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Flüchtlingskrise : Österreich stoppt Zugverkehr nach Ungarn

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Flüchtlinge am Donnerstag in Wien, Westbahnhof Bild: Reuters

Österreich hat den Zugverkehr nach Ungarn wegen des großen Andrangs von Flüchtlingen vorübergehend unterbrochen. Helfer wurden aufgerufen, keine weiteren Flüchtlinge zu den Bahnhöfen zu bringen.

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          Die österreichische Bahn hat den Zugverkehr nach Ungarn vorübergehend eingestellt. Auf ihrer Webseite begründeten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) diese Entscheidung am Donnerstag mit der „massiven Überlastung“ der aus Ungarn kommenden Züge. Eingestellt wurden den Angaben nach die Railjet/EuroNight- und die Eurocity-Verbindung auf der Strecke Wien-Budapest sowie grenzüberschreitende Regionalzüge. „Bis auf weiteres werden keine Tickets für Fahrziele in Ungarn verkauft“, erklärten die ÖBB. Für Pendler und Schüler aus dem Grenzgebiet Neusiedl/See und Bruck/Leitha werde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen organisiert.

          Freiwillige und Busunternehmer sollten keine Flüchtlinge mehr an die Bahnhöfe bringen. „Eine geordnete Abwicklung der aktuellen Situation kann sonst nicht mehr gewährleistet werden. Der ohnehin schon starke Zustrom in Kombination mit der großen Zahl der schon jetzt an den Bahnhöfen auf die Weiterfahrt wartenden Menschen übersteigt die vorhandene Zugkapazität bereits seit den Morgenstunden“, hieß es.

          Ähnlich hatte am Mittwoch Dänemark reagiert: Um Flüchtlinge an der Einreise nach Dänemark und der Weiterreise nach Schweden zu hindern, wurde der Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark zunächst auf unbestimmte Zeit eingestellt. Seit dem Morgen verkehren die Regionalzüge unter strengen Kontrollen wieder nach Kopenhagen; die Fernverbindung ist aber offenbar noch immer unterbrochen.

          Der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen äußerte sich überrascht darüber, dass nicht mehr Flüchtlinge in Dänemark bleiben wollen. „Ich kann die Menschen nicht dazu zwingen, Asyl in Dänemark zu suchen. Aber man kann vielleicht eine gewisse Verwunderung darüber ausdrücken, dass sie es nicht tun“, sagte Løkke Rasmussen am Donnerstag nach einem Krisentreffen mit den anderen Parteivorsitzenden seines Landes. „Wenn man vor Krieg und Auseinandersetzung geflohen ist und nach Dänemark kommt, glaubt man doch, dass man hier ein Land findet, das sicher und ein gutes Land zum Leben ist.“ Von den rund 3200 Personen, die seit Sonntag in Dänemark angekommen seien, hätten nur rund 670 Asyl in Dänemark beantragt, sagte der Ministerpräsident. Die meisten wollten weiter nach Schweden, weil sie dort auf bessere Bedingungen für Asylbewerber hoffen. Weil sie sich in Dänemark nicht registrieren lassen wollten, hatten sich viele tagelang geweigert, aus den Zügen auszusteigen, mit denen sie aus Deutschland gekommen waren. Dänemark versucht mit einer harten Ausländerpolitik, die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren.

          Merkel besucht Flüchtlings-Bundesamt

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag vormittag eine Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und eine Erstaufnahmeeinrichtung in Berlin besucht. Merkel dankte dort Behörden und Helfern für ihren anstrengenden Einsatz bei der Flüchtlingsbetreuung. „Wir werden weiter darüber sprechen, wie wir die Verfahren weiter beschleunigen können“, sagte sie anschließend. Die Bundesamtsmitarbeiter seien angesichts der Antragsfülle unter schwierigen Bedingungen tätig. Sie habe sich aber davon überzeugen können, dass „sehr akkurat gearbeitet und jedes Schicksal ernst genommen wird“. Eine rasche Integration der in Deutschland asylberechtigten Menschen habe Priorität, etwa durch eine möglichst baldige Vermittlung in Arbeit nach Klärung des Aufenthaltsstatus, sagte sie. In der Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge war die Kanzlerin mit Applaus empfangen worden.

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