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Flüchtlingskrise in Schweden : In der Wirklichkeit

Schweden sollte ein besseres Land sein

Malmö war der Flaschenhals in der Krise, rasch war er verstopft. Immer schwieriger wurde es, Gemeinden zu finden, die Platz für die Flüchtlinge hatten. Oder haben wollten. Überall in das weite Land hat man sie von hier aus verteilt, mit Bussen in Hotels im Norden gebracht, in alte Kasernen, in Provinznester zwischen Wäldern und Seen. „Wir machen, was wir können“, sagt er. „Aber wenn Menschen auf der Straße schlafen, ist klar, dass wir die Sache nicht mehr managen können.“

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Einen Tag nach der Pressekonferenz in Stockholm besuchte Ministerpräsident Löfven Malmö. Er war in der Messehalle, in der Flüchtlinge für die ersten Stunden, manchmal Tage unterkommen. Åkerman hat ein Video davon gemacht und mit trauriger Musik unterlegt. Löfven schaut ernst, Menschen sitzen aud dem Boden, Kinderzeichnungen hängen an den Wänden. Löfven sei sehr berührt gewesen, sagt Åkerman. Er hat das Video an Kollegen verschickt. Das Land sei so groß, sagt er: „Nicht jeder versteht, was hier passiert.“

Schweden hat sich nicht immer als humanitäre Großmacht verstanden, Flüchtlinge waren lange nicht willkommen. Erst Mitte des Zweiten Weltkriegs änderte sich das. Später brauchte Schweden Arbeitskräfte und holte sie aus dem Ausland, bis es in den siebziger Jahren zu einer ersten Krise kam und die Arbeitseinwanderung begrenzt wurde. Dafür sollten nun die Flüchtlinge kommen. Die Achtundsechziger-Bewegung hatte die Sozialdemokraten geprägt: Schweden sollte ein besseres Land sein, man empörte sich über Amerika, den Vietnamkrieg, man liebte den Frieden und engagierte sich international.

Sicherheit und Tradition, statt rassistischer Ausfälle

Das Selbstbild der humanitären Supermacht nahm Gestalt an. Flüchtlinge kamen aus Lateinamerika, dann auch aus dem Nahen Osten, später aus Somalia, Jugoslawien. Lange ging das gut. Doch dann wurde die Arbeit knapp, es entstanden Problemviertel. Doch wirklich offen wurde darüber nicht geredet. Genau das half schließlich der einzigen Partei, die nur darüber reden wollte. Und wenn man den Ortsvorsitzenden der Schwedendemokraten in Malmö fragt, worin er seine Aufgabe sieht, dann sagt Jörgen Grubb: „Ich möchte Schweden retten, das Schweden, wie es war, das Schweden, wie es sein sollte. Das ist meine Mission.“

Es gibt viele Umfragen in Schweden zur Flüchtlingskrise. Eine zeigt zum Beispiel, dass gut 50 Prozent der Schweden die Kehrtwende der Regierung notwendig fanden, weitere 25 glauben, sie reiche nicht aus, und fast 70 Prozent sagen, sie sei zu spät gekommen. Kaum eine Umfrage aber hat in den letzten Wochen so viel Aufmerksamkeit erregt wie die Wahlumfrage einer Gratiszeitung. Sie sah die Schwedendemokraten bei 25,2 Prozent. „Jetzt sind Schwedendemokraten die größte Partei Schwedens“ war die Schlagzeile. In Malmö haben die Schwedendemokraten gleich mehrere Abzüge der Titelseite in ihrem Büro im „Stadshuset“ aufgehängt. Ein Exemplar haben sie sogar rahmen lassen, der Parteivorsitzende hat es signiert.

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