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Mittelmeer-Route : Libyen wehrt sich gegen Rückführung von Flüchtlingen

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge auf einem italienischen Marineschiff Bild: dpa

Österreichs Außenminister will Flüchtlingsboote im Mittelmeer zum Umkehren zwingen. Libyens Regierungschef hält dagegen: „Wir werden nicht akzeptieren, dass die EU Migranten zu uns zurückschickt.“

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          Libyen wird nach Aussage seines Ministerpräsidenten Fajis al-Sarradsch keine Flüchtlinge aus Europa zurücknehmen. „Wir werden nicht akzeptieren, dass die EU Migranten zu uns zurückschickt“, sagte der Chef der neuen libyschen Einheitsregierung der „Welt am Sonntag“. „Europa muss Wege finden, sie in ihre Heimatländer zurückzubringen. Sie können nicht bei uns leben.“

          Über das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land kamen allein im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Menschen nach Europa. Zwar ebbt der Zustrom leicht ab – die libysche Regierung stabilisiert sich, den Schleppern mangelt es an Schiffen und das Wissen über die Todesfalle Mittelmeer breitet sich aus – doch immer wieder brechen Flüchtlinge in teilweise schrottreifen Booten von der libyschen Küste in Richtung Italien auf. In dem nordafrikanischen Land halten sich nach unterschiedlichen Angaben bis zu eine Million Flüchtlinge und Migranten auf.

          Österreich verweist auf australisches Modell

          Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz schlägt vor, Flüchtlinge mit dem Ziel Europa im Mittelmeer abzufangen und in ihre Heimat zurückzuschicken oder auf Inseln festzuhalten. Die EU könne sich „Teile des australischen Modells“ als Vorbild nehmen, sagte Kurz in einem Interview mit der Zeitung „Presse am Sonntag“. Die australische Marine weist systematisch Boote mit Flüchtlingen ab. Flüchtlinge, die dennoch an Land gelangen, werden in Internierungslagern auf kleinen Inseln im Indischen oder Pazifischen Ozean untergebracht.

          Die Rettung aus Seenot im Mittelmeer, wie es zuletzt für hunderte Menschen vor der libyschen Küste der Fall war, dürfe kein „Ticket nach Mitteleuropa“ sein, sagte Kurz. Australien habe es geschafft, „dass keine illegalen Migranten mehr kommen und auch keiner mehr ertrinkt“, sagte der Außenminister. Er räumte ein, dass das Modell für Europa „nicht eins zu eins kopierbar“ sei. „Aber die Grundprinzipien sind auch für Europa anwendbar.“ Das System der EU führe derzeit dazu, „dass tausende Menschen im Mittelmeer ertrinken, weil sie sich Hoffnungen machen und auf diese gefährliche Reise begeben“.

          Sollte ein konsequentes Abfangen nicht gelingen, sollen die aus dem Mittelmeer geretteten Menschen in „Asylzentren“ untergebracht werden, "idealerweise auf einer Insel", schlug Kurz vor. Von dort müsse ihre Rückkehr organisiert und finanziell unterstützt werden.

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