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Rücktritt des BAMF-Präsidenten : Männer in Not

Auf dem Weg zur Chefin: Thomas de Maizière Anfang September im Kanzleramt. Bild: Reuters

Der Rücktritt des Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge kann die Opposition nicht bremsen – das Ziel ihrer Kritik ist ohnehin vor allem der Innenminister. Dem will seit einigen Monaten nicht mehr viel glücken.

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          Es dauerte nicht einmal eine Stunde, bis die Aufregungsmaschinerie der Opposition am Donnerstag ihren ersten Schuss auf Thomas de Maizière abfeuerte. Um 10.31 Uhr hatte das Bundesinnenministerium mitgeteilt, dass der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, des BAMF, „aus persönlichen Gründen“ darum gebeten habe, von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Um 11.24 Uhr verbreitete die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, eine Mitteilung, in der sie behauptete, es handele sich um ein „klassisches Bauernopfer“. Die eigentliche Verantwortung dafür, dass das BAMF mit der Bearbeitung der Asylanträge nicht nachkommt, liege nicht bei Schmidt, sondern bei de Maizière.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin
          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Wie Göring-Eckardt zu dieser Einsicht gelangt war, verschwieg sie dem Leser ihrer Zeilen. Das BAMF schwieg eisern zu Schmidts Rücktritt, in Berlin wurde über die „persönlichen Gründe“ gerätselt. Deutlich war immerhin das Lob des Ministers für seinen scheidenden Behördenleiter, das Bedauern klang ehrlich. Von „hervorragender Arbeit“ war die Rede und „enormem Engagement“.

          Minister sei von Schmidts Anruf überrascht gewesen

          Im Ministerium hat niemand den Eindruck, de Maizière habe Schmidt zum Rücktritt gedrängt. Im Gegenteil: der Minister sei von Schmidts Anruf am Mittwoch völlig überrascht gewesen. Das Gerede vom „Bauernopfer“ eines schwächelnden Ministers empörte sowohl bei der Behörde, als auch im Innenministerium all jene, die den BAMF-Präsidenten in den vergangenen Wochen hatten schuften sehen. Es heißt, eine schwere Erkrankung in der Familie habe ihn zusätzlich belastet.

          Wahrscheinlich war Schmidt unter dem ungeheuren Druck seiner Tag-und-Nacht-Arbeit an die Grenzen seiner Kraft gelangt. Schmidt hatte das Amt vor rund fünf Jahren von seinem Vorgänger Albert Schmidt übernommen. Die Namensvettern hätten unterschiedlicher nicht sein können, der barocke Vorgänger, ein begnadeter Selbstdarsteller und kreativer Image-Gestalter, hatte die Asyl-Behörde in den zehn Jahren seiner Amtszeit total umgekrempelt und aus der trüben Abstempel- und Abschiebeanstalt ein recht modernes Migrations- und Integrationszentrum gemacht. Allerdings waren manche auch ganz froh, als der turbulente bayerische Katholik und Sozialdemokrat 2010 in Pension ging und in Nürnberg wieder etwas Ruhe einkehrte.

          Flüchtlingskrise : De Maizière besucht Flüchtlingsheim

          Manfred Schmidt war dafür bestens qualifiziert: Ruhig, sachlich und in Verwaltungsfragen sehr erfahren - Schmidt hatte in der Verwaltungsorganisation gearbeitet, im Haushaltsreferat, in der Zentralabteilung und schließlich die Abteilung für Bevölkerungsschutz geleitet. Er war Ministerialbeamter aus dem Bilderbuch. Charisma und große Fernsehauftritte gehörten nicht zur Stellenbeschreibung.

          Die vergangenen Monate haben das Amt und damit auch den gebürtigen Frankfurter Schmidt vor ungeheure Herausforderungen gestellt. Aus dem eher gemütlichen Betrieb, der Freitags um eins die Telefone auf Anrufbeantworter umstellte, ist eine Rund-um-die-Uhr-Zentralstelle geworden. Schmidt war rastlos in allen Ländern und auf allen Kanälen unterwegs. Wenn man Schmidt zuletzt traf, konnte man sehen, wie sehr das auch an die persönliche Substanz ging, bei aller Freude an der Arbeit. Und dann kam es noch vor, dass Leuten wie der SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel und die Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft (SPD) Schmidt kritisierten, wenn sie eigentlich de Maizière meinten.

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