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Flüchtlingskrise : Gehet hin und lehret alle Völker

„Den Weg zu ihrem Retter Jesus Christus“: Taufe von 24 muslimischen Flüchtlingen in der Dreieinigkeitskirche Bild: Julia Zimmermann

Wer sich als Flüchtling christlich taufen lässt, hat bessere Aussichten auf Asyl. Oft aber ist das nicht der Grund, warum viele Muslime konvertieren.

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          Vor fünf Jahren saß Pastor Gottfried Martens bei seinen Bibelstunden noch einer Handvoll älterer Herrschaften gegenüber. Wegen der geringen Mitgliederzahl gab es nur einen Gottesdienst pro Woche, ansonsten stand die Kirche leer. Inzwischen aber ist die Dreieinigkeitskirche im Berliner Stadtteil Steglitz vermutlich die am schnellsten wachsende Gemeinde Deutschlands. Zu den älteren Herrschaften sind inzwischen 850 Persisch-sprachige Konvertiten hinzugekommen. Weitere 350 Anwärter befinden sich derzeit in einem der viermonatigen Kurse zur Vorbereitung auf die Taufe. Fast alle Mitglieder und Taufwilligen sind Flüchtlinge, größtenteils aus Iran und in geringerem Maße aus Afghanistan, geboren und aufgewachsen als Muslime. Sie sind erst seit einigen Monaten oder wenigen Jahren in Deutschland, mehrheitlich leben sie noch in Migrantenunterkünften.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          An einem Mittwoch haben sich in der schlichten Steglitzer Kirche rund 200 Taufschüler versammelt, die Holzbänke sind fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sind vor allem junge Männer und eine Handvoll Frauen. Viele tragen zum Zeichen ihrer Gläubigkeit einen Kreuzanhänger an einer Kette oder einem Armband. Sie lauschen den Worten von Pastor Martens, der zwischen den Bänken auf- und abschreitet, gefolgt von einem Übersetzer, der jeden seiner Sätze in persischer Sprache wiederholt. „Es gibt einige unter euch, die sich bei der Taufe zwischen Gott und ihren Eltern entscheiden müssen“, sagt Martens. In seinen Erklärungen über die zehn Gebote bemüht sich der Pfarrer, Bezüge zur Lebenswelt der Taufschüler herzustellen. Er spricht scherzhaft von „haram“ und erklärt, dass es trotz der großen Bedeutung von Träumen in der persischen Kultur fragwürdig sei, wenn einem Jesus Christus im Traum erscheine und etwas anvertraue, was mit der Bibel nicht vereinbar sei. Ab und zu wirft er augenzwinkernd ein: „Das ist eine typische Frage, wie sie auch in der Taufprüfung vorkommen kann.“

          Protestreligion gegen das Diktat des islamistischen Regimes

          Wie kann es sein, dass Hunderte Iraner und Dutzende Afghanen allein im Großraum Berlin plötzlich ihre Liebe zum Christentum entdecken? Die Vermutung liegt nah, dass manche von ihnen die Hoffnung treibt, ihre Chancen auf Asyl zu verbessern. Doch wer sich mit den Taufschülern in Steglitz unterhält, merkt schnell, dass diese Erklärung zu kurz greift – und dass die Grenze zwischen Opportunisten und Erweckten nicht so leicht zu ziehen ist. Das, was sich da in Steglitz vollzieht, wirft zudem Fragen an die Kirchen in Deutschland auf. Über ihr Verhältnis zum Islam und zum biblischen Missionsbefehl.

          Vor dem schmucklosen Büro von Pastor Martens hat sich eine Traube von jungen Leuten gebildet, die den Geistlichen unbedingt sprechen wollen. Martens begrüßt sie mit Handschlag, Umarmung oder persischen Begrüßungsformeln. Manche brauchen seine Unterschrift, um aus ihren Brandenburger Unterkünften nach Berlin kommen zu dürfen. Andere wollen Termine, um ihre Taufprüfung abzulegen. Doch bis zum späten Abend ist der Pastor voll beschäftigt. Nachts, so sagt er, bekomme er derzeit häufig nur noch vier Stunden Schlaf. „Kommt mal so um neun heute Abend“, sagt Martens in einer Mischung aus Deutsch und Persisch. Eigentlich hat er um die Zeit noch eine Mitarbeitersitzung.

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