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Flüchtlinge in Calais : Weiße Rosen gegen Planierraupen

Formal bestand das internationale „Netzwerk“ zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre. 1999 war es zu ersten Treffen gleichgesinnter Aktivisten in verschiedenen Städten Europas gekommen. Kleine, zum Teil winzige Gruppen (oft aus der Autonomen-Szene) versuchten dabei ihre Aktivitäten zu bündeln. Viele fanden sich später bei den Protesten gegen Globalisierung in Prag, Göteborg, Seattle und Genua wieder.

„Kampf gegen Ausbeutung und Herrschaft“

Eine eigene Handschrift trugen die „No Borders Camps“, die das Netzwerk an verschiedenen Orten errichtete. Dort trafen sich die Aktivisten für mehrere Tage, manchmal für Wochen, um ihr Vorgehen zu besprechen und zu koordinieren. Derartige „Protestlager“ entstanden unter anderem in Straßburg, Köln, Stockholm, Rotterdam, im bulgarischen Siva Reka, im griechischen Patras und im türkischen Dikili. Dass nicht allen Angaben der Netzwerk-Aktivisten Glauben zu schenken ist, lässt sich daran ablesen, dass es auch ein Camp an der „deutsch-ukrainischen Grenze“ gegeben haben soll.

Auf ihrer Internetseite „noborders.org.uk“ bezeichnet sich das Netzwerk als „antikapitalistische Bewegung“. Grenzen, heißt es dort, seien von den „kapitalistischen Eliten“ geschaffen worden und würden auch nur diesen dienen. Viele in der Bewegung sähen sich als Anarchisten, denen nicht nur eine Welt ohne Grenzen, sondern eine ohne Staaten vorschwebe. „Wir sehen den Kampf gegen Grenzkontrollen als Teil des Kampfes gegen alle Formen von Ausbeutung und Herrschaft, ganz gleich ob es sich um Herrschaft durch Regierungen, Unternehmen oder in Alltagsbeziehungen handelt.“

In britischen Zeitungen und Sendern spielt das „No Borders Network“ kaum eine Rolle. Erst die jüngsten Reaktionen aus Frankreich auf die Aktivitäten in Calais haben das Interesse etwas steigen lassen. In den meisten Berichten werden die Aktivisten als linksradikale Sektierer dargestellt.

Nicht einmal ein Dutzend Aktivisten im Lager

Die konservative Presse erwähnt gelegentlich, dass viele britische Aktivisten Migrationshintergrund haben. Im Februar wurde ein Video aus Calais veröffentlicht, das den aus Pakistan stammenden Aktivisten Syes Bokhari zeigen soll. Über Megafon ermutigte er zum Widerstand gegen die britischen und französischen Ordnungskräfte und empfahl dafür die „palästinensische Taktik“, sich mit Menschenketten zur Wehr zu setzen.

In einem Agenturbericht, den einige britische Zeitungen am Montag abdruckten, wurde gewarnt, die Gruppe zu überschätzen. Die Grenzen zwischen Aktivisten, die im Namen von „No Borders“ in Calais aufträten, und privaten Flüchtlingshelfern seien oft fließend, hieß es in dem Bericht.

Jene, die zu Aktionen gegen die Sicherheitsbehörden aufwiegelten, fänden zwar bei vielen Migranten Gehör. Die Anführer der Migranten würden aber „deren Spiel durchschauen“, wurde ein Flüchtlingshelfer zitiert. Insgesamt, wurde geschätzt, befinde sich derzeit nicht einmal ein Dutzend Aktivisten von „No Borders“ im Lager.

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