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Mazedonien : Flüchtlinge greifen Polizisten an

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Mazedonische Soldaten errichten an der Grenze zu Griechenland einen Metallzaun. Nicht mehr alle Flüchtlinge können ins Land kommen. Die Abgewiesenen wollen das nicht akzeptieren. Einige werden gewalttätig.

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          Beim Bau eines Grenzzauns an der mazedonischen Grenze ist es wohl zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. Nach Angaben mazedonischer Medien in Skopje, die sich auf das mazedonische Innenministerium berufen haben abgewiesene Migranten Polizisten mit Steinen angegriffen, weil sie ihnen die Einreise aus Griechenland verwehrt hatten. Daraufhin habe die mazedonische Polizei die Angreifer unter Einsatz von Tränengas zurückgedrängt. Dabei sind am Samstag wohl 18 Polizisten verletzt worden – die Zahl der verletzten Flüchtlinge ist noch unbekannt.

          Anlass für den Zusammenstoß war offenbar, dass sich ein Flüchtling bei dem Versuch, auf einen Zug zu klettern, einen Stromschlag und schwere Verbrennungen zugezogen hatte. Einem Fotografen zufolge griff daraufhin eine wütende Menge die mazedonische Polizisten an, die mit Gasgranaten feuerten. Erst vor zwei Tagen hatten Hunderte Migranten versucht, einen Stacheldrahtzaun einzureißen. Einige warfen Steine auf die Grenzpolizisten, während andere riefen: „Wir wollen nach Deutschland.“

          Mazedonien hat am Samstag mit dem Bau eines Grenzzauns zum südlichen Nachbarn Griechenland begonnen. Damit sollen die Flüchtlingsströme aus dem Nachbarland besser gesteuert werden. „Wir möchten betonen, dass die Grenze offen bleibt“, sagte ein Regierungssprecher. Der Zaun solle die Menschen zu den Kontrollpunkten lenken, um sie zu registrieren und zu versorgen.

          Nach Ungarn und Slowenien ist Mazedonien das dritte Land auf der Balkanroute, das den Ansturm von Flüchtlingen und Migranten auf diese Weise eindämmen will.

          Die Lage wird noch schlimmer

          Schon seit Tagen hatte die mazedonische Polizei nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak durchgelassen. Als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnete Menschen wurden abgewiesen. Tausende Blockierte hatten mit zum Teil spektakulären Aktionen versucht, ihre Durchreise zu erzwingen. Sie hatten sich auf Eisenbahnschienen gelegt und damit den Verkehr vorübergehend blockiert. Einige hatten sich die Münder zugenäht oder einen Hungerstreik begonnen.

          Flüchtlingskrise : Mazedonien riegelt die Grenze zu Griechenland ab

          Der Bürgermeister der griechischen Grenzstadt Idomeni, Christos Gountenoudis, äußerte sich besorgt über den Bau des Zauns. Die Situation sei ohnehin gefährlich und werde damit noch schlimmer, sagte er einer griechischen Nachrichtenagentur.

          „Tausende Menschen kommen hier an, sie schlafen im Regen und in der Kälte in Zelten“, sagte Gountenoudis. „Es muss bereits in Athen eine Überprüfung der Flüchtlinge stattfinden, damit hier an der Grenze nur legitime Flüchtlinge und keine Wirtschaftsmigranten ankommen.“

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