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Flüchtlingsstrom : Ungarn führt Kontrollen an Grenze zu Slowenien ein

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Noch schnell durchschlüpfen, bevor die Grenze dicht gemacht wird: Flüchtinge, die per Zug durch Kroatien und Ungarn nach Österreich reisen. Bild: dpa

Mit der Grenzschließung setzt Ungarn Slowenien unter Handlungsdruck. Aus Kroatien kommen bereits erste Busse mit Flüchtlingen dort an. Der Sicherheitsrat des Schengen-Landes berät am heutigen Samstag über die neue Lage.

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          In Slowenien sind am Samstagmorgen die ersten Busse mit Flüchtlingen aus Kroatien eingetroffen. Sechs Busse überquerten den Grenzübergang Petisovci/Mursko Sredisce, wie ein AFP-Journalist berichtete. Nach Polizeiangaben fuhren drei Busse weiter zu einem Registrierungszentrum. Die Passagiere der übrigen Busse stiegen am Grenzübergang Petisovci aus, um sich dort registrieren zu lassen.

          Kroatien hatte zuvor angekündigt, Flüchtlinge künftig nach Slowenien umzulenken, nachdem Ungarn seine Grenze zu Kroatien in der Nacht zum Samstag komplett abgeriegelt hatte. Zudem führte das Land Kontrollen an der Grenze zu Slowenien ein. Außenminister Peter Szijjarto sagte der Nachrichtenagentur MTI am Samstag, es gebe Informationen, dass Flüchtlinge über Slowenien zur ungarischen Grenze gebracht würden. Daher seien vorübergehende Kontrollen nötig.

          Dies stehe im Einklang mit dem Schengen-Abkommen. Danach können wegen besonderer Ereignisse oder Krisensituationen die Grenzkontrollen auch in dem eigentlich pass- und kontrollfreien Schengen-Raum für maximal zwei Monate wieder eingeführt werden. Ungarn und Slowenien gehören dem Schengen-Raum an, Kroatien nicht.

          Um Mitternacht hatte Ungarn seine Grenze zu Kroatien abgeriegelt, um die Einreise von Flüchtlingen zu unterbinden. Seither reisen sie nun von Kroatien nach Slowenien weiter. Der erste Bus mit Migranten erreichte am Samstag die slowenische Grenze, wie die Polizei des Landes mitteilte. Die Flüchtlinge müssten sich nun einem Registrierungsverfahren unterziehen, sagte ein Sprecher.

          Kroatien und Slowenien haben angedeutet, sie würden Flüchtlinge nicht aufhalten, solange diese nach Deutschland und Österreich weiterreisen könnten. Mit dem Zug können sie aber nicht von Kroatien nach Slowenien gelangen, denn die dortige Regierung hat den Eisenbahnverkehr aus dem Nachbarland unterbrochen. Wegen des erwarteten Flüchtlingsandrangs aus Kroatien stellte Slowenien am Freitag den Bahnverkehr mit dem Nachbarland vorläufig ein.

          Kroatien und Ungarn hatten zuletzt zusammengearbeitet, um den Transit tausender täglich ankommender Flüchtlinge in den Griff zu bekommen. Die meisten von ihnen wollen weiter nach Deutschland, Österreich oder in andere EU-Staaten. Nun entschied Ungarn aber, nach seiner Grenze zu Serbien auch die Grenze zu Kroatien zu schließen.

          Massiver Polizeischutz bei Errichtung von Zaun

          Unter massivem Polizeiaufgebot hat Ungarn seine mehr als 300 Kilometer lange grüne Grenze zum EU-Nachbarland Kroatien in der Nacht zum Samstag abgesperrt. Der illegale Grenzübertritt ist nunmehr auch auf diesem Abschnitt strafbar. Allerdings bilden etwa zwei Drittel dieser 300 Kilometer langen Linie die Flüsse Drau und Mur. Ob und wie die Fluss-Abschnitte gesperrt werden, ist zunächst unklar.

          Mit der neuen Grenzschließung will der EU-Staat die ungehinderte Einreise von Migranten verhindern. Die Flüchtlinge auf der Balkanroute haben nun ein weiteres Hindernis, nachdem Ungarn bereits vor einem Monat die 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien abgeriegelt hatte.

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