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Flüchtlingskrise : „Christliche Kultur verschwindet? Wie kleingläubig ist das denn?“

Trauen wir unserem eigenen Glauben so wenig zu, dass wir befürchten müssen, bei fünfzig Millionen Christen könnte durch ein, zwei oder drei Millionen mehr Muslime in Deutschland die christliche Kultur verschwinden? Wie kleingläubig ist das denn?!

Die Wahlergebnisse in vielen europäischen Ländern zeigen, dass radikale Parteien Zulauf haben wegen des Unbehagens über muslimische Zuwanderung.

Deshalb dürfen wir den radikalen Parteien nicht das Feld überlassen. Das ist doch das Merkwürdige: Hier wird für die vermeintliche Verteidigung des christlichen Abendlandes eine durch und durch defensive Kulisse aufgebaut, bei der das Entscheidende in den Hintergrund tritt: nämlich was für eine wunderbare Botschaft uns Christen geschenkt ist! Tragen wir doch selbst dazu bei, dass die Kraft des christlichen Glaubens wieder sichtbarer wird. Ich kann nur jeden einladen, sich wieder neu zu interessieren für die Kirchengemeinde, in die Gottesdienste zu gehen, die Bibel wieder mehr zu lesen und das, was man zu verlieren befürchtet, selbst wieder neu zu entdecken.

Was trägt die evangelische Kirche zur Bewältigung der Flüchtlingskrise bei?

Der unbezahlbare Schatz sind die vielen ehrenamtlichen Helfer. Davon gibt es allein in der evangelischen Kirche mehr als 120 000. Die Landeskirchen stellen zusätzlich 85 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereit. Davon bezahlen die Kirchen unter anderem hauptamtliche Koordinatoren, die dafür sorgen sollen, dass unsere Ehrenamtlichen auch da hinkommen, wo Hilfe gebraucht wird. Und wir stellen Unterkünfte zur Verfügung. Allein im Kirchenkreis München und Oberbayern haben evangelische Gemeinden und diakonische Einrichtungen Unterkünfte für mehr als tausend Menschen angeboten.

Wie stehen Sie zur AfD? Was ist die Partei nach dem Austritt von Bernd Lucke für Sie: rechtskonservativ, rechtspopulistisch oder rechtsradikal?

Ich bin mit solchen Etiketten vorsichtig. Ich gebrauche den Begriff „rechtspopulistisch“ dann, wenn nationale Kategorien verabsolutiert werden. Wenn zum Beispiel der Universalismus der Menschenrechte nicht mehr ernst genommen wird. Bei der AfD habe ich das Gefühl, dass die Partei erst noch klären muss, was sie eigentlich will. Da gibt es sehr unterschiedliche Stimmen. Klar kritisiert habe ich, dass aus Demonstrationen der AfD heraus rechtsradikale Parolen gerufen werden. Es ist nun an der AfD, ihr Verhältnis zu solchen Kräften zu klären.

Bild: Simon Schwartz

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihre Kritik bekommen?

Wenn man über Rechtsradikalismus oder Rechtspopulismus spricht, kommen deutlich mehr Briefe aus diesem Spektrum an.

Es gab auch heftige Reaktionen im Internet.

Im Hinblick auf die Reaktionen muss man differenzieren. Über Ängste muss man ja reden können, ohne gleich als rechtsradikal verdächtigt zu werden. Aber damit hat vieles in den sozialen Netzwerken ja nichts mehr zu tun. Das ist blanke Hetze, Herabwürdigung von Menschen. Die Hemmschwelle scheint zu sinken. Das macht mir Sorgen. Denn die Kommentarkultur im Internet kann ein Vorbote dessen sein, was später als salonfähig gilt. Aber es ist für mein Empfinden derzeit noch eine begrenzte Zahl von Leuten, die sich dort organisiert, äußert und durch die Drastik ihrer Worte und die hohe Frequenz ihrer Beiträge sehr viel Wind von sich macht.

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