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Viktor Orbán : Der Polarisierer

Viktor Orban am Donnerstag in Brüssel. Bild: dpa

Was treibt Viktor Orbán an? Der Werdegang des ungarischen Ministerpräsidenten zeigt es: Sein politischer Erfolg beruht vor allem auf einer Taktik – die er nach und nach perfektioniert hat.

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          Viktor Orbán ist ein begnadeter Polarisierer. Sein innenpolitischer Erfolg beruht darauf. Schon als der junge Student ins politische Leben sprang, polarisierte er. Auf der feierlichen Umbettung von Imre Nagy im Jahr 1989, Orbán war gerade 26 Jahre alt, forderte er auf offener Bühne eine Regierung, die sich für den Abzug der Russen einsetze. Und er sprach den anwesenden (Reform-)Kommunisten das Recht ab, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Beides – Letzteres noch mehr als die berühmt gewordene Abzugsforderung – war in den Oppositionsgruppen keineswegs unumstritten. Orbán aber setzte sich durch. Schon bald galt der Anführer des Bundes Junger Demokraten (Fidesz) als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          1998 war es so weit. Umso schmerzlicher war es für ihn, das Amt nach nur einer Legislaturperiode abgeben zu müssen. Im Fidesz wird das bis heute als Unfall betrachtet – oder eher noch als eine Art Diebstahl, begangen von einer exkommunistischen Linken, die sich nach der Wende alle wichtigen Positionen gesichert habe, insbesondere in den Medien. Das erklärt machtstrategisch wie auch psychologisch die rohe Unbedingtheit, mit der sich der Fidesz nach dem zweiten Wahlsieg im Jahr 2010 die Vorherrschaft in staatlichen wie nichtstaatlichen Medien sicherte.

          Nach Orbáns Machtverlust im Jahr 2002 wurde die Taktik der Polarisierung als innenpolitisches Instrument perfektioniert. Das führte dazu, dass die Fehler der sozialistischen Regierung Gyurcsány mit einem dramatischen Ansehensverlust bestraft wurden – und auch zum Erdrutschsieg im Jahr 2010. In den außenpolitischen Beziehungen greift Orbán seither ebenfalls gerne zu diesem Stilmittel.

          Sein Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist dafür ein Musterbeispiel: „Jeder europäische Politiker ist verantwortungslos, der Einwanderern Hoffnungen auf ein besseres Leben macht und sie dazu ermuntert, alles zurückzulassen, um unter Einsatz ihres Lebens in Richtung Europa aufzubrechen. Wenn Europa nicht auf den Weg der guten Vernunft zurückkehrt, so wird es in einem Schicksalskampf unterliegen.“ Solche Worte finden begeisterte Befürworter und erbitterte Gegner.

          Viktor Orbán wurde 1963 in Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) geboren, wo einst die Arpadenkönige residiert hatten. Er wuchs aber in einem Haus „am Rande des Dorfes“ auf, wie es ein Biograph beschrieben hat, also in einfachen Verhältnissen. In Budapest studierte er Jura, dann durfte er ein Jahr nach Oxford. Legendär ist seine Leidenschaft für den Fußball. Auch da ist er kein Freund des Unentschiedens, erst recht aber nicht der Niederlage. Als er einmal in jüngeren Jahren, aber schon als unumstrittener Fidesz-Führer, mit Parteifreunden kickte, so die Erzählung eines anderen Biographen, da ließ er so lange spielen, bis sein Team endlich das notwendige Tor erzielt hatte. Ob es ihm aber gelingen wird, in Europa das Spiel nach seinen Regeln spielen zu lassen, ist eine andere Frage.

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