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Flüchtlingskrise : Amnesty warnt vor „lebensgefährlichem Chaos“ in Ungarn

  • Aktualisiert am

Flüchtlingsandrang in Ungarn: Die Menschenrechtsorganisation fürchtet nach der Wiedereinführung deutscher Grenzkontrollen ein „lebensgefährliches Chaos“ in Ungarn. Bild: dpa

Die Wiedereinführung der deutschen Grenzkontrollen hat Folgen: Menschenrechtler befürchten nun in Ungarn eine Katastrophe. An den Grenzen in Österreich bilden sich kilometerlange Staus. Derweil fordert Papst Franziskus Europa auf, alle Flüchtlinge aufzunehmen.

          Nach der Wiedereinführung von Grenzkontrollen warnt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International vor fatalen Folgen. „Flüchtlinge in Ungarn drohen im lebensgefährlichen Chaos zu versinken“, hieß es am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung der deutschen und der österreichischen Sektion von Amnesty. Es sei das Gebot der Stunde, ein gemeinsames Hilfsangebot an Ungarn zu richten und das Land bei der Erstaufnahme von Schutzsuchenden zu unterstützen.

          Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr österreichischer Amtskollege Werner Faymann dürften ihre „Menschenrechte zuerst“-Haltung nicht durch überfallartige Grenzschließungen oder Bahnsperren infrage stellen, forderten beide Organisationen.

          „Gleichzeitig muss durch eine geordnete und zügige Weiterfahrt die humanitäre Notsituation in Ungarn entschärft und eine menschenrechtskonforme Aufnahme von Flüchtlingen in anderen EU-Ländern ermöglicht werden.“ Die EU-Mitgliedsstaaten müssten mit Nachdruck auf Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán einwirken, um in der Flüchtlingsfrage gemeinsam vorzugehen.

          Staus an Österreichs Grenzen

          Unterdessen haben sich kurz nach der Wiederaufnahme der deutschen Kontrollen an der Grenze zu Österreich eine Reihe von Staus gebildet. Auf der Autobahn A3 vom österreichischen Linz nach Passau in Bayern kam es wegen der Grenzkontrollen in der Nacht zum Montag zu einem acht Kilometer langen Stau, wie der Verkehrsdienst des Bayerischen Rundfunks meldete. Auch auf der A 8 von Salzburg nach München kam es demnach beim Grenzübergang Bad Reichenhall zu einem Stau. Staus bildeten sich auch auf Bundesstraßen im Grenzgebiet.

          An der Grenze zwischen Österreich und Deutschland bilden sich vielerorts kilometerlange Staus.

          An der deutsch-österreichischen Grenze hatten am Sonntagabend die Grenzkontrollen begonnen. Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mitgeteilt, dass Deutschland wegen des großen Flüchtlingsandrangs über Österreich vorübergehend wieder Grenzkontrollen einführe. Der Bahnverkehr zwischen beiden Ländern wurde am Sonntag vorerst eingestellt.

          Papst: Alle Flüchtlinge aufnehmen

          Derweil hat Papst Franziskus die Länder Europas zur Aufnahme aller Flüchtlinge aufgerufen. „Wenn ein Flüchtling eintrifft, und alle Sicherheitsmaßnahmen sind gegeben, dann ist es klar, dass man ihm Zuflucht gewähren muss, weil das ein Gebot der Bibel ist“, sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche dem portugiesischen Radiosender Renascença, der das ganze Gespräch am Sonntagabend auf seiner Internetseite veröffentlichte.

          Die aktuelle Flüchtlingskrise sei „nur die Spitze des Eisbergs“, meinte der Papst. Ursache des Problems sei „ein schlechtes und ungerechtes sozioökonomisches System“. Das herrschende System stelle den „Gott des Geldes, und nicht mehr den Menschen, in den Mittelpunkt.“ Daher müsse man die Ursachen des Problems bekämpfen. „Wo die Ursachen im Hunger liegen, muss man Arbeit schaffen und Investitionen tätigen. Dort, wo die Ursache der Krieg ist, muss man Frieden schaffen, für ihn arbeiten.“

          „Europa muss Führungsrolle einnehmen“

          Papst Franziskus sagte, er habe Vertrauen in die junge Politiker-Generation. Er hob unter anderem das „weltweite Problem der Korruption“ hervor, das die Menschen enttäusche, und meinte, Europa müsse aufgrund seiner Kultur im „Konzert der Nationen wieder eine Führungsrolle einnehmen“.

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