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Studie : Zustimmung zur Willkommenskultur ist deutlich gesunken

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Migranten im vergangenen November nahe der deutsch-österreichischen Grenze bei Wegscheid (Bayern) Bild: AFP

Das „Integrationsklima“ in Deutschland hat durch die Flüchtlingskrise gelitten. Nach einer Studie lehnen immer mehr Deutsche Zuwanderung ab – und verlangen von den Migranten vor allem Bescheidenheit.

          Zuwanderer stoßen in Deutschland zunehmend auf Ablehnung. Zu diesem Ergebnis kommt eine sozialpsychologische Untersuchung im Auftrag der Mercator-Stiftung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sank die Zustimmung zur sogenannten Willkommenskultur, außerdem pochen mehr Menschen auf „Vorrechte für Alteingesessene“.

          Nach der auf telefonischen Befragungen zum Jahreswechsel 2015/16 basierenden Studie lag die durchschnittliche Zustimmungsquote zu einer „Willkommenskultur und dem damit verbundenen offenen Heimatkonzept“ unter Deutschen ohne Migrationshintergrund bei 32,3 Prozent. Bei der identischen Vorläuferstudie vom Jahreswechsel 2013/14 waren es noch 39,5 Prozent gewesen.

          Die Unterstützung für ein „Heimatkonzept, das sich auch für ethnisch-kulturelle Minderheiten öffnet“, brach der vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld konzipierten Untersuchung zufolge um zehn Prozentpunkte ein. Freuten sich 2013/14 noch 54,7 Prozent darüber, dass sich mehr Migranten in Deutschland zu Hause fühlen, waren es 2015/16 nur noch 43,3 Prozent. Parallel stieg der Anteil derer, die Vorrechte für alteingesessene Bevölkerungsteile fordern.

          „Erst mal mit weniger zufrieden geben“

          Die „Zustimmung zu Etabliertenvorrechten“ habe sich unter Deutschen ohne Migrationshintergrund in der Gesamtbetrachtung von 5,4 Prozent in 203/14 auf 16,4 Prozent in 2015/16 etwa verdreifacht, berichteten die Bielefelder Wissenschaftler. Demnach waren 72,6 Prozent der Meinung, dass Menschen, die neu oder später hinzukommen, die gleichen Rechte haben wie alle anderen. 2013/14 waren es noch 84,6 Prozent gewesen.

          40,9 Prozent stimmten der Meinung zu, dass Menschen, die neu oder später hinzukommen, sich „erst mal mit weniger zufrieden geben sollten“. 2013/14 waren es nur 32,5 Prozent gewesen. Beim Anspruch auf Vorrechte unterschieden sich Deutsche mit Migrationshintergrund der Studie zufolge kaum von denen ohne. Unter ihnen lag die Gesamtzustimmungsrate zu entsprechenden Forderungen bei 16 Prozent nach 4,8 Prozent 2013/14. 79,6 Prozent waren der Meinung, dass Neuankömmlinge gleiche Rechte haben sollten – nach 89,7 Prozent 2013/14.

          Migrantische Bevölkerung auch kritischer gegenüber Zuwanderung

          „Auch in der migrantischen Bevölkerung verschärft sich der Ton, wenn es darum geht, eigene Vorrechte zu sichern", schrieben die Forscher. Gegenüber der Willkommenskultur im Allgemeinen sind Deutsche mit Migrationshintergrund insgesamt aber positiver eingestellt als ihre Landsleute ohne. 47,8 Prozent befürworten diese demnach. Vergleichszahlen für 2013/14 fehlen, weil die Frage damals nicht gestellt wurde.

          Die Untersuchung stützt sich auf Interviews von 1300 repräsentativ ausgewählten Menschen zum Jahreswechsel 2015/16 beziehungsweise 2006 repräsentativ ausgewählten Menschen zum Jahreswechsel 2013/14, deren Einstellungen von den Autoren mit einem selbst konzipierten Messinstrumentarium erfasst wurden. Es soll ermöglichen, die Wertschätzung einer „pluralen Gesellschaft“ und der „Öffnung des Heimatkonzepts für ethnische Minderheiten“ abbilden zu können.

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