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Großbritannien : Cameron will Flüchtlinge direkt von Syriens Grenzen holen

  • Aktualisiert am

Premierminister David Cameron ist zögerlich damit, Großbritannien für Flüchtlinge zu öffnen Bild: Reuters

Lange hatte sich der britische Premier dagegen gesträubt, weitere Flüchtlinge ins Land zu lassen. Unter dem Eindruck schockierender Bilder bewegt er sich nun. Unter Druck setzt ihn auch eine Online-Petition mit 333.000 Unterstützern.

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          Die britische Regierung ist offenbar bereit, einige tausend weitere Flüchtlinge aus Syrien ins Land zu lassen. Nachdem am Donnerstag Bilder eines auf der Flucht im Mittelmeer ertrunkenen syrischen Jungen für Entsetzen gesorgt hatten, geht Premierminister David Cameron zumindest teilweise auf Kritiker ein. Opposition, Kirchenvertreter, Hilfsorganisationen und auch Abgeordnete aus Camerons Tory-Partei fordern angesichts der Flüchtlingskrise, dass ihr Land sich nicht abschottet.

          „Als Vater haben die Bilder des toten Jungen mich sehr bewegt", sagte Cameron am Donnerstag in einem Fernsehinterview. „Großbritannien ist eine moralische Nation, die stets ihre moralischen Verpflichtungen erfüllt. Wir nehmen Tausende auf, und wir werden weiterhin Tausende aufnehmen." Zugleich ist dies offenbar ein Signal, dass die Zahl deutlich unter der Forderung von Oppositionspolitikern bleiben wird, mindestens Zehntausend weitere Flüchtlinge ins Land zu lassen. Seine Aussage bekräftigte Cameron bei einem Besuch in Lissabon.

          Die Neuaufnahmen werden wohl nicht aus anderen EU-Ländern auf die Insel kommen, berichten britische Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen. Damit sollten Menschen davon abgehalten werden, die riskante Reise nach Europa zu unternehmen.

          Vielmehr werden sie aus Flüchtlingscamps nahe der syrischen Grenze stammen, wo Millionen ausharren. Die Aufnahme werde in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen laufen, berichtet die Zeitung „Guardian“. Über dieses Programm habe Großbritannien bislang lediglich 200 Syrer aufgenommen, insgesamt seien es seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 knapp 5000 gewesen.

          Mehr als 333.000 Menschen in Großbritannien haben die Regierung unterdessen aufgefordert, mehr Flüchtlinge ins Land zu lassen. „Großbritannien gewährt im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern nicht ausreichend Asyl“, heißt es in der Online-Petition an Regierung und Abgeordnete. „Wir müssen helfen.“ Petitionen, die mehr als 100.000 Unterstützer finden, werden für eine Parlamentsdebatte in Betracht gezogen.

          Camerons Regierung wehrt sich gegen feste Quoten, um die Flüchtlingsströme auf die verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten zu verteilen. Viele Flüchtlinge versuchen derzeit, die britischen Inseln durch den Kanaltunnel vom französischen Calais aus zu erreichen.

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