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Lager in Calais : Der Flüchtlingsdschungel wird geräumt

Ein Lager als Schandfleck für Frankreich: Ein Flüchtling im „Dschungel“ von Calais Bild: AFP

Das Verwaltungsgericht in Lille gibt der Regierung in Paris freie Bahn: Der südliche Teil des Flüchtlingslagers von Calais darf geräumt werden. Die Flüchtlinge sollen aber zum Bleiben in Frankreich überredet werden.

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          Während etliche Länder Europas derzeit die Flüchtlinge einfach zum nächsten Nachbarstaat durchwinken, versucht Frankreich, Tausende von Migranten zum Bleiben zu überreden. Hintergrund ist allerdings kein plötzlicher Umschwung zu einer „französischen Willkommenskultur“ in Anlehnung an das deutsche Beispiel.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Regierung in Paris will das Zeltlager am Rande der Hafenstadt Calais teilweise räumen - nachdem nach eintägiger Verzögerung das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille die Räumungspläne gebilligt hat. 

          Das Lager ist ein Schandfleck für Frankreich. Nicht nur, weil die Menschen dort in unwürdigen Zuständen leben, sondern auch, weil die meisten von ihnen unbedingt nach Großbritannien wollen und manche dafür sogar ihr Leben riskieren. Nach dem Wunsch der Regierung soll ein Großteil der Menschen im „Dschungel“, so der Name der notdürftigen Zeltstadt, auf mehr als hundert Flüchtlingszentren in ganz Frankreich umverteilt werden.

          Verteilung über das ganze Land

          Geplant ist, zunächst den südlichen Teil des Lagers zu räumen, wo die Menschen in ärmlichen Zelten auf matschigem Untergrund hausen und mit wachsender Kriminalität konfrontiert sind. Manche sollen in die beheizten Container umziehen, welche die Behörden vor einigen Monaten im nördlichen Teil zu errichten begannen, sowie in einen nahe gelegenen Gebäudekomplex, der schon länger für die Flüchtlinge genutzt wird. Doch diese Unterkünfte reichen bei weitem nicht aus, daher die Verteilung über das ganze Land.

          Die Flüchtlingstransporte, die nun verstärkt werden sollen, sind schon eine Weile im Gang: Im vergangenen Jahr hatte die Regierung dafür kurzzeitig private Flugzeuge gechartert, doch nach öffentlichen Protesten ist sie zum Bustransport zurückgekehrt. Zwischen Oktober 2015 und Mitte Februar 2016 sind nach einem Bericht des Innenministeriums fast 2700 Flüchtlinge in verschiedene Zentren in Frankreich gebracht worden.

          Dabei handelt es sich meistens um leer stehende Ferienheime, Gebäude für Wohltätigkeitseinrichtungen oder um ehemalige Militäranlagen. 41 Prozent der umverteilten Flüchtlinge kommen aus Sudan, 18 Prozent aus Afghanistan, 15 Prozent aus dem Irak. Aus Syrien wurden nur 44 oder 1,6 Prozent der Flüchtlinge verlegt.

          Den Flüchtlingsumzug will die Regierung so entspannt wie möglich gestalten. Es gehe darum, den Hilfsbedürftigen Schutz zu bieten, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Montag: „Dabei gehen wir schrittweise vor; der Dialog, die Überzeugung und die Information der Flüchtlinge haben Vorrang.“

          Zusätzliche Beamte der auf Konfrontationen spezialisierten Polizeieinheit CRS hat er erst einmal nicht nach Calais geschickt. Die Spannungen sind freilich weiterhin groß. Anwohner klagen über die Konzentration der Flüchtlinge vor ihrer Haustür, und die Flüchtlinge sind frustriert, weil die Chancen, am Eingang zum Eurotunnel auf einen Lastwagen oder Zug aufzuspringen, wegen der verschärften Sicherheitsvorkehrungen stark gesunken sind. Die Hilfsorganisationen wiederum werfen der Regierung überstürztes Vorgehen vor.

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