https://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/lageso-in-berlin-der-hochmut-der-helfer-14039668.html

Lageso in Berlin : Der Hochmut der Helfer

  • -Aktualisiert am

Vor dem Eingang des Lageso standen nach dem vermeintlichen Tod eines Flüchtlings schon Kerzen. Bild: dpa

Kritik am Berliner Lageso geht vielen leicht von den Lippen. Doch nach der ungeprüften Verbreitung einer Falschmeldung über einen toten Flüchtling dauert es lange, bis die Protagonisten eigene Fehler zugeben.

          4 Min.

          „Wir haben keinen toten Flüchtling.“ Das teilte am Mittwochabend die Polizei mit. Zweifel an dem Bericht, den die Bürgerinitiative „Moabit hilft“ am Mittwochmorgen – offenbar ungeprüft – von einem der Helfer übernommen und veröffentlicht hatte, waren im Laufe des Tages lauter geworden. Die Polizei hatte lange vergeblich das Gespräch mit dem Mann gesucht, auf dessen dramatische Facebook-Einträge die Geschichte zurückging. Diana Henniges, Sprecherin von „Moabit hilft“ und längst auch Mitarbeiterin der Caritas, die das Management des Platzes vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) übernommen hat, hatte dem Urheber der schlimmen Nachricht ein gutes Leumundszeugnis ausgestellt.

          Der Mann hat offenbar tatsächlich häufiger Flüchtlinge bei sich zu Hause übernachten lassen. Nachdem seine Nachricht über den toten Syrer die Runde gemacht und viele Menschen sich vergeblich um eine Bestätigung bemüht hatten, löschte er seine Facebook-Phantasie, ließ das Telefon läuten und niemanden in die Wohnung – bis er am Ende doch mit der Polizei sprach.

          Der Mann, so die Polizei, sei zunächst „abgetaucht“, habe dann aber zugegeben, dass seine Geschichte vom Syrer, dem das Anstehen vor dem Lageso den Tod gebracht habe, frei erfunden war. Er habe über seine Motive gesprochen, sagte ein Polizeisprecher am Abend im Sender RBB, doch werde man dazu nichts sagen. Eine Straftat habe er nicht begangen. Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Falschmeldung über den am Lageso gestorbenen Flüchtling sei „eine der miesesten und perfidesten Aktionen, die ich jemals erlebt habe“.

          Eine Sprecherin von „Moabit hilft“ wies am Mittwoch darauf hin, man habe schon im Oktober davor gewarnt, es könne vor dem Lageso Tote geben. Auch die Caritas hatte damals erklärt: „Wir können nicht mehr ausschließen, dass Menschen sterben.“ Wer im Sommer gedacht hatte, die chaotischen Zustände vor dem Lageso wären rasch zu ordnen, sah sich getäuscht: Der ehemalige Polizeipräsident Dieter Glietsch wurde Staatssekretär für Flüchtlingsfragen. Ihm halfen drei Mitarbeiter der Beratungsfirma McKinsey, Schwachstellen im Verwaltungsablauf zu entdecken und künftig zu vermeiden. Einer von ihnen wird das Lageso, das zu einem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten werden soll, kommissarisch leiten. Doch noch immer klappt vieles nicht so, wie es sich ehrenamtliche Helfer, Verwaltungsmitarbeiter und Politiker vorstellen.

          Nach Falschmeldung : „Moabit Hilft“ gibt Fehler zu

          Keine Ehre und kein Amt

          Je weiter man vom Lageso entfernt ist, desto unbefangener spricht es sich vom „Staatsversagen“ und vom andauernden „Skandal“. Doch ist es eine durchaus nicht leicht zu beantwortende Frage, ob die Situation vor dem Lageso als Katastrophe oder als andauernde Herausforderung für Freiwillige und Hauptamtliche anzusehen ist, die nicht leicht und schnell zu bewältigen ist. Die Helfer, aus deren Kreis in der Nacht zum Mittwoch die frei erfundene Geschichte publiziert wurde, sind oft und hoch gelobte Mitarbeiter. Ohne ihre Arbeit, das wissen und rühmen Politiker, wird der großen Zahl von Flüchtlingen nicht zu Unterkunft und Integration zu verhelfen sein.

          Weitere Themen

          CDU sieht sich im Aufwind Video-Seite öffnen

          Nach NRW-Wahl : CDU sieht sich im Aufwind

          Er stellte sich am Montag gerne den Fragen der Journalisten. Hendrik Wüst und die CDU gehen aus der Landtagswahl in NRW klar als stärkste Kraft hervor.

          Topmeldungen

          Glückwünsche vom Parteivorsitzenden: der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Wahlsieger Hendrik Wüst (Mitte) zusammen mit Friedrich Merz und Silvia Breher im Konrad-Adenauer-Haus

          Nach der Landtagswahl in NRW : Koalition der Sieger?

          Die CDU hat in Düsseldorf gefeiert, bis das Ordnungsamt kam, bei der FDP herrscht auch ohne Party Katerstimmung. Königsmacher sind die Grünen. Das wird nun wichtig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage