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Flüchtlingskrise : Schengen ist schon Vergangenheit

Flüchtlinge am Grenzzaun zwischen Österreich und Slowenien Bild: dpa

Lange wurden an der Grenze zwischen Slowenien und Österreich kaum Flüchtlinge abgewiesen. Nun werden die Kontrollen deutlich strenger. Doch damit das funktioniert müssen auch andere Länder in das Nadelöhr einfädeln.

          In Villach heißt es umsteigen. Die Verbindung mit dem Autoreisezug aus Deutschland ist vor zwei Jahren eingestellt worden, heute kommen am Auto-Terminal täglich Züge mit Flüchtlingen an. Der Frühzug ist gerade eingetroffen. Dreißig Polizisten und Soldaten, die in ihren Mannschaftswagen gewartet hatten, nehmen Aufstellung. Vier Polizisten postieren sich am Kopf des Bahnsteigs, der durch einen einfachen Bauzaun abgeteilt ist. Zwei Dolmetscher, die sie begleiten, tragen orangefarbene Westen, auf denen in arabischen und lateinischen Schriftzeichen steht, für welche Sprachen sie zuständig sind: Arabisch der eine, Farsi der andere. Fünf Soldaten in grüner Uniform und orangefarbenen Westen, Pistole am Koppel, öffnen die Tür des ersten Waggons und bedeuten den Fahrgästen auszusteigen. Müde und fröstelnd klettern Männer, Frauen und Kinder aus dem Zug, insgesamt etwa 450 Menschen. Fast alle geben an, sie kämen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Das ist das gewöhnliche Verfahren, das sich im vergangenen Vierteljahr nach einem chaotischen Beginn zwischen Slowenien und dem österreichischen Bundesland Kärnten eingependelt hat. Täglich kommen in der Regel drei Sonderzüge aus dem südlichen Nachbarland, seit November zusätzlich Busse. Die Polizei auf beiden Seiten der Grenze arbeitet eng zusammen. Hoheitliche Fragen hat man pragmatisch geklärt: österreichische Beamte holen die Züge in Jesenice ab, in den Bussen fahren dafür Slowenen mit. Aus den Bussen wird gleich hinter dem Karawankentunnel umgestiegen – jener knapp acht Kilometer langen Röhre unter dem gleichnamigen Gebirge hindurch, das eine Art natürlicher Barriere zwischen Slowenien und Kärnten darstellt.

          Das ehrgeizige Ziel: Asylbewerberzahl halbieren

          Vor einer Woche hat Österreich erklärt, dass es dieses Jahr nicht mehr als 37.500 Schutzsuchende aufnehmen will und in den nächsten Jahren dann noch weniger. Zwar reisen die meisten derjenigen, die zum Beispiel in Villach angekommen sind, gleich weiter nach Deutschland, um dort Asyl zu begehren. Aber annähernd jeder Zehnte hat im Jahr 2015 auch im Land zwischen Alpen und Donau Asyl beantragt, insgesamt 90.000. Man muss dabei in Rechnung stellen, dass von diesen Menschen bis zu zwanzig Prozent nicht mehr aufzufinden sind, weil sie wahrscheinlich auch Richtung Deutschland weitergezogen sind. Es bleibt aber doch das ehrgeizige Ziel, die Asylbewerberzahl zu halbieren, und das, obwohl Migrationsexperten eher noch einen Anstieg der Flüchtlingsbewegungen vorhersagen.

          Welche Folgen hat der Beschluss hier an der Grenze? Hat Österreich „dichtgemacht“, wie es schon hier und da zu lesen war? In Villach merkt man davon wenig, jedenfalls bislang. Die Migranten aus dem Zug weisen die Registrierungszettel vor, die sie zuvor in Slowenien erhalten hatten: Blätter mit Namen, Herkunftsland, Geburtstag, Geburtsort, auch ein Foto ist auf dem Ausdruck abgebildet. Einen Pass haben die wenigsten. Die Polizisten sehen nach, ob das Foto der Person ähnelt, und die Dolmetscher sollen hören, ob der Dialekt zu der angeblichen Herkunft passt. Ohne weitere Umstände werden die Leute auf ein anderes Gleis geschickt, wo der Zug zum Weitertransport wartet. Polizisten und Soldaten winken sie voran oder lassen sie kurz warten, damit kein Gedränge vor den Zugtüren entsteht.

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