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Rührend und peinlich : Politiker singen Schlager für Flüchtlinge

Berliner Abgeordnete haben einen Schlagersong für Flüchtlinge aufgenommen. „Und sie suchen nur das Morgen“ singen die Politiker inbrünstig. Das ist rührend und peinlich zugleich.

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          „Wir seh`n viel als selbstverständlich - und den Wohlstand als geschenkt. Dabei ist man so viel reicher, wenn man auch an andre denkt!“ So heißt eine Zeile aus dem Lied „Sie suchen nach dem Morgen“; ein Song mit eingängigem Schlagerbeat, den drei Berliner Abgeordnete zusammen mit dem Sänger Donato Plögert für Flüchtlinge singen.

          Leonie Feuerbach
          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Und so ähnlich klingt auch der Rest des Songs. Kostprobe: „Das, was ihre Augen sahen, ist für uns kaum vorstellbar. Und statt dass wir ihnen helfen, seh`n wir sie nur als Gefahr.“

          Sänger und Kleinkünstler Plögert hat den Text geschrieben, vertont hat das Lied kein Geringerer als Christian Bruhn, der für Drafi Deutscher den Kult-Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“ komponiert hat. Plögert hatte wochenlang Sponsoren gesucht. Am Ende spendeten angeblich Mitglieder aller im Bundestag vertretenen Parteien. Ihnen wird im Abspann des Videos namentlich gedankt.

          Singen wollten das Lied neben Plögert selbst aber nur Mitglieder von Linken, Grünen und Piraten, nämlich der Grüne Thomas Birk, der Linke Hakan Tas und der Pirat Fabio Reinhardt. Mit dabei ist außerdem der Unternehmer Daniel Worat von der Organisation „Companies For Refugees“. Zusammen nennen sich die fünf Männer „Five 4 Refugees“.

          Plögert singt mit Inbrunst, der Pirat Reinhardt wirkt etwas gehemmt, der Linke Tas liest seinen Text vom Blatt ab. Die Qualität des Videos ist mäßig. In die Aufnahmen der Politiker, die am Mikrofon in einem Büro voller Drucker, Bildschirme und Boxen stehen, werden amateurhaft Fotos der Flüchtlingskrise ein- und wieder ausgeblendet.

          In Kombination mit der Schlagermelodie und den simplen, aber gefühlvollen Reimen kann das den Zuschauer entweder rühren oder vor Fremdscham erröten lassen - oder beides gleichzeitig.

          Unabhängig davon, ob das Video gut gemacht ist: Gut gemeint ist es auf jeden Fall. Alle Erlöse gehen an ein Flüchtlingsprojekt und den Begegnungschor „Berliner singen mit Flüchtlingen“. Bisher sind das laut der Internetseite von Fabio Reinhardt allerdings nur 305 Euro.

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