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Polizei-Razzia in 24 Städten : Großeinsatz gegen internationale Schleuserbande

  • -Aktualisiert am

Großeinsatz in drei Bundesländern: Maskierte Beamte der Bundespolizei an diesem Mittwochmorgen in Essen Bild: dpa

Die Bundespolizei ist am Mittwochmorgen mit einer Großrazzia gegen mutmaßliche Schleuser vorgegangen. Kopf der Bande soll ein Libanese aus Essen sein.

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          Bei einem umfangreichen Polizeieinsatz gegen international organisierte Schleuserbanden in Essen, Gelsenkirchen, Hildesheim und an 21 weiteren Orten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg sind am Mittwochmorgen zwei Personen festgenommen worden. Insgesamt stehen 17 Beschuldigte im Verdacht, vornehmlich libanesische und syrische Staatsangehörige illegal nach Deutschland geschleust zu haben. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim, die die Ermittlungen führt, wirft ihnen gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern und Urkundenfälschung vor. Ein Mann wurde in Hildesheim festgenommen. Den Hauptbeschuldigten nahm die Polizei in Essen fest, wo auch der Schwerpunkt des Einsatzes lag. Dort wurde eine Straße im Stadtteil Altenessen während des Einsatzes komplett gesperrt.

          Reiner Burger
          (reb.), Politik

          An dem Einsatz waren zwei Staatsanwälte und 571 Beamte der Bundespolizei beteiligt, die durch Beamte der nordrhein-westfälischen Polizei unterstützt wurden. Weil einige der Beschuldigten vorab als besonders gefährlich eingeschätzt wurden, waren auch Spezialeinsatzkräfte der Bundespolizei an der Razzia beteiligt. Neben Akten und mutmaßlich gefälschten Passdokumenten stießen die Beamten dann neben mehreren Kartons mit gefälschter Markentextilware und unversteuertem Tabak tatsächlich auch auf diverse Waffen, daruner Macheten, Schwerter, Messer, Munition für Handfeuerwaffen und eine Laserzieleinrichtung für ein Gewehr.

          „Kunden“ zur illegalen Einreise überredet

          Der in Essen festgenommene 24 Jahre alte Hauptbeschuldigte soll Mitglied eines der in Essen ansässigen libanesischen Familienclans sein. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll er seine international weit verzweigten Verbindungen zu Kontaktpersonen genutzt haben, die ihn unter anderem bei der Beschaffung von gefälschten Dokumenten oder auch als sogenannte Begleitschleuser unterstützten. Als Preis für die Einschleusung nach Deutschland sollen die Beschuldigten Beträge von bis zu 10.000 Euro pro Person gefordert haben.

          Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten sichern die Razzia gegen Schleuser in Essen.
          Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten sichern die Razzia gegen Schleuser in Essen. : Bild: dpa

          Nach Einschätzung der Ermittler haben die Mitglieder des Schleusernetzes in einigen Fällen erst mit dem Hinweis auf die ihnen angeblich zur Verfügung stehende kriminelle Logistik den Entschluss ihrer „Kunden“ zur illegalen Reise nach Deutschland bei den späteren Geschleusten hervorgerufen. Die mit gefälschten Reisedokumenten oder Aufenthaltstiteln ausgestatteten Personen seien überwiegend per Flugzeug eingereist. In mehreren Fällen hätten allerdings Grenzpolizisten an den als Zwischenziel genutzten Transitflughäfen die Dokumente als Fälschungen erkannt und die Geschleusten festgesetzt.

          „Hochprofessionelle Schleuserstruktur“

          Die Bundespolizei berichtete nach Abschluss des Einsatzes am Mittwoch von einer zehnköpfigen libanesischen Familie, die mehrere Wochen lang ohne genügend Bargeld in Kuala Lumpur in Malaysia bleiben musste, bevor ihr mit Hilfe des UNHCR und der deutschen Botschaft in Malaysia aus humanitären Gründen die Weiterreise nach Deutschland ermöglicht wurde. Den Großteil des vereinbarten Schleuserlohns soll die Bande vorab eingestrichen haben. Nach ihrer Ankunft in Deutschland kritisierten Mitglieder der betroffenen Familie das nach ihrer Auffassung betrügerische Verhalten der Schleuser öffentlich auf einem arabischsprachigen Fernsehsender, teilte die Bundespolizei mit.

          Erst vor kurzem hatte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, mit Blick auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen aus Afghanistan vor einem internationalen Schleusernetz gewarnt. Der deutsche Auslandsgeheimdienst habe bei seinen Anlaysen der Vorgänge auf den Fluchtrouten in Afghanistan „eine hochprofessionelle Schleuserstruktur ausgemacht, deren Netzwerk über die Türkei bis nach Griechenland, Italien und Frankreich reicht“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa den BND-Präsidenten nach einer nichtöffentlichen Veranstaltung. Afghanistan stehe vor einer Abwärtsspirale. Für alle aktuellen Krisenherde wie auch Syrien, Irak, Libyen, Jemen und Somalia gelte: „Clans, Milizen und Terrorgruppen sind die Profiteure der Stunde.“

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