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Neues Blog „Hier. Und jetzt?“ : Gerettet. Und jetzt?

Die Reise nach Deutschland haben sie bewältigt - aber was kommt danach? Wir werden einige Flüchtlinge ein Jahr lang auf ihrem Weg in ihrer neuen Heimat begleiten. Bild: FAZ.NET/Oliver Georgi, Wolfgang Eilmes, Denise Peikert, Matthias Lüdecke

Sie sind vor Krieg und Terror nach Deutschland geflohen - und plötzlich wieder ganz auf sich allein gestellt. Wie fühlt man sich in einem fremden Land? Welche Ängste und Hoffnungen haben die Flüchtlinge, wie finden sie Arbeit? In unserem neuen Blog „Hier. Und jetzt?“ werden wir einige von ihnen ein Jahr lang begleiten.

          2 Min.

          Hunderttausende Flüchtlinge kommen nach Deutschland, bis Ende des Jahres wohl anderthalb Millionen Menschen. Sie fliehen vor Krieg und Hunger, Zerstörung und Verfolgung und haben oft nichts mehr als ihre Hoffnung: auf ein besseres, sicheres Leben in Freiheit.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Wer sind die Menschen, die da zu uns kommen? Was haben sie auf ihrer monatelangen, entbehrungsreichen Flucht erlebt? Was lassen sie in den Ländern zurück, die zu gefährlich für sie wurden, aber trotzdem noch ihre Heimat sind? Und, vor allem: Wie fühlt es sich an, dieses neue Leben als Flüchtling in Deutschland mit all seinen Behörden, Vorschriften, Freiheiten und Erwartungen?

          Krieg, Zwangsverheiratung, brutaler  Militärdienst

          Wir wollen aus dem namenlosen Flüchtlingsstrom Menschen machen: In unserem Blogprojekt „Hier. Und jetzt? - Als Flüchtling in Deutschland“ werden wir wir einige von ihnen auf ihrem Weg in ihrer neuen Heimat begleiten - und nicht nur ein einziges Mal über sie berichten, sondern immer wieder einmal, ein ganzes Jahr lang. Wie erleben die Flüchtlinge Deutschland, mit welchen Problemen sind sie bei der Integration konfrontiert? Wie kommt man zurecht, wenn der Rest der Familie noch in einem Kriegsgebiet lebt und man selbst gleichzeitig versuchen muss, in einer völlig fremden Welt zumindest vorübergehend Fuß zu fassen?

          Samsam Hassan, 29, aus Somalia

          So wie Samsam Hassan zum Beispiel: Die 29-Jährige ist aus Somalia geflohen, vor der radikalmuslimischen Al-Shabaab-Miliz und einem Vater, der sie an einen reichen Mann verkaufen wollte und ihr mit dem Tod drohte, wenn sie nicht in die Zwangsheirat einwilligt. Samsan zahlte Tausende Dollar für obskure Schlepper, die sie über Äthiopien, die Türkei, Griechenland und die Schweiz nach Deutschland brachten. Seit einem guten Jahr lebt sie jetzt in Bad Soden - und fragt sich jeden Tag: Wird sie ihre kranke Mutter noch einmal wiedersehen?

          Masoom Gharibyar, 28, aus Afghanistan

          Oder der junge Afghane Masoom Gharibyar. Als er noch zuhause bei Kundus lebte, arbeitete der 28-Jährige als Übersetzer für die Bundeswehr und machte sich so zur Zielscheibe für die Taliban. Er sah Kameraden sterben, entging selbst nur knapp mehreren Anschlägen, bis ihn die Bundeswehr in ein Flugzeug nach Frankfurt setzte, um ihn zu schützen. Jetzt lebt er am Main zwar in Sicherheit - doch auch nach anderthalb Jahren ist sein Leben trotzdem noch eine gewaltige Baustelle.

          Mehret Teklekaimanot Kidane, 30, aus Eritrea

          Auch Mehret Teklekaimanot Kidane hat alles hinter sich gelassen: Die 30-Jährige kommt aus Eritrea und floh, als sie mit 18 Jahren den Einberufungsbescheid zum Militärdienst erhielt. Er ist brutal, ein Entkommen nicht möglich, für die meisten dauert der Dienst ein Leben lang. Wer flieht, riskiert Lagerhaft, Folter, den Tod. Mehret zahlte Tausende Dollar an Schlepper, lebte länger im Sudan, in einem Lager in Libyen, bis sie es schließlich mit dem Boot nach Italien schaffte. Seit einem Jahr lebt sie jetzt in Bad Soden - ihr größter Wunsch: ein ruhiges Leben in Deutschland.

          Ayham Alshaabi, 22, aus Syrien

          Ayham Alshaabi, 22, stammt aus Syrien. Er hat in Damaskus Wirtschaft studiert, die letzten Jahre vor seiner Flucht aber in der Türkei verbracht. Als er sich schließlich für die Flucht nach Deutschland entschied, hoffte er darauf, dauerhaft im Land bleiben zu können. Seit dem vergangenem Jahr ist Ayham jetzt hier - doch sein Asylantrag wurde abgelehnt, weil er in Ungarn per Fingerabdruck registriert worden ist. Er geht aber gegen den Bescheid vor.

          Wer es als Flüchtling nach Deutschland geschafft hat, dem ist kaum noch etwas geblieben außer dem eigenen Leben und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ob sie aus Afghanistan, Eritrea, Somalia oder Syrien kommen: Das ist ihre Geschichte.

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