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München : Wie Flüchtlinge anderen Flüchtlingen helfen

  • -Aktualisiert am

Zwei, die selbst vor dem Bürgerkrieg geflüchtet sind - und nun anderen helfen: Omar und Omar am Münchner Hauptbahnhof Bild: Jonas Jansen

Vor drei Monaten waren sie selbst noch in Syrien. Heute helfen sie freiwillig anderen Geflohenen, die in Deutschland ankommen. Die Geschichte von Omar und Omar.

          Omar Sheikh Alsagha hatte einst in der syrischen Hauptstadt Damaskus als stellvertretender Manager bei dem Bekleidungsgeschäft „Jack&Jones“ gearbeitet. Wenn er sich für seine Zukunft in Deutschland etwas wünschen könnte, sagt er, dass er am liebsten wieder bei dem Unternehmen anfangen würde. Da kennt er die Abläufe und seine Arbeit hat ihm Spaß gemacht. Damit das klappt, fährt er vier Mal in der Woche von dem Auffanglager in der bayrischen Gemeinde Kissing die zehn Minuten mit dem Zug nach Augsburg, um dort zur Schule zu gehen und deutsch zu lernen.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Seit drei Monaten hat Alsagha seine Familie nicht mehr gesehen. Die lebt noch in Syrien, er ist zunächst alleine vor dem Bürgerkrieg geflohen. Wann er seine Familie wieder trifft, weiß er nicht, er legt dann nur leicht den Kopf schief und zuckt mit den Schultern. Was bleibt ihm übrig, als zu warten?

          „Möchte nun etwas zurückgeben“

          Doch dann kam der Moment, wo ihm klar wurde, dass er mehr tun kann, als lediglich zu warten: Er kann anderen helfen, die in Not sind und Hilfe brauchen. Deshalb hat er sich freiwillig gemeldet und sich als Übersetzer am Münchner Hauptbahnhof angeboten. In den Zelten des Medizinischen Hilfswerks erklärt Alsagha den ankommenden Flüchtlingen auf Arabisch, warum sie nun untersucht werden und wie die nächsten Schritte aussehen könnten. „Die Menschen brauchen Hilfe, ich habe Hilfe bekommen und möchte nun etwas zurückgeben“, sagt Alsagha.

          Omar Al Masalmah trägt einen weißen Schutzanzug über seiner weißen Arbeitskleidung. Der schüchterne junge Mann, 20 Jahre alt, läuft die ganze Zeit zwischen den Zelten und der Bahnhofshalle hin und her, begleitet von Polizisten, die Flüchtlingsfamilien zur Untersuchung bringen. Vorhin war auch er noch in der Schule, er wohnt gemeinsam mit Alsagha in der Flüchtlingsunterkunft in Kissing. In Syrien hat er Elektrotechnik studiert, sein Studium möchte er unbedingt wieder aufnehmen in Deutschland, sagt Al Masalmah. Deshalb büffelt er besonders hart, um so schnell wie möglich Deutsch zu lernen.

          Die beiden Omars sind gut ausgebildet, sprechen fließend Englisch und wollen helfen, weshalb sie für die Notärzte und Polizisten in dem Auffanglager Gold wert sind. Außerdem wissen sie leibhaftig und aus eigener Erfahrung, was die Flüchtlinge durchgemacht haben in den vergangenen Wochen, schließlich sind sie selbst erst vor drei Monaten aus Syrien nach München gekommen. Omar Al Masalah hat 21 Tage auf der Flucht verbracht, die meiste Zeit, so scheint es ihm im Rückblick, ist er zu Fuß gegangen. Manchmal musste er auch schwimmen. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn ging seine Route. Seine Familie aus der südsyrischen Stadt Daraa vermisse er jeden Tag, sagt Al Masalah. Er hofft, dass auch sie irgendwann in einem der Züge in Deutschland ankommen. Solange wird er immer wiederkommen und mithelfen - wenn ihn die bayerischen Behörden ihn lassen.

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