrationen „gekauft“. In Syrien lebten inzwischen viele Kriegsgewinnler oder „riches de la guerre“. Die Immobilienpreise verfielen wegen eines Überangebots, davon profitiere eine Mafia. Auch Mitarbeiter internationaler humanitärer Organisationen würden hoch bezahlt, so das Kirchenoberhaupt.

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          Syriens Präsident Assad ist aus Sicht des hohen Kirchenführers das Opfer gezielter Diffamierung. In den westlichen Medien herrschten „Manipulation, Ignoranz, der Wille, über das Schlechte zu informieren“, sagte Laham. Dabei machte er auch den seit über zwei Jahren verschleppten Jesuiten Paolo Dall’Oglio für das negative Syrienbild verantwortlich. Dieser habe als „ein einzelner Priester“ und Leiter eines staatlich unterstützten Klosters systematisch schlecht über die Regierung Assad geredet.

          Gegenüber der Ära von Hafiz al Assad, dem von 1970 bis 2000 regierenden Vater des amtierenden Präsidenten, habe sich die Situation in Syrien grundlegend gewandelt, so der Patriarch, Oberhaupt einer mit Rom verbundenen Ostkirche. Es gebe größere Religionsfreiheit als in den meisten anderen Ländern des Nahen Ostens. Abgesehen vom Libanon sei Syrien das einzige Land in der Region, in dem der Islam nicht Staatsreligion sei.

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          Er selbst könne die negative Sicht auf Assad nicht teilen, sagte Gregorios III. In persönlichen Begegnungen erscheine der Präsident kultiviert, voller Anteilnahme und Respekt gegenüber der christlichen Religion. „Ich weiß nicht, was die Leute gegen ihn haben“, so der Patriarch wörtlich.

          Der italienische Jesuit Dall’Oglio war im Juli 2013 in Raqqa nahe der türkischen Grenze verschwunden und soll sich in der Gewalt fundamentalistischer Gruppen befinden. Seit mehr als 30 Jahren arbeitetet er in Syrien und setzte sich dort besonders für den christlich-islamischen Dialog ein. Die katholische Kirche und die italienische Regierung bemühten sich bislang vergeblich um eine Freilassung des Ordensmannes.

          Der in der Nähe von Damaskus geborene Patriarch steht seit 2000 an der Spitze der griechisch-melkitischen Kirche. Die mit Rom verbundene Ostkirche hat schätzungsweise 1,6 Millionen Mitglieder. Fast die Hälfte von ihnen lebt in Auslandsgemeinden in Brasilien und Argentinien.

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