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Geschlossene Balkanroute : Kinder im matschigen Niemandsland

Im Niemandsland: Flüchtlingskinder an der mazedonisch-serbischen Grenze Bild: AP

Im Grenzstreifen zwischen Mazedonien und Serbien sind 400 Syrer und Afghanen gestrandet, die Hälfte davon Kinder. Sie dürfen nicht einmal in das überfüllte Flüchtlingslager zurück.

          2 Min.

          Für die gestrandeten Flüchtlinge an der mazedonisch-serbischen Grenze spitzt sich die Lage zu. Seit die so genannte Balkanroute geschlossen ist, sitzen etwa 1500 Menschen in einem völlig überfüllten Lager am Bahnhof der Ortschaft Tabanovce rund 50 Kilometer nordöstlich der mazedonischen Hauptstadt Skopje fest. Besonders heikel ist die Lage für etwa 470 Syrer und Afghanen, die im Niemandsland zwischen den beiden Staaten ausharren.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          „Sie kommen nicht vor noch zurück. Die Hälfte davon sind Kinder, etwa 30 sind noch nicht einmal zwei Jahre alt“, sagte eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Mazedonien zu FAZ.NET. „Die Leute leben seit drei Tagen im Matsch. Es ist kalt und nass, da muss dringend etwas geschehen.“ In Tabanovce regnet es derzeit, die Temperaturen betragen zwischen 3 und 8 Grad.

          Seit Tagen bemühen sich das UNHCR und andere Organisationen darum, dass die Flüchtlinge entweder nach Serbien einreisen oder ins Lager Tabanovce zurückkehren dürfen. Möglicherweise bahnt sich demnächst eine Lösung an, doch war das zuständige mazedonische Zentrum zur Krisenbewältigung (CMC) am Donnerstag für keine Stellungnahme zu erreichen. „Die Lage wird kritisch, gerade für die Kleinkinder. Wir müssen verhindern, dass sie eine weitere Nacht da draußen auf dem Feld verbringen“, sagte die UNHCR-Sprecherin.

          Seit Tagen müssen die Flüchtlinge bei Temperaturen knapp über null Grad ausharren. Bilderstrecke

          Eigentlich ist das Lager Tabanovce nur eine Durchgangsstation, wo Flüchtlinge aus Gevgelija an der Grenze zum griechischen Idomeni mit dem Zug ankommen. In Tabanovce rasten sie kurz, um dann zu Fuß in das serbische Dorf Miratovac zu gelangen. Von dort wurden sie bisher mit Bussen in eine Aufnahmeeinrichtung im benachbarten Presevo gebracht. Doch seit die nördlich gelegenen Länder Österreich, Slowenien und Kroatien die Ein- und Durchreise erschweren, lassen auch die Serben immer weniger Flüchtlinge ins Land.

          Seit etwa drei Wochen warten deshalb Hunderte in Tabanovce auf die Weiterfahrt. Sie wollen nicht zurück nach Griechenland, bisher hat Mazedonien keine Anstalten gemacht, sie dorthin abzuschieben. Vor drei Tagen, als die Balkanroute für vollständig geschlossen erklärt wurde, kam der letzte Zug mit weiteren 437 Personen aus Gevgelija in Tabanovce an. Diese Gruppe schlug sich selbständig über die Felder bis zum serbischen Schlagbaum durch, wurde dort aber zurückgewiesen. Auf dem Rückweg ließen sie auch die mazedonischen Sicherheitskräfte nicht passieren, heißt es vom UNHCR.

          Am Mittwoch entschieden sich noch einmal 35 Personen aus dem Lager, den Übertritt zu wagen. Auch sie hängen jetzt zwischen den Grenzen fest. Die Helfer dürfen sie von Tabanovce aus versorgen, mit Lebensmitteln, Getränken, Decken, Kleidung, Medikamenten. Aber die unbeheizten Camping-Zelte bieten nach UNHCR-Angaben keinen ausreichenden Schutz gegen die Witterung.

          Aus dem Lager selbst ist von freiwilligen Helfern zu erfahren, dass sich einige Personen ganz bewusst im Niemandsland aufhielten und dort Zelte aufgeschlagen hätten. „Aus Auflehnung und als Protest gegen die Grenzpolitik“, wie es heißt.

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