https://www.faz.net/-gpf-8dxfo

Lager in Calais : Der Flüchtlingsdschungel wird geräumt

Verwaltungsgericht entscheidet über Räumungsplan

Nachdem der Präfekt des Departements Pas-de-Calais die Migranten im südlichen Teil des Dschungels am vergangenen Freitag dazu aufrief, das Lager bis spätestens Dienstag dieser Woche um 20 Uhr zu verlassen, zogen die Organisationen vor den Kadi. Zehn von ihnen sowie 250 Flüchtlinge beantragten vor einem Verwaltungsgericht in Lille eine einstweilige Verfügung. Daraufhin stapfte am Dienstag die Verwaltungsrichterin Valérie Quemener anderthalb Stunden lang durch das Dschungelcamp, um sich ein Bild zu machen. Von ihrer Entscheidung wird abhängen, ob die Regierung ihren Räumungsplan sofort oder erst mit Verzögerung umsetzen kann. Am Dienstag erbat sich die Richterin erstmal mehr Bedenkzeit bis Mittwoch oder Donnerstag.

Die verantwortlichen Politiker in Paris wirken jetzt auf jeden Fall entschlossen, den um die Welt gehenden Bildern vom Matschlager die Grundlage zu entziehen. Freilich ist es vor allem der örtliche Widerstand, der die Regierung zum Handeln zwingt. Der Regionalpräsident Xavier Bertrand von der bürgerlich-konservativen Oppositionspartei „Die Republikaner“ erhöhte ebenso den Druck wie Anwohner und das humanitäre Milieu. Die Regierung ließ sich viel Zeit. Noch im November musste das Verwaltungsgericht Lille die Behörden dazu verurteilen, endlich die sanitären Anlagen auszubauen.

Unbenanntes Dokument

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

Wie viele Menschen von der Umzugsaktion betroffen sein werden, weiß heute niemand. Es besteht schon keine Einigkeit darüber, wie viele Flüchtlinge überhaupt im Dschungel leben. Die Präfektur meint, 800 bis 1000 Personen müssten im südlichen Teil demnächst ihre Zelte und Bretterbuden verlassen, die Hilfsorganisationen sprechen dagegen von rund 3400.

„Wir sind auch gegen den Slum am Rand von Calais, doch wir wollen einen wohlüberlegten Plan, keine Eile und vor allem keinen Zwang“, sagt Vincent Deconinck von der Organisation „Secours catholique“. Auf jeden Fall brauchen die Behörden jetzt viel Überzeugungskraft, um die Migranten von ihren Fluchtplänen nach Großbritannien abzubringen und zu einem Asylantrag in Frankreich zu bewegen. Die Aufnahme einiger Flüchtlinge in der Provinz fernab von Calais verlaufe indes „überwiegend gut“, berichtete am Dienstag der „Figaro“.

Die Tageszeitung hat in einer Reihe von kleineren Kommunen recherchiert, von denen allerdings keine mehr als 87 Flüchtlinge aufzunehmen hatte. In nicht wenigen Gemeinden gibt es weiterhin heftigen Widerstand, gerade dort, wo der rechtspopulistische Front National (FN) viel Unterstützung findet. Der dem FN nahestehende Bürgermeister von Beziers, Robert Ménard, nennt die vielen jungen Männer aus Syrien beispielsweise „Deserteure“, die besser zu Hause für ihr Land kämpfen sollten.

Premierminister Manuel Valls sagte kürzlich, dass Frankreich über zwei Jahre lang nicht mehr als die 30 000 Flüchtlinge aufnehmen wolle, die seinem Land im vergangenen Jahr im Rahmen des europäischen Umverteilungskontingents von 160.000 Menschen zugeteilt worden waren. Bis Ende Januar sind davon genau 62 Flüchtlinge angekommen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

Europa League im Liveticker : 2:1 – Frankfurt dreht das Spiel

Guimarães geht gegen die Eintracht mit einem umstrittenen Tor in Führung, dann aber profitieren die Frankfurter erst von einem Patzer, ehe sie ein zweites Mal treffen. Wer setzt sich am Ende durch? Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.
Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.