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Aufruf gegen Populisten : Kirchen erschrocken über Radikalisierung

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In Sorge um Deutschland: Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, Karl Kardinal Lehmann und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Bild: dpa

Der Siegeszug für populistische Parteien in Deutschland und Europa alarmiert die drei größten Kirchen. Führende Vertreter der Katholischen, Evangelischen und Orthodoxen Kirche warnen vor wachsender Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.

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          Führende Vertreter der Kirchen in Deutschland zeigen sich entsetzt und erschrocken über eine Radikalisierung in Teilen des Landes. Zudem prangern sie eine Verrohung der Sprache und des Denkens an, „die auch den Weg zur Gewalt gegen Fremde in unserer Gesellschaft ebneten“, hieß es am Donnerstag in einem Gemeinsamen Wort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Augoustinos.

          Die Repräsentanten äußerten sich besorgt über den wachsenden Zuspruch, den Populisten in Deutschland und Europa erführen, und warnten vor einem Rückzug in nationales Denken. Sie riefen zur Solidarität mit notleidenden Menschen auf, die vor Gewalt und Perspektivlosigkeit nach Deutschland geflohen seien: „Begegnen wir ihnen mit Offenheit - im Geiste der Nächstenliebe!“

          Marx, Bedford-Strohm und Augoustinos weisen auf das große Engagement der ehrenamtlichen Flüchtlings-Helfer hin. „Je mehr sich die Menschen begegnen, umso weniger bleibt Platz für Vorurteile, Hass und Ablehnung“, erklärten die drei Geistlichen. Die Hilfsbereitschaft von Vielen mache Mut für die Aufgaben des Landes. „Deutschland ist eine starke und menschliche Gesellschaft.“

          Mit dem Gemeinsamen Wort laden die Kirchenvertreter zur 41. Interkulturellen Woche ein, die unter dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ steht. Dazu stellen sie fest: „Der Herausforderung durch die Not der Flüchtlinge können und dürfen wir nicht ausweichen.“

          Es sei gefährlich, wenn man sich von Sorgen, Ängsten und Bedenken gefangen nehmen lasse. Es gebe keine einfachen und schnellen Lösungen. Klar sei jedoch, jedem Schutzsuchenden „Zugang zu einem individuellen, fairen und unvoreingenommenen Verfahren“ zu bieten, unabhängig wie viele oder woher die Schutzsuchenden kämen.

          Die 41. Interkulturelle Woche findet vom 25. September bis 1. Oktober 2016 statt. Deutschlandweit sind den Angaben zufolge mehr als 5.000 Veranstaltungen an über 500 Orten geplant.

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