https://www.faz.net/-gpf-8bsz2

Eine Insel für Flüchtlinge? : Phantasterei eines ägyptischen Milliardärs

Freund großer Projekte: Der Ägypter Naguib Sawiris posiert vor dem neuen Suezkanal. Bild: Bloomberg

Naguib Sawiris ist einer der reichsten Männer Ägyptens. „Politiker haben keine Phantasie“, findet er – und will jetzt griechische Inseln kaufen, um dort Flüchtlinge aus Syrien anzusiedeln.

          Auf einmal kommt er auf die Muslimbrüder zu sprechen, und dann kommt er richtig in Fahrt. Naguib Sawiris stützt den Ellenbogen auf den imposanten Schreibtisch und sagt, den Zeigefinger ausgestreckt: „Ich habe mir noch nie etwas in den Kopf gesetzt, das ich nicht erreicht habe. Das ist mir noch nicht passiert.“ Sie hätten ihn alle ausgelacht, auch seine Familie, als er sagte, man würde die Islamisten jetzt von der Macht vertreiben.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Aber Naguib Sawiris, einer der reichsten Männer Ägyptens, behielt recht. Er macht keinen Hehl daraus, dass er am Sturz des aus den Reihen der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Muhammad Mursi kräftig mitgearbeitet hat. Mursi wurde nach Massenprotesten 2013 vom gegenwärtigen Militärmachthaber Abd al Fattah al Sisi abgesetzt. „Die Muslimbrüder hätten ein Lehrbuch schreiben können: Wie man alles binnen kürzester Zeit ruiniert“, sagt er und lacht spöttisch.

          Naguib Sawiris hat mehrere solcher Anfangs-haben-sie-noch-gelacht-Geschichten zu erzählen, zum Beispiel über den Aufbau seines internationalen Mobilfunkkonzerns. Er ist ein Mann, der in großen Kategorien denkt und dem Selbstzweifel fremd sind. Egal, was er vorhat. Seine Familie ist die reichste im Land, sein Privatvermögen wird auf etwa drei Milliarden Dollar geschätzt. Zu seinem Imperium gehören neben dem Mobilfunkkonzern mehrere Fernsehsender und eine Zeitung. Aus dem sechsundzwanzigsten Stock eines Büroturms am Nil blickt er auf die in grauen Morgendunst getauchte Hauptstadt.

          „Politiker haben keine Phantasie“

          Jetzt hat sich Naguib Sawiris in den Kopf gesetzt, einen Teil seines Vermögens zu nutzen, um Mittelmeerinseln zu kaufen: Er will dort syrische Flüchtlinge ansiedeln.

          „Wir haben 23 Inseln gefunden und sind im Kontakt mit ihren Eigentümern“, sagt Sawiris. Zwanzig- bis dreißigtausend Leute könne man pro Insel ansiedeln. „Das ist doch eine gute Sache.“ Es handelt sich ausschließlich um griechische Inseln, wie der Großindustrielle, der einst die Deutsche Evangelische Oberschule in Kairo besuchte, erklärt. In Italien gehörten sie ja alle dem Staat. Auch den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hat Sawiris in der Angelegenheit schon getroffen. „Ich habe einfach den Besitzern der Inseln gesagt: Wenn ihr verkaufen wollt, dann besorgt mir einen Termin“, sagt er und lacht wieder. Über das Treffen selbst will er nichts preisgeben. Nur so viel: Das Projekt ist noch nicht vom Tisch.

          Aber Probleme gibt es natürlich zuhauf. Der Tatmensch Sawiris ist gewohnt, dass es läuft, wenn er will. Jetzt sei er fast etwas verzweifelt, sagt er, vor allem wegen der westlichen Politiker. Die EU und auch das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hätten kaum Interesse gezeigt. Das ärgert ihn. „Wenn es am Ende nicht klappt, wird eine politische Entscheidung der Grund dafür sein“, sagt Sawiris und klingt fast ein wenig gekränkt, als er hinzufügt: „Politiker haben keine Phantasie. Sie glauben: Der Herr da macht einen Witz oder ist nicht seriös.“ Aber Naguib Sawiris meint es ernst. Und in seiner Welt sind die Dinge auch ganz einfach.

          In Ägypten hätte er ein paar Strippen ziehen können

          „Wenn jemand Ingenieur ist, dann hilft er uns beim Bau, wenn jemand Arzt ist, wird er in einem Krankenhaus arbeiten, das ich baue, Lehrer werden in den neuen Schulen unterrichten, Köche in den neuen Restaurants arbeiten“, sagt Sawiris. Die Flüchtlinge sollen den Aufbau des Inselreiches mitübernehmen. „Wir bauen ein neues Land“, sagt Sawiris. Die griechische Wirtschaft könne daran auch kräftig verdienen. Wer werde denn die Logistik übernehmen, woher kämen wohl die Bauunternehmen?

          „Und wenn der Krieg irgendwann vorbei ist, dann hat man eine fertig entwickelte Touristendestination.“ Das noch immer von der Wirtschaftskrise gebeutelte Europa würde entlastet. Für Griechenland wäre es eine „goldene Gelegenheit“. Die Griechen könnten Europa zeigen, dass sie etwas tun, um ihre Wirtschaftsprobleme zu lösen.

          Doch Sawiris kann sein Inselreich nicht ohne die Genehmigung der Regierung in Athen errichten. „Ich brauche griechische Grenzer und Zöllner“, sagt er.

          Weitere Themen

          Maduro will vorgezogene Neuwahlen Video-Seite öffnen

          Machtkampf in Venezuela : Maduro will vorgezogene Neuwahlen

          Venezuelas Präsident Nicolas Maduro hat sich für vorgezogene Parlamentswahlen ausgesprochen. Sie könnten eine Entscheidung herbei führen im Machtkampf zwischen dem Präsidenten und Herausforderer Juan Guaidó.

          Topmeldungen

          Theresa May am Dienstag

          May für neues Referendum : Zwei Köder für die Labour Party

          Mit neuen Vorschlägen versucht die britische Premierministerin May, die Abgeordneten der Labour Party, die das EU-Austrittsabkommen bislang abgelehnt haben, umzustimmen. Kann das gelingen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.