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Flüchtlingskrise : Österreich stoppt Zugverkehr nach Ungarn

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Später stand ein Besuch der Ferdinand-Freiligrath-Schule im Stadtteil Kreuzberg auf dem Programm, wo Merkel sich mit Schülern einer sogenannten Willkommensklasse traf. Dort würdigte sie das Projekt an Berliner Schulen als Modell für ganz Deutschland. Jedem Neuankömmling sehr schnell einen Platz zu geben, sei ein zukunftsweisendes Konzept. Diese Klassen sind für Flüchtlingskinder gedacht, die noch kein Deutsch sprechen. Merkel zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer. „Wenn jeden Tag 1000 Flüchtlinge nach Berlin kommen, dann ist das eine riesige Herausforderung", sagte sie. Aber sie habe gesehen, dass es lohne, sich um jedes einzelne Kind zu bemühen. „Es gibt so viel Enthusiasmus bei den Kindern, so viel Bereitschaft zu lernen. Wir wollen ihnen eine gute Zukunft geben."

540 Flüchtlinge in Berlin angekommen

In Berlin war am Morgen ein weiterer Sonderzug aus München mit 540 Flüchtlingen eingetroffen. Für ihre Unterbringung seien in der Nacht kurzfristig zwei Sporthallen vorbereitet worden, wie die Sozialverwaltung mitteilte. Demnach könnten je 500 Asylsuchende in der Groß-Sporthalle und der Rudolf-Harbig-Halle im Olympiapark aufgenommen werden. Ein vor wenigen Tagen bezogenes Zeltlager sowie die Gebäude der Spandauer Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne sind mit 1600 Person schon voll belegt.

Warmer Empfang für die Kanzlerin: Angela Merkel am Donnerstag in der Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Berlin-Spandau

Der Senat stellt sich jetzt darauf ein, auch in den nächsten Tagen viele Flüchtlinge aufzunehmen. Die Unterbringung in weiteren öffentlichen  Gebäuden werde intensiv geprüft, hieß es. Der Flughafen Tempelhof wurde mittlerweile wieder von der Liste möglicher Notunterkünfte genommen, da die sanitären Einrichtungen dort nicht ausreichten, wie es hieß. Der Kinderschutzbund rief die Kommunen angesichts der großen Zahl junger Flüchtlinge auf, geplante Schließungen von Schulen und Jugendtreffs erst einmal zu verschieben. Es sei falsch, jetzt an überholten Plänen festzuhalten und Altersheime statt Kindertagesstätten zu bauen, sagte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, am Donnerstag in Berlin.

Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) wies auf den hohen Stellenwert von Bildungsgerechtigkeit in Deutschland hin. Nach derzeitigen Zahlen seien mehr als ein Drittel der Asylsuchenden jünger als 18 Jahre, ein Viertel von ihnenzwischen 18 und 25, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag in der Haushaltsdebatte des Bundestages zum Bildungs- und Forschungsetat. „Da ist es ganz entscheidend, dass man für diese Menschen Bildung und Arbeit ermöglicht.“ Voraussetzung sei, dass sie Deutsch lernten und eine gute Schulbildung erhielten, sagte die Ministerin.

Arbeitsministerin Andrea Nahles kündigte an, die neu zugereisten Flüchtlinge mit 600 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. „Ziel muss es sein, dass die Menschen, die zu uns kommen, zügig in Arbeit kommen“, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag bei der Beratung des Bundeshaushaltes 2016 im Bundestag. Die Sozialkosten zur Hilfe zum Lebensunterhalt bezifferte sie auf ein bis zwei Milliarden Euro, abhängig von der Zahl der Asylanträge, der Anerkennungen und vom Familiennachzug.

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