https://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/nordrhein-westfalen-versucht-den-zustrom-von-fluechtlingen-zu-meistern-13807180.html

Erstaufnahmestelle in Dortmund : Schlimmer geht immer

Langes Warten: Asylbewerber vor der Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund. Bild: Frank Röth

Bevor der „worst case“ zum Regelfall wird: Nordrhein-Westfalen versucht den Zustrom von Flüchtlingen zu meistern. Dabei hat Dortmund zusätzlich die Funktion einer „Drehscheibe“ übernommen, um München zu entlasten.

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          Lange bevor der jüngste, noch einmal verstärkte Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland begann, bekam Murat Sivri eine ziemlich klare Vorstellung von der Größe der Aufgabe. „Was ich hier mache ist Krisenmanagement. Wir bewegen uns in Dimensionen - das ist verrückt“, sagte Sivri schon Anfang August. Sivri ist der Leiter der Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Dortmund. Die EAE im Stadtteil Hacheney hat 300 Regel- und 50 Notplätze. Mehrfach schon musste die Dortmunder Ordnungsdezernentin wegen völliger Überfüllung der EAE einen Aufnahmestopp verhängen. Es sei der „worst case“, der schlimmste Fall, sagte die Dezernentin am 1. Juli, als 870 Leute in der EAE Hacheney übernachtet hatten. Aber sie könne die Verantwortung für die Zustände nicht länger übernehmen. Man habe sich schon beinahe mit der Belegung von 100 Flüchtlingen mehr als genehmigt abgefunden. Jedoch nicht mit 400 mehr, klagte die Dezernentin.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seither kam es in Dortmund-Hacheney noch ein halbes Dutzend Mal zum „schlimmsten Fall“ - die EAE musste vorübergehend für weitere Flüchtlinge geschlossen werden. Im Verlauf des 3. August standen beinahe 1000 Leute in der Glückaufsegenstraße an, um Asyl zu beantragen. Auch Ende August musste die Stadt Dortmund wieder einen Zugangsstopp verhängen. Polizisten sperrten die Zufahrstraße zur EAE Hacheney und drückten neu ankommenden Flüchtlingen Zettel mit den Adressen der anderen nordrhein-westfälischen Erstaufnahmeeinrichtungen in Bad Berleburg, Burbach, Bielefeld und Unna-Massen in die Hand.

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          Das Beispiel Dortmund macht deutlich, wie angespannt die Lage derzeit in Nordrhein-Westfalen ist, das mit 145 000 Flüchtlingen allein in diesem Jahr so viele Flüchtlinge aufgenommen hat wie kein anderes Bundesland. Die Situation der Aufnahme seit „weiter angespannt“, sagt am Mittwoch ein sorgenvoll dreinschauender Innenminister Ralf Jäger (SPD). Eine „wirkliche Atempause“ habe es nach der Wiedereinführung der Grenzkontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze nicht gegeben. Unvermindert nimmt Nordrhein-Westfalen Tag für Tag weitere 3000 Asylsuchende auf. „Es geht nicht mehr lange so weiter“, warnt Jäger. Man brauche nächste Woche beim Flüchtlingsgipfel eine „klare Ansage“ der Kanzlerin, wie diese „nationale Aufgabe gemeinsam zu steuern ist“.

          Nach Grenzschließung : Flüchtlinge strömen weiter nach Österreich und Deutschland

          Dass in Nordrhein-Westfalen Dortmund regelmäßig den größten Zulauf verzeichnet, liegt daran, dass die Stadt seit jeher ein zentraler Ankunftsort für Neuankömmlinge ist. Im Ruhrgebiet leben viele Leute mit ausländischen Wurzeln; oft bekommen Flüchtlinge von Freunden oder Verwandten den Tip, nach Dortmund zu kommen. Zudem ist die EAE in Hacheney besonders gut zu erreichen. Flüchtlinge, die mit dem Zug oder mit Fernbussen am Hauptbahnhof ankommen, können dort direkt die U-Bahn Richtung Hacheney nehmen.

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