https://www.faz.net/-gpf-87r7x

Kritik aus Ungarn : „Es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben“

  • Aktualisiert am

„Wir sollten jetzt alle Kraft darauf verwenden, die richtigen Entschlüsse zu fassen, um die Flüchtlinge unterzubringen und rasch zu integrieren“, forderte Fahimi. Auch die Grünen-Vorsitzende Simone Peter kritisierte die Äußerungen aus der CSU und warf den Christsozialen eine „kalte Abschottungs-Rhetorik“ vor. Die CSU spiele „den Rambo und setzt weiter auf Abgrenzung und Schikanen“, sagte Peter.

Deutsche Behörden befürchten Überforderung

Auch in der Nacht zum Samstag sind am Münchner Hauptbahnhof wieder Tausende Flüchtlinge mit dem Zug angekommen. Alleine am Freitag seien bis Mitternacht 5.900 Flüchtlinge aus Ungarn über Österreich eingereist, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Erwartet hatten die Behörden bis zu 10.000 Asylsuchende. Zwischen 0 und 7 Uhr seien es nochmals 1.650 Asylsuchende gewesen. Die Sprecherin der Regierung von Oberbayern, Simone Hilgers, sagte, die „Balkan-Route ist nach wie vor so frequentiert wie nie zuvor“. Die Behörden erwarten bis zu 20.000 neu ankommende Flüchtlinge in München nur an diesem Wochenende.

Freitagnachmittag um 15 Uhr hatte die Zahl der neu angekommenen Flüchtlinge noch bei 3.200 Personen gelegen. „Morgens ist seit einigen Tagen immer ruhiger, abends steigen die Zahlen dann immens“, sagte der Bundespolizei-Sprecher. Insgesamt habe man in den vergangenen Tagen eher eine rückläufige Tendenz bei den Zugangszahlen bemerkt, erläuterte er.

Eine Prognose, wie viele Menschen am Wochenende in München ankommen, könne man nicht abgeben. Die Behörden wüssten immer erst rund vier Stunden im Voraus, wie viele Flüchtlinge auf dem Weg seien - also sobald die Züge in Wien oder Salzburg losfahren.

Derzeit stehen Hilgers zufolge 5.200 Notquartierplätze in der bayerischen Landeshauptstadt zur Verfügung: „Das sind Plätze, die für maximal eine Nacht ausgelegt sind - länger darf dort keiner bleiben.“ Weil diese Kapazitäten vermutlich aber noch immer zu gering sind, baue man diese kontinuierlich weiter aus.

Gleichzeitig würden die Flüchtlinge „mit Hochdruck auf ganz Bayern und auf andere Bundesländer verteilt“, damit die Notkapazitäten den wieder neu ankommenden Asylsuchenden zur Verfügung gestellt werden können.

Unterdessen reagierte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verärgert über die Weigerung anderer Großstädte, sich ebenfalls als Verteilzentrum für die über die Balkan-Route ankommenden Flüchtlinge anzubieten. Die Bahn hatte erklärt, Sonderzüge mit Flüchtlingen überall hinleiten zu können.

Seit vergangenen Samstag sind insgesamt über 43.000 Flüchtlinge am Hauptbahnhof angekommen - mehr als der Freistaat Bayern im ganzen Jahr 2014 aufgenommen hat.

Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

In Berlin traf am Freitagabend ein Sonderzug mit mehr als 500 Flüchtlingen am Regionalbahnhof Flughafen Schönefeld ein. Der Zug kam direkt aus Salzburg, von Schönefeld aus sollten die Flüchtlinge mit Bussen direkt in neue Unterkünfte am Olympiapark gebracht werden, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit.

Derweil machten sich abermals Flüchtlinge von Deutschland aus auf den Weg nach Schweden. Mehr als 300 von ihnen gingen am Freitag an Bord von Fähren im Seehafen Rostock.

„Die Männer, Frauen und Kinder wurden von vielen Helfern betreut“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Samstagmorgen. Das Ziel der Menschen sei zunächst Trelleborg im Süden Schwedens. Etliche Flüchtlinge blieben im Terminal des Rostocker Hafens zurück. „Sie haben schon Tickets, warten aber noch auf Angehörige, die sie auf der Flucht aus den Augen verloren haben“, so der Sprecher.

Weitere Themen

Topmeldungen

Reges Treiben in der Londoner U-Bahn

Staatshilfen benötigt : Londons U-Bahn in Not

Die Londoner „Tube“ leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie. Die schon vorher defizitäre Verkehrsgesellschaft TfL braucht Staatshilfe in Milliardenhöhe.
Auf dieses Bild werden die Frankfurter in diesem Jahr verzichten müssen: Der Weihnachtsmarkt am Römer (Archivbild von 2015)

Höchststand an Neuinfektionen : Frankfurt sagt Weihnachtsmarkt ab

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt ist endgültig abgesagt. Das hat Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) nach einer Sondersitzung des Verwaltungsstabs am Samstag bestätigt. Zudem beschließt die Stadt weitere Einschränkungen.
Ein Adelssitz im Zwielicht: die Burg Hohenzollern bei Hechingen in Baden-Württemberg

Entschädigungsansprüche : Das Recht der Hohenzollern

Der Ton in der Debatte wird schärfer: Im Streit um die Entschädigungsansprüche der Hohenzollern werden Politik und Verwaltung von Kammerjägern unter Druck gesetzt. Ein Gastbeitrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.