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Flüchtlinge in Calais : Weiße Rosen gegen Planierraupen

Im Dschungel: Ein Flüchtling in den Überresten des Lagers von Calais Bild: Reuters

Die britische Organisation „No Borders“ bringt Flüchtlinge in Calais gegen die französische Staatsgewalt auf. Innenminister Cazeneuve spricht von „unverantwortlichen“ und „zynischen“ Aktivisten.

          Die Migrantenkinder halten weiße Rosen in den Händen, sie wollen sie den Polizisten reichen, die das Gelände sichern. Aber die Beamten haben Order, den Blumengruß zu ignorieren. Hinter ihnen machen sich Planierraupen zu schaffen, die geplante Räumung des wilden Flüchtlingslagers in Calais kommt am Montag gut voran. Die Idee mit den Rosen geht auf die Organisation „No Borders“ („Keine Grenzen“) zurück.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Den Aktivisten geht es um die Fernsehbilder, deren Botschaft lauten soll: unschuldige Flüchtlingskinder gegen hartherzige Polizisten. Zweimal haben die „No Borders“-Aktivisten vergangene Woche Migranten aus Iran dazu gebracht, sich mit Bindfäden die Münder zuzunähen und vor die Kameras zu treten. „Stoppt die Polizei!“ und „Wo sind die Menschenrechte?“ stand auf den Plakaten, welche die Männer mit den blutigen Mündern in die Luft hielten.

          Den französischen Behörden sind die Aktionen von „No Borders“ immer mehr ein Ärgernis. Innenminister Bernard Cazeneuve nennt deren Mitglieder „gewalttätige Extremisten“. Sie seien „unverantwortlich“ und „zynisch“, sagte der oberste Ordnungshüter Frankreichs kürzlich in einem Fernsehgespräch. Denn statt den Flüchtlingen und anderen Migranten wirklich zu helfen, seien sie nur darauf aus, diese gegen die Staatsgewalt aufzubringen.

          Cazeneuve ist empört darüber, dass „No Borders“ zu Beginn der Räumungsaktion in Calais Migranten dazu anstachelte, ihre Behelfshütten in Brand zu setzen. Mehrere Behausungen gingen in Flammen auf. „No Borders“-Aktivisten waren es auch, die vergangene Woche mit mehreren Hunderten Migranten eine Straßenblockade organisierten, es flogen Steine und Flaschen auf die Polizisten, einige wurden verletzt.

          Zerstörung der Grenzsicherung als Ziel

          Immer wieder ist es in den vergangenen Monaten in Calais zu solch spektakulären Aktionen gekommen. Mal stürmten annähernd 500 Migranten, die alle nach Großbritannien gelangen wollen, den Eingang zum Eurotunnel, erst nach Stunden gelang es den Einsatzkräften, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Dann wieder schafften es fünfzig Migranten mit Hilfe der No-Borders-Leute, auf ein Fährschiff im Hafen von Calais zu gelangen. Das Schiff konnte erst mit einem halben Tag Verspätung ablegen.

          „Das Projekt von ,No Border‘ besteht darin, die Grenzsicherung zu zerstören. Deshalb wollen sie, dass Calais ein Brennpunkt bleibt“, sagte der Leiter des französischen „Büro für Einwanderung und Integration“ (OFII), Didier Leschi.

          Die neue Strategie der Regierung, den Flüchtlingen anderswo Unterkunftsmöglichkeiten anzubieten, werde von „No Borders“ gezielt konterkariert. Den Flüchtlingen werde eingeredet, die französischen Behörden wollten sie nicht beherbergen, sondern des Landes verweisen. „Unsere Sozialarbeiter im Lager von Calais werden teilweise an der Arbeit gehindert“, sagte Leschi.

          „Bösartige Welt der Grenzen“

          „Unser Ziel ist der Widerstand gegen die Polizeigewalt“, schreiben die „No Bordersaktivisten“ auf einer ihrer Internetseite. Mit der Presse sprechen sie nur ungern. „Dies ist ein Kampf von uns allen, die nicht in eine Zeit der Stacheldrahtzäune und Konzentrationslager, des mörderischen Nationalismus und der autoritären Ausnahmezustände zurückwollen“, heißt es auf der Internetseite weiter.

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