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Griechenland : Zehntausende Flüchtlinge sitzen in Südosteuropa fest

  • Aktualisiert am

Flüchtling in Griechenland nahe Athen Bild: dpa

Ohne Strom und fließend Wasser: Für viele Flüchtlinge in Griechenland spitzt sich die Lage dramatisch zu. Eine Hilfsorganisation spricht von „katastrophalen“ Zuständen.

          Ein Jahr nach dem stärksten Anstieg der Flüchtlingszahlen ist die Lage der Asylsuchenden in Südosteuropa weiter verheerend. Nach der Schließung der Balkanroute säßen allein in Griechenland 57.000 Menschen fest, sagte der Flüchtlingshilfekoordinator der Diakonie Katastrophenhilfe für die Region, Markus Koth, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die Situation für die Flüchtlinge sei „häufig schlecht, manchmal sogar katastrophal“. Die Organisation „Save the Children“ warnte vor Zuständen wie im vergangenen Jahr.

          Die griechischen Inseln seien mit geschätzt 10.000 Flüchtlingen jetzt schon überfordert, ihre Aufnahmekapazität liege bei rund 8000, sagte Koth. Viele Flüchtlinge seien in Zeltlagern ohne Strom und fließendes Wasser untergebracht und Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Laut „Save the Children“ spitzt sich die Lage in Griechenland derzeit dramatisch zu. Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge habe sich dort in einem Monat mehr als verdoppelt, erklärte die Organisation in Berlin. Die Lager seien erneut überfüllt, die Lage in den Camps sei angespannt – auch weil Grundversorgungseinrichtungen wie Toiletten und Duschen überfüllt seien. Kinder seien großen Gefahren ausgesetzt.

          „Aus Opferrolle herauskommen und Schicksal selbst bestimmen“

          „Die Situation ist fast wieder so wie zu Beginn der Krise“, sagte Katie Dimmer, eine in Griechenland tätige Mitarbeiterin der Organisation. Der Unterschied zum vergangenen Sommer sei allerdings, dass die Menschen nun nicht mehr weiterreisen könnten.

          Flüchtlingshilfekoordinator Koth sagte, vordringlich für die Flüchtlingsarbeit sei die Bereitstellung von gutem und sicherem Wohnraum. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die Menschen „aus ihrer Opferrolle herauskommen und ihr Schicksal selbst bestimmen“. Insbesondere allein reisende Frauen und Kinder müssten sicher untergebracht werden. Die Diakonie Katastrophenhilfe, die am Donnerstag in Berlin ihre Jahresbilanz zieht, unterhalte entsprechende Projekte für festsitzende und neu ankommende Flüchtlinge.

          Koth berichtete aus eigener Anschauung auch über die Lage im serbischen Horgos an der Grenze zu Ungarn. Dort lebten derzeit etwa 450 Flüchtlinge unter schwierigsten Bedingungen in Zelten und in aus Ästen zusammengezimmerten Notunterkünften mit Planen. Die ungarischen Behörden ließen dort täglich 15 Menschen über die Grenze. Anfang Juli war in Ungarn ein Gesetz in Kraft getreten, das Grenzbeamte ermächtigt, Migranten und Asylsuchende, die weniger als acht Kilometer von der Grenze entfernt auf ungarischem Territorium aufgegriffen werden, nach Serbien zurückzuschicken.

          Neue Einrichtungen für Flüchtlinge in Griechenland

          Griechenland baut nach Angaben aus Regierungskreisen wegen der Überfüllung in den Flüchtlingsunterkünften zahlreiche neue Einrichtungen. Diese sollten je 1000 Menschen aufnehmen und hochwertiger und dauerhafter als die bestehenden sein, sagte der Insider am Mittwoch. Parallel dazu sollten Asylanträge schneller bearbeitet werden.

          Nach Regierungsangaben sind auf fünf griechischen Inseln im Moment mehr als 10.700 Flüchtlinge in Einrichtungen untergebracht, die eigentlich nur für 7450 gedacht waren. „Wir haben viele Probleme auf den Inseln“, sagte der Insider. Unter den Menschen wachse die Ernüchterung.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon besucht ein Flüchtlingslager auf Lesbos im Juni

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