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Flüchtlinge in Slowenien : Ein Ort für eine kleine Pause

  • -Aktualisiert am

Weiter in Richtung Norden: Der Bus bringt die Flüchtlinge aus dem Transitzentrum in Dobova zum Bahnhof, wo sie den Zug nach Österreich nehmen. Bild: AP

Viele Flüchtlinge kommen nach Slowenien, aber keiner will bleiben. Seit Mitte Oktober haben fast 310.000 Migranten das kleine Land erreicht – die Durchschleusung Richtung Deutschland geht nun sehr rasch und professionell.

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          Der erste Zug aus Zagreb kommt um zehn Uhr vormittags in Dobova an. Schon bevor er einfährt, weiß Hussein Rasheed, was ihn und seine Mitarbeiter vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) erwartet. „Blindes Mädchen in Waggon 8“ avisierte ihm sein Kollege in Kroatien über sein Smartphone; außerdem sei eine „große Tasche mit syrischem Reisepass“ gefunden worden.

          Das Mädchen braucht besondere Betreuung, der Eigentümer von Pass und Tasche muss unter Hunderten Migranten ausfindig gemacht werden, die bereits in einem der geheizten Zelte des Transitzentrums auf die Registrierung durch die slowenische Polizei warten. Da ist es hilfreich, dass Fotos von der Tasche und dem Pass der Vorausmeldung beigefügt wurden. Ohne Pass hätte der Mann wenig Chancen auf eine rasche Weiterreise.

          Die kleine südslowenische Ortschaft Dobova in der Ebene zwischen der Save im Westen und dem slowenisch-kroatischen Grenzfluss Sotla (kroatisch: Sutla) im Osten hat 700 Einwohner, und sie empfängt Tag für Tag mindestens zwei- bis dreimal so viele Transitgäste aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Dobova ist die erste slowenische Bahnstation auf der Strecke Zagreb–Laibach (Ljubljana).

          Seit Ungarn am 16. Oktober die Grenze zu Kroatien mit einem Zaun abriegelte, ist die kleine Ortschaft die Engstelle auf der Balkanroute. Fast alle der etwa 310.000 Migranten, die Slowenien seither passierten, reisten hier in den Schengen-Raum ein.

          Keiner will in Slowenien bleiben

          Hussein Rasheed, ein junger Kurde aus dem Nordirak, leitet das kleine UNHCR-Team im neuen Transitzentrum. Es liegt außerhalb der Ortschaft auf einem Feld entlang der Landstraße, die zwei Kilometer weiter die Sotla überquert. Das Feld wurde asphaltiert, auf festem und regensicherem Fundament stehen ein Dutzend geheizter Großraumzelte, um die Migranten aufzunehmen, die mit Bussen vom Bahnhof abgeholt werden. Sie sind von der langen Reise durch Mazedonien, Serbien und Kroatien erschöpft.

          Im Transitzentrum erhalten sie Wasser und bekommen zu essen, sie können sich dort waschen, es gibt Toiletten. Das Rote Kreuz, die Caritas und freiwillige Helfer halten Kleidung und Decken für sie bereit, außerdem Babywindeln und Hygieneartikel. Wenn sie im Transitzentrum eintreffen, werden sie von Rasheed über Megafon auf Arabisch begrüßt und erhalten ein Informationsblatt mit den wichtigsten Antworten auf ihre mutmaßlichen Fragen. „Ruhen Sie sich aus, es kann eine Weile dauern, bevor Sie weiterreisen können“, steht auf dem Blatt.

          An erster Stelle steht die Frage, die die meisten Migranten am allerwenigsten interessieren dürfte: „Kann ich um Asyl/internationalen Schutz in Slowenien ansuchen?“. „Ja, jederzeit“, lautet die Antwort. Aber das will keiner, alle wollen so rasch wie möglich weiter nach Deutschland. Aus der Sicht der Flüchtlinge brauchbarer sind die Angaben über die nächsten Maßnahmen, denen sie sich zu unterziehen haben. „Sie werden zuerst von der Polizei im Aufnahmezentrum registriert. Im Registrierungsverfahren wird die Polizei Ihren Namen, Ihr Geburtsdatum und Ihre Staatsangehörigkeit aufnehmen. Sie kann auch ein Foto von Ihnen machen und Ihre Fingerabdrücke abnehmen.“

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