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Flüchtlingspolitik : „Europäischer als einige Mitgliedstaaten“

Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vučić möchte, dass sein Land „eine bestimmte Anzahl“ von Migranten selbst aufnimmt: „Wir bauen keine Zäune“. Bild: AP

Serbien erntet von vielen Seiten Zuspruch für seinen Umgang mit Flüchtlingen. Sogar Aktivisten finden lobende Worte für Aleksandar Vučić und sein Kabinett.

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          „Kein einziger Angriff auf Migranten in Serbien. Nur gute Taten und Hilfe für arme Menschen. Ich bin stolz“, twitterte Tijana Laban vor wenigen Tagen. Dieser Tweet der Pressesprecherin des serbischen Büros des deutschen Arbeiter-Samariter-Bunds, der in dieser Woche 150000 Euro Soforthilfe für die Flüchtlingslager im Süden und Norden Serbiens zur Verfügung gestellt hat, kann stellvertretend für das allgemeine Lob gelesen werden, das Serbien derzeit erntet. Während die Politik der ungarischen Regierung von Viktor Orban in Budapest zumindest von der EU und den europäischen Eliten mehrheitlich abgelehnt wird, machen Ministerpräsident Aleksandar Vučić und sein Kabinett aus Sicht derselben Eliten mehr richtig als falsch. Sogar viele Flüchtlingsaktivisten, die sonst kein gutes Haar an dem ehemaligen Ultranationalisten Vučić lassen, finden lobende Worte für die serbische Regierung.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Vučić hat Ende August die Leitlinie vorgegeben, der Belgrad folgen wolle: „Wir sprechen hier von verzweifelten Menschen, nicht über Kriminelle oder Terroristen,“ sagte Serbiens mächtigster Politiker und fügte am Donnerstag nach einem Besuch eines Flüchtlingsdurchgangslagers unweit der serbischen Grenze zu Ungarn hinzu: „Der Staat Serbien wird sich gegenüber den Flüchtlingen verantwortungsvoll verhalten. Serbien möchte und kann diesen guten Menschen noch mehr helfen als bisher.“ Der Ministerpräsident in Belgrad habe leicht reden, sagten einige Skeptiker anfangs, denn er wisse schließlich genau, dass sein Land für die aus den gescheiterten Staaten geflüchteten Menschen nur eine Durchgangsstation sei. Doch dann kündigte Vučić an, dass Serbien „eine bestimmte Anzahl“ von Migranten selbst aufnehmen werde; „Das macht uns europäischer als einige Mitgliedstaaten. Wir bauen keine Zäune“.

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          Solange Taten folgen, können den Flüchtlingen die Gründe egal sein

          Zwar kann „eine bestimmte Anzahl“ viel beziehungsweise sehr wenig bedeuten. Auch ist zu berücksichtigen, dass Vučić möglichst schnell möglichst viele Kapitel der EU-Beitrittsverhandlungen eröffnen will und deshalb oft sagt, was in Brüssel, Berlin und anderen Hauptstädten gern gehört wird. Doch den Flüchtlingen können die Gründe für die Belgrader Politik egal sein, solange den Worten Taten folgen – und das geschieht. Das Innenministerium in Belgrad hat mehrfach geplante Versammlungen rechtsradikaler serbischer Splittergruppen verboten, auf denen gegen Flüchtlinge gehetzt werden sollte. Zwei Polizisten, die in der Belgrader Innenstadt Flüchtlinge bestohlen hatten, wurden verhaftet. Während den Serben noch aus der Zeit der Balkankriege der neunziger Jahre im Ausland der Ruf eines fremdenfeindlichen, chauvinistischen Volkes anhängt, präsentiert sich Serbien 2015 insgesamt friedfertig und hilfsbereit. Auch die Lage in der Gegend zwischen dem zentralen Busbahnhof und dem Hauptbahnhof hat sich etwas entspannt, seit der Staat direkte Zugverbindungen von Süden des Landes an der Grenze zu Mazedonien bis in die serbische Grenzstadt Subotica in der Nordprovinz Vojvdina einsetzt. Zwar lagern in Belgrad immer noch Menschen unter freiem Himmel, doch Szenen wie in Budapest spielen sich dort nicht ab. Die Stadt Belgrad hat vor dem Hauptbahnhof einen Tanklastwagen mit Trinkwasser aufgestellt. Einige Flüchtlinge aus dem Nahen Osten haben stattdessen lieber in der Bahnhofskneipe Kaffee bestellt und sitzen nun an ihren Smartphones. „Wir haben keine Probleme mit denen. Die sind friedlich wie Käfer“, sagt der Kellner, schränkt dann allerdings ein: „Nur, dass sie vielleicht nicht so pedantisch sind wie wir“. Pedantisch? „Na ja, es ist nun einmal so“, sagt der Kellner und sucht nach Worten, bis er diese findet: „Sie lassen überall ihren Müll liegen.“

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