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Mittelmeer : Flüchtlinge berichten von Bootsunglück mit Hunderten Toten

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Ein sinkendes Flüchtlingsboot vor Sizilien Ende Mai Bild: dpa

Im Mittelmeer sind in den vergangenen Tagen möglicherweise deutlich mehr Flüchtlinge ertrunken als bisher bekannt. Überlebende sprechen übereinstimmend vom Untergang eines Schiffs mit 400 Passagieren.

          Im Mittelmeer sind in der vergangenen Woche nach Berichten von Flüchtlingen möglicherweise deutlich mehr Menschen ertrunken als bislang bekannt. Nach Angaben der Hilfsorganisation „Save the Children“ vom Samstag berichteten gerettete Flüchtlinge in Italien, dass neben den drei bislang bekanntgewordenen Unglücken mit Flüchtlingsbooten ein weiteres Boot mit rund 400 Menschen an Bord untergegangen sei. Das Boot habe im Schlepptau eines größeren Schiffes den Hafen von Sabratha in Libyen am späten Mittwoch verlassen, berichtete die Hilfsorganisation unter Berufung auf Interviews mit geretteten Flüchtlingen von anderen Schiffen.

          Das Boot habe Wasser aufgenommen und sei gesunken, nachdem der Kapitän des größeren Schiffs die Kappung der Schleppleine angeordnet habe. „Wir haben die Zeugenaussagen mehrerer Geretteter aufgenommen. Sie berichten alle dasselbe“, sagte „Save the Children“-Sprecherin Giovanna Di Benedetto.

          Im Verlauf der Woche sind nach Angaben der italienischen Küstenwache und der Vereinten Nationen rund 14.000 Migranten im Mittelmeer gerettet worden. Allein am Freitag seien bei 17 von der Küstenwache koordinierten Einsätzen 2000 Menschen von den Rettungskräften aufgenommen worden. Wie viele in den vergangenen Tagen beim Versuch, in zumeist einfachen Booten von Afrika nach Europa zu gelangen, ertranken, ist nicht klar. Die Marine teilte mit, allein in der Nähe eines halbgesunkenen Gummiboots seien 45 Leichen aus dem Meer gezogen worden. Insgesamt starben nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration in diesem Jahr bislang 1475 Menschen auf hoher See.

          Bei einem Treffen mit Flüchtlingskindern, deren Eltern bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind, gedachte Papst Franziskus der Opfer der Flüchtlingskatastrophen. Franziskus zeigte eine orangefarbene Rettungsweste, die ein im Meer ertrunkenes Mädchen getragen hatte. Ein Helfer hatte sie ihm vor wenigen Tagen bei einer Generalaudienz gegeben und geweint, weil er das Kind nicht retten konnte. „Er gab mir diese Rettungsweste und sagte weinend: „Vater, ich habe versagt. Da war dieses Mädchen, in den Wellen, aber ich konnte es nicht retten. Alles, was geblieben ist, ist seine Rettungsweste“, berichtete Franziskus den Kindern. Er forderte sie auf, an das namenlose Mädchen zu denken: „Jeder von euch soll ihr den Namen geben, den er will. Sie ist im Himmel und wacht über uns.“

          Die Kinder ließen dutzende weiße Luftballons für die Opfer der Flüchtlingsunglücke aufsteigen. Der nigerianische Jugendliche Siander bat den Papst „für meine Familie zu beten, die jetzt im Himmel ist, und für meine Freunde, die im Wasser gestorben und nun auch im Himmel sind“.

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