https://www.faz.net/-gpf-8ggly

Flüchtlingsheim angezündet : Brandstifter von Meißen zu Haftstrafe verurteilt

  • Aktualisiert am

Gespielte Reue: Dass die Angeklagten ihre Tat bedauern, nahm ihnen die Richterin nicht ab – während den Löscharbeiten hatten sich die Brandstifter gefilmt und rassistische Sprüche gesungen. Bild: dpa

Die zwei Familienväter, die eine Meißner Flüchtlingsunterkunft angezündet haben, sind zu Haftstrafen von je drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Ihre Entschuldigung nahm ihnen die Richterin nicht ab.

          1 Min.

          Wegen eines Brandanschlags auf eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft in Meißen sind zwei Männer zu Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Dresden verhängte jeweils Haftstrafen von drei Jahren und acht Monaten - und sprach die 38 und 41 Jahre alten Familienväter am Donnerstag wegen vorsätzlicher Brandstiftung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs schuldig.

          Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die Männer in der Nacht zum 28. Juni 2015 Feuer in einem noch unbewohnten, aber schon voll eingerichteten Mehrfamilienhaus legten. Damit hätten sie den Einzug von Asylbewerbern in der Nachbarschaft verhindern wollen, hieß es.

          Unauffällige Bürger aus geordneten familiären Verhältnissen

          Die Kammer wertete das ausländerfeindliche Motiv der Männer als strafverschärfend. Die Vorsitzende Richterin nannte Tat und Verfahren „bedrückend“ und „erschreckend“. „Sie sind nicht irgendwelche Kriminelle, sondern normale Bürger, die in geordneten familiären Verhältnissen leben, Wohnung, Arbeit und Kinder haben“, sagte sie.

          Zum Prozessauftakt am Dienstag hatten die beiden Männer ihre Taten gestanden und Reue gezeigt. Dass die Beschuldigten nach dem Vorfall bedrückt gewesen seien, nahm die Kammer ihnen allerdings nicht ab: Sie hätten sich in der Brandnacht mit anderen gefilmt, während im Hintergrund die Löscharbeiten liefen - und dabei gesungen: „Einer geht noch, ein Asylant geht noch rein.“

          Beide Männer hatten berichtet, dass am Tatabend bei einer Grillparty über Asylpolitik diskutiert und reichlich Alkohol getrunken worden sei. Nach Auffassung des Gerichts waren die Männer dadurch zwar enthemmt, aber nicht in ihrer Einsichtsfähigkeit beeinträchtigt. Sie hätten sich absichtlich unauffällige Kleidung angezogen und Benzin aus einem Moped in eine Weinflasche als Brandbeschleuniger abgezapft.

          Nachdem ein erster Versuch scheiterte, holten die Brandstifter abermals ein Benzin-Öl-Gemisch, übergossen die Matratzen in einer Wohnung in der ersten Etage und zündeten sie an. Die Wohnung brannte komplett aus. Der Sachschaden am Haus belief sich auf mehr als 200.000 Euro.

          Weil der Brand wegen des schnellen Eingreifens der Feuerwehr nicht auf die beiden angrenzenden und bewohnten Mehrfamilienhäuser übergriff, wurden die Männer laut Gericht der vorsätzlichen und nicht der schweren Brandstiftung schuldig gesprochen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

          Weitere Themen

          Bundestag beschließt Corona-Notbremse Video-Seite öffnen

          Ausganssperren und mehr : Bundestag beschließt Corona-Notbremse

          Der Bundestag hat eine bundeseinheitliche Notbremse zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen. Das Gesetz sieht unter anderem nächtliche Ausgangssperren vor. In Kraft treten könnte es kommende Woche.

          Wo gibt es die beste Pizza in Frankfurt?

          Pizzatest : Wo gibt es die beste Pizza in Frankfurt?

          Laut Bewertungsportalen gibt es in Frankfurt fast 300 Pizzerien. Auf der Suche nach der besten Pizza verlassen wir uns aber nicht auf anonyme Noten, sondern lieber auf den Geschmack unserer Redaktion – und den unserer Leser.

          Topmeldungen

          Einheitliche Regeln : Bundestag stimmt Corona-Notbremse zu

          Ausgangsbeschränkungen ab einer Inzidenz von 100, Schulschließungen ab 165 und einheitliche Regeln für den Einzelhandel: Die „Bundesnotbremse“ ist beschlossen. 8000 Menschen demonstrieren nahe der Abstimmung gegen die Corona-Maßnahmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.